Von: apa
Der ORF und die Polizei setzen beim 70. Eurovision Song Contest (ESC) in Wien auf sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen. So gilt in der Wiener Stadthalle “Flughafensicherheit”. Metalldetektoren und Spürhunde sind im Einsatz – auch schon vor der ESC-Woche Mitte Mai. Beim Event gilt eine “No-Bag-Policy” – selbst Bauch- und Handtaschen sind nicht erlaubt. Das soll ein sichere Veranstaltung gewährleisten, die im Greenroom mit Kaffeehausflair aufwartet.
Das Sicherheitskonzept ist 400 Seiten dick, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im ORF-Zentrum. Man arbeite schon seit langem intensiv und in enger Abstimmung mit Behörden und der Polizei daran. Es gehe weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, versicherte Oliver Lingens, Head of Event. “Es behandelt alles von der Übernahme der Stadthalle bis hin zum letzten Besucher, der die Stadthalle verlässt.” Die beim ESC beschäftigten Personen werden bereits jetzt Sicherheitschecks unterzogen. Sämtliches Equipment, das in die Stadthalle gelangen soll, muss durch Röntgenstraßen, Metalldetektoren und an Spürhunden vorbei. 180 neue Kameras wurden installiert, “die jeden Winkel betrachten”, so Lingens.
Gegenwärtig keine konkreten Gefährdungen
Wiens Landespolizeivizepräsident Dieter Csefan betonte, dass die Wiener Polizei “hohe Expertise und langjährige Erfahrung” bei der Durchführung von Großevents habe. Man befinde sich seit Monaten in engem Austausch. Gegenwärtig mache man keine konkreten Gefährdungen für die Veranstaltung aus. “Extremistisch motivierte Akteure” seien aber ein wesentlicher Faktor, den es zu berücksichtigen gelte. Hier stehe man auch im Austausch mit internationalen Partnern.
Pro Tag sind 500 Sicherheitskräfte allein in der Stadthalle im Einsatz. Die Polizei wird in Uniform und in Zivil, mit Spezialkräften und Polizeidiensthundeeinheiten präsent sein. Auch Maßnahmen zur Drohnenabwehr werden ergriffen. Mit dem Innenministerium und der EBU wurde zudem eine “Cybersecurity Coordination Group” eingerichtet, um die digitale Infrastruktur zu schützen. “Unsere Lagebilder erlauben es uns, Bedrohungen in Echtzeit zu erkennen”, so ORF-Technikdirektor Harald Kräuter. Man unterstütze auch Hotels, in denen die ESC-Teilnehmer untergebracht werden – etwa wie sie ihre Buchungsstellen und WLAN-Verbindungen absichern.
Keine Details nannte Lingens dazu gefragt, ob für die israelische Delegation besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten: “Uns ist natürlich die Sicherheit aller Delegationen in hohem Ausmaß wichtig.”
Keine Taschen im Publikum
Die strengen Sicherheitsvorkehrungen betreffen auch die ESC-Fans. Sie sollen wie am Flughafen längere Wartezeiten beim Einlass einplanen. Nur, was man in der Hosentasche unterbringen kann, schafft es auch in die Halle. Eine Ausnahme gilt für transparente Behältnisse im Format von maximal A6. Falls jemand doch einen Rucksack oder eine Handtasche dabei hat, werden Schließfächer rund um die Stadthalle zur Verfügung gestellt. “Unser oberstes Ziel ist eine sichere Veranstaltung und das müssen und werden wir gewährleisten”, so Lingens.
Sämtliche Tickets sind personalisiert. Beim Einlass gilt mit Ausnahme für Kinder Ausweispflicht. Die Tickets dürfen nicht ausgedruckt werden, auch ein Screenshot genügt nicht, da der QR-Code sich bis zu seiner Auswertung alle paar Sekunden verändere, um Fälschungen keine Chance zu geben, erklärte der ESC-Event-Manager.
Restkarten im März zu haben
Apropos Tickets: Restkarten gelangen am 26. März um 15 Uhr in einer zweiten Ticketwelle in den Verkauf. Wie viele lässt sich noch nicht letztgültig sagen, aber es werden wohl wenige tausend Tickets sein, so Lingens. Dabei handelt es sich u.a. um Karten, die von Delegationen und von Partnerorganisationen nicht abgerufen wurden.
Chancen auf Tickets haben aber nur Personen, die sich bereits für die erste Ticketwelle vor mehreren Monaten registriert hatten. Wer das getan habe, für den gelte nun “Daumen drücken”, so ORF-Chef Roland Weißmann. Denn es werde wohl ähnlich schnell wie bei der ersten Verkaufswelle gehen, bei der die Tickets in Rekordzeit vergriffen waren.
Kaffee im Greenroom
Der Greenroom – also der Aufenthaltsbereich für Künstlerinnen und Künstler sowie deren Delegationen – soll heuer einen besonderen Charme ausstrahlen. “Wir stellen uns nicht nur die Frage, ob da weiße, braune oder graue Sessel drinstehen. Wir machen daraus ein Kaffeehaus”, sagte ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz. Und dieses soll auch bespielt werden. “Die Atmosphäre wird zu spüren sein”, versprach sie. Zudem müssen die ESC-Starter auf ihrem Weg zur Bühne nicht außen rum gehen, sondern gelangen über einen Steg durch das Publikum direkt ins Zentrum des Geschehens.
Möglichst geringer CO2-Fußabdruck
Auch zur Nachhaltigkeit hat sich der ORF Gedanken gemacht. “Der ESC soll zum Lern- und Referenzprojekt für Großveranstaltungen weltweit werden”, sagte ESC-Executive-Producer Michael Krön. Man wolle den CO2-Fußabdruck so gering wie möglich halten und strebe die Zertifizierung mit den Umweltzeichen “Green Event” und “Green Producing” an. Man achte auf die Themenbereiche Mobilität und Logistik, Abfallwirtschaft und Energie. Dank der Photovoltaik-Anlage der Stadthalle habe man Zugriff auf sehr viel nachhaltige Energie. Zudem verzichte man auf herkömmliche Leuchtkörper und setze auf LED und Laserlicht.
ORF-Generaldirektor Weißmann hat sich mittlerweile auch näher mit dem “hochsympathischen” Österreich-ESC-Starter Cosmó befasst, ihn gegen Hass im Netz verteidigt und seinen Song mehrfach angehört. Dabei habe er auch ein bisschen dazu getanzt und ist etwas ins Schwitzen geraten. Denn ihm stelle sich mittlerweile die Frage, “ob wir wieder gewinnen”.




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