Von: APA/dpa
Senta Berger wird 85? Kaum zu glauben. Wer die berühmte Schauspielerin trifft, erlebt eine charmante und energiegeladene Frau, der man ihr Alter nicht anmerkt. Selbst einen Oberschenkelbruch im Jänner hat sie gut weggesteckt. Disziplin, Kraft und einen starken Willen – das lernte die gebürtige Wienerin schon als 16-Jährige in der Tanzausbildung. “Und das hält mich bis heute zusammen”, sagte Berger der dpa in München anlässlich ihres 85. Geburtstages am Mittwoch (13. Mai).
Fitnessraum statt Rollator
“Mein Körper, der hat es nicht vergessen, wie man aufsteht”, sagt sie. Sich einfach gehen lassen? Nicht ihr Ding, auch nicht nach dem Unfall, bei dem sie im Jänner vor einer Lesung in Hamburg von der Bühne gestürzt war. Nach einer Operation folgte eine mehrwöchige Reha. Das tägliche Programm “von 8.30 bis 17.00 Uhr” nahm Berger ernst. “Es gibt auch Leute, die sagen: Oh, heute habe ich Migräne, ich gehe jetzt nicht in den Fitnessraum, aber so etwas würde ich mir niemals erlauben, wenn ich schon die Chance habe, in der Reha zu sein”, stellt sie pragmatisch fest. “Ich wollte einfach nicht mit dem Rollator gehen müssen. Vielleicht kommt das irgendwann noch, aber jetzt kämpfe ich noch dagegen.”
Handwerk, Hollywood und Buhlschaft
Eine optimistische und lebensbejahende Einstellung, die typisch ist für Berger. Als 16-Jährige stand sie erstmals vor der Kamera, für den Film “Die unentschuldigte Stunde”. 1961 kam der Durchbruch mit der Romanverfilmung “Es muss nicht immer Kaviar sein”. Auch Hollywood wollte die hübsche, temperamentvolle Schauspielerin haben, deren Vorbild die italienische Diva Sophia Loren war. Sie drehte Filme wie “Major Dundee” oder “Cast a Giant Shadow”, später folgten viele französische und italienische Komödien.
“Na ja, so ist das beim Film. Verdienst gut, aber bist verkauft”, kommentierte ihr Vater die Leinwandkarriere seiner Tochter, nachzulesen in ihrer Autobiografie “Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann”. Heute sagt Berger über ihre ersten Jahre: “Ich habe einen Vertrag gehabt als sehr junges Mädchen mit einem Filmproduzenten, der sehr viele Filme produziert hat. Am laufenden Band, und ich war in sehr vielen Filmen drin”, sagt sie. “Das waren meine Handwerksjahre. Die Filme waren schlecht, aber das Handwerk habe ich gelernt.”
Dass Berger ihr Handwerk beherrscht, davon zeugt die enorme Bandbreite ihrer Rollen, für die sie viele Preise einheimste. Bei den Salzburger Festspielen gab sie von 1974 bis 1982 die Buhlschaft im “Jedermann”. Sie spielte in Kultserien wie “Kir Royal” oder “Die schnelle Gerdi”. Und fürs ZDF ermittelte sie jahrelang in der Krimi-Serie “Unter Verdacht”. Auch in vielen Fernseh- und Kinofilmen ist sie zu sehen, etwa im Drama “Weißt Du noch” oder in der Komödie “Willkommen bei den Hartmanns”, erstmals unter Regie ihres Sohnes Simon Verhoeven.
“Da passiert jetzt etwas Großes”
Ein aufregendes, glamouröses Leben – doch das schönste Geschenk war nicht der Erfolg, sondern die Liebe, “Michael, natürlich”. 1963 traf sie am Filmset von “Jack und Jenny” den drei Jahre älteren Mediziner Michael Verhoeven, der nebenbei schauspielerte. Ein Filmkuss brachte sie zusammen – der Beginn einer großen Liebesgeschichte, die 1966 durch eine Hochzeit und später mit den Geburten ihrer Söhne Simon und Luca gekrönt wurde.
“Er hat es ja auch so empfunden, dass es ein unglaublicher, glücklicher Zufall war, dass wir uns überhaupt begegnet sind, es hätte ja auch ganz anders sein können, und dass wir uns so stark auf aufeinander eingelassen haben”, sagt Berger heute. “Auch das hätte anders sein können, dass es halt ein Flirt ist oder eine flüchtige Begegnung beim Film. Aber wir haben schon beide gespürt, da passiert jetzt etwas Großes zwischen uns.”
Liebe und Alleinsein
In der Tat führten beide eine glückliche Ehe ohne Skandale, bis zu Verhoevens Tod im April 2024. “Das Vertrauen, das wir zueinander gehabt haben, das war sehr groß. Das hat uns beide getragen”, resümiert Berger. Umso schlimmer empfand sie den Verlust ihres geliebten Gatten, aber auch den Tod anderer Verwandte und Freunde. “Das Alleinsein habe ich gelernt. Dass man nach Hause kommt und niemand ist da. Keiner sagt: “Na, wie war’s?”, wartet auf mich.”
Ein wichtiger Anker: ihre Söhne und deren Familien. “Ich war natürlich eine unglaublich verliebte Mutter”, bekennt sie. “Das waren sehr schöne Zeiten und auch mein Jungsein war schön, meine Kindheit, herrlich glücklich.” Mit Sohn Simon Verhoeven verbindet sie auch die Arbeit. Unter seiner Regie spielte sie in der erfolgreichen Tragikomödie “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke”, für die sie nun auch als beste Hauptdarstellerin für den Deutschen Filmpreis am 29. Mai nominiert ist.
“Man weiß ja nie”
Ein würdiger Abschluss ihrer Karriere – eine Möglichkeit, die Berger selbst schon aufwarf mit Blick auf den Film, “nicht nur, weil er schön ist, sondern weil ich 85 bin, das darf man nicht vergessen”, präzisiert sie nun. “Ich habe das so gerne gemacht und jetzt werde ich sogar noch ausgezeichnet dafür mit der Nominierung. Ich kann mir nicht denken, dass ich dann noch mal so eine schöne Rolle zu spielen bekomme. Aber man weiß ja nie.”
Ob es am 29. Mai ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk in Form einer Filmpreis-Trophäe gibt? Darauf kommt es ihr nicht an. “Damit kann man nicht rechnen und das macht doch nichts. Ich finde die Nominierung schon eine Auszeichnung.” Auf jeden Fall feiern will sie ihren runden Geburtstag, daheim in Grünwald mit der Familie, “wenn das Wetter schön ist im Garten”. Ein großer Wunsch dagegen bleibt ein Traum: “Dass alle die, die ich schon verloren habe, mit uns jetzt hier am Tisch sitzen würden. Das wäre doch was.”




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