Von: apa
Für Patti Smith war ihr zweiter von drei Auftritten im Rahmen der 75. Wiener Festwochen wie ein Heimspiel: Zum zehnten Mal seit 1988 gastierte die Künstlerin in der Arena, wo sie ein begeistertes Publikum mit einem Konzert verwöhnte, das von zarten bis lauten Tönen alles zu bieten hatte. “Einer der besten Auftrittsorte der Welt”, streute die 79-Jährige Rosen. Smith und ihre Fans genossen eine knisternde Atmosphäre, die es in der Intensität eben bei Heimspielen gibt.
Die Amerikanerin, die ihre ganze Karriere lang gleichermaßen mit künstlerischer Qualität wie mit Haltung und Authentizität beeindruckt, startete das ausverkaufte Open-Air am Donnerstag mit “Ghost Dance” – akustisch wie am Dienstag im kleinen Rahmen im Theater Akzent. Schon da war klar: Diese Frau hat immer noch eine gewaltige, mal mesmerisierende, mal aufrüttelnde Stimme. Beim folgenden elektrifizierten “Dancing Barefoot” machte das Patti Smith Quartet, zu dem neben der Sängerin ihr Sohn Jackson Smith an der Gitarre, Tony Shanahan am Bass und Keyboard sowie Drummer Seb Rochford gehören – schon ordentlich Druck.
Sie fühlt die Menschen, sie fühlt die Schmerzen, sang Patti Smith mit Hingabe in die einbrechende Nacht. Man glaubt ihr jedes Wort. Dann das eindringliche “Revenge”, gefolgt vom beschwingten “Space Monkey”: Smith und Co. zauberten ein in sich stimmiges Wechselbad der Stimmungen hervor, das mit dem berührenden Doors-Cover “The Crystal Ship” gleich noch eine weitere Gefühlsvariation zu bieten hatte. Große Überraschungen auf der Setlist gab es allerdings keine.
Höhepunkte abseits der großen Hits
Wenn Smith davon erzählte, wie sie auf Grundlage eines Traumes, in dem sie Jim Morrison aus einer Statue befreite und er dann in den Himmel flog, mit Tom Verlaine “Break It Up” komponierte, lauschte man gerne gebannt. “Fireflies” widmete sie ihrem 1994 verstorbenen Mann Fred Smith: Die spirituelle Mischung aus Folk- und Artrock erwies sich als einer der Höhepunkte abseits der ganz großen Hits.
Zu diesen Highlights zählte auch “Beneath The Southern Cross”, gewidmet leidenden Kindern in Palästina, im Kongo, Libanon und an anderen Orten der Welt. Das Quartett – Patti nun mit Gitarre – steigerte sich dabei in ein immer intensiver werdendes Spiel, dicht beim Schlagzeug stehend, die Gitarren “laufen” lassend, vom Bass angetrieben. Man möge die Energie fühlen, rief Smith. Und: “Feel your fucking freedom!” Politisch auch “Peaceable Kingdom”, geschrieben vor mehr als 20 Jahren nach dem Tod einer jungen Aktivistin in Palästina.
Geburtstagsständchen für Dylan und die Arena
Es kam, wie es kommen musste: Die unverwüstlichen großen Drei im musikalischen Werk der rockenden Poetin – “Because The Night”, “Gloria: In Excelsis Deo” und “People Have The Power” – bildeten den gefeierten Abschluss. Aber vor dem finalen Lied schob Patti Smith “einen kleinen Song für Bob” ein, eine intime Version von “One Too Many Mornings” zum anstehenden 85. Geburtstag Dylans. Für die Arena stimmte die Rock-Ikone außerdem noch ein “Happy Anniversary” zum 50-Jahr-Jubiläum an. “Wenn ich in Wien wohnen würde, wäre ich hier schon 805 Mal aufgetreten”, scherzte sie. Schön wär’s.
Ihren dritten Auftritt innerhalb von vier Tagen in der Bundeshauptstadt hat Patti Smith am Freitag. Da singt und spricht sie am Heldenplatz im Rahmen der Festwochen-Eröffnungsshow.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E – www.festwochen.at )




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen