Britischer Popstar legt neue Musik vor

Harry Styles überzeugt auf neuem Album mit neuem Sound

Donnerstag, 05. März 2026 | 11:24 Uhr

Von: APA/dpa

Die Berliner Luft hat schon vielen Künstlern gutgetan. David Bowie schuf dort seine “Berlin Trilogy”. Sein damaliger Mitbewohner Iggy Pop nahm ebenfalls zwei stilprägende Alben auf. Auch Depeche Mode, U2, Nick Cave oder die Pet Shop Boys arbeiteten in Berlin. Jetzt hat sich der britische Superstar Harry Styles (32) für sein neues Album “Kiss All the Time. Disco, Occasionally” vom Leben in der Hauptstadt inspirieren lassen.

Viel Zeit in Berlin verbracht

“Ich habe letztes Jahr viel Zeit in Berlin verbracht”, erzählte der passionierte Läufer, der den Berliner Marathon in unter drei Stunden absolvierte, dem Magazin “Runner’s World”. “Ich habe viele lustige und interessante Leute kennengelernt und viele verschiedene Arten von Musik gehört. Und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das meine Musik beeinflusst hat.”

Das war schon in der ersten Single zu erkennen, mit der Harry Styles eine neue musikalische Seite von sich zeigt. “Aperture” ist kein klassischer Popsong, sondern ein vom House inspirierter, elektronischer Dance-Track mit einer nächtlichen Atmosphäre. Mit pulsierendem Beat und diesen stakkatoartigen Klavierakkorden – sogenannten Piano-Stabs – baut sich der Song langsam auf.

“Der Sound des Albums entstand vor allem dadurch, dass ich viel ausgegangen bin”, sagte Styles, der am Nachtclub Berghain gesehen wurde. Was ihm in der Hauptstadt besonders gefiel: “Einfach in einer Menschenmenge sein zu können, mit Freunden zusammen zu sein und sich sicher genug zu fühlen, um sich ein wenig gehen zu lassen und zu tanzen und so.”

Aufnahmen in den Hansa Studios

Von wegen “Disco, Occasionally” – “Disco, gelegentlich”: Die meisten der zwölf neuen Tracks sind tanzbar. “American Girls” drängt sich als eine der nächsten Single-Auskopplungen auf: Die eingängige Midtempo-Pophymne mit kräftigem Beat klingt nach dem Soundtrack für einen Sonnenuntergang mit Party am Strand – und ist wie gemacht für die großen Konzerte.

Seine Tournee hatte Styles bei der Produktion des Albums, das unter anderem in den Berliner Hansa Studios aufgenommen wurde, im Hinterkopf. “Mir gefiel die Vorstellung, was ich damit auf der Bühne machen könnte – wirklich komplett in die Musik einzutauchen”, sagte er “Runner’s World”. “Das Ziel war im Grunde, ein Album zu machen, das mir beim Spielen genauso viel Spaß macht wie beim Entstehen.”

“Are You Listening Yet?”, fragt er spielerisch im gleichnamigen Song, einem energetischen Dance-Track mit einer treibenden Basslinie, dessen Sound an Bands wie LCD Soundsystem erinnert. Der Refrain ist fast unauffällig, aber wegen voluminöser Percussion und fetter E-Gitarren wirkt der Song. Neben “Aperture” ist es einer von insgesamt fünf Tracks mit einem Gospelchor.

Vielseitig und experimentell

“Kiss All the Time. Disco, Occasionally” ist im Vergleich zu Harry Styles’ bisheriger Musik ein experimentelles Hörvergnügen. Bestes Beispiel ist das leicht chaotische “Season 2 Weight Loss” mit verschobenen Breakbeats, technoiden Klängen und einem Bass, der gefühlt gegen den Takt arbeitet.

Woanders mischen sich Streicher mit verträumten Synthesizer-Klängen (“The Waiting Game”). Oder funky Synthpop im 80er-Stil wird mit Elementen von Prince und Zapp garniert – und mit “Respect Your Mother!”-Rufen (“Dance No More”).

Wunderbar auch die symphonische Ballade “Coming Up Roses” ohne Beats oder Schlagzeug, dafür mit einem 39-köpfigen Orchester. Es geht um eine durchzechte Nacht in der Stadt und um “hangover chasing” – die Jagd nach dem Kater.

Ein Album für die große Bühne

Der Aufstieg vom Boygroup-Mitglied zum Solo-Superstar war und ist für Harry Styles auch mit einigen Herausforderungen verbunden. Sein Privatleben stand noch deutlich mehr im Fokus der Öffentlichkeit als zu seiner Zeit mit One Direction. Mit dem immer größeren Erfolg kamen auch existenzielle Fragen.

“Besonders auf Tournee hatte ich oft damit zu kämpfen, dass ich das Gefühl hatte, nicht genau zu wissen, was ich eigentlich gebe, was ich der Welt zu bieten habe”, sagte Styles. In “Paint By Numbers”, das an Tom Pettys “Free Fallin'” erinnert, reflektiert der einstige Casting-Star: “Oh, was für ein Geschenk es ist, ein Künstler zu sein, aber es hat nichts mit mir zu tun. Es ist ein lebenslanges Lernen, Malen nach Zahlen und Zuschauen, wie die Farben verlaufen.”

Musikalisch hat Harry Styles viel zu bieten. Auf “Kiss All the Time. Disco, Occasionally” entdeckt man bei jedem Hören etwas Neues. Die detailreiche, ausgefeilte Produktion erzeugt ein filmisches Flair. Die Songs sind eine sensorische, verführerische Erfahrung – und lassen erahnen, wie gut dieses Album live funktionieren dürfte.

Schon am Tag der Album-Veröffentlichung können sich rund 20.000 Fans in Manchester davon überzeugen, bevor die große Tournee – bisher noch ohne Österreich-Termine – im Mai in Amsterdam startet. Eine Aufzeichnung aus Manchester ist ab Sonntag (8. März) beim Streamingdienst Netflix zu sehen.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen