Herausragende Teilnahme der Bevölkerung

CHRIS-Studie: Mit über 13.000 Vinschgauer Teilnehmern geht erste Phase zu Ende

Montag, 12. November 2018 | 10:49 Uhr

Bozen/Schlanders – 10.000 Studienteilnehmer sollten es werden, damit aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse möglich sind – dieses Ziel hat die CHRIS-Studie mit über 13.000 Teilnehmern sogar übertroffen. Dank ihnen konnten die Forscher von Eurac Research die Biobank aufbauen, eine einzigartige Forschungsressource für Südtirol. Sie besteht aus 800.000 Proben mit tiefgekühltem biologischem Material: Urin, Blut und DNA. Damit verbunden ist eine Datenbank mit Informationen zum Gesundheitszustand der Studienteilnehmer. In Kürze beginnt die nächste Phase der Langzeitstudie, mit der die Wissenschaftler von Eurac Research erforschen wollen, wie sich der Gesundheitszustand der Menschen über die Zeit hinweg verändert und welchen Einfluss Risikofaktoren tatsächlich haben.

Die CHRIS-Studie ist bereits ein aktiver Teil der Südtiroler und internationalen wissenschaftlichen Forschung. International hat die CHRIS-Studie zur Identifizierung von mehr als hundert genetischen Varianten im Zusammenhang mit der Schilddrüsenfunktion beigetragen. Die Ergebnisse können helfen, neue therapeutische Behandlungen für Schilddrüsenfehlfunktionen zu entwickeln. Ebenso trägt die CHRIS-Studie zu genetischen und epidemiologischen Studien in vielen Bereichen wie Herzfunktion, chronische Nierenerkrankung, Fettleibigkeit, Schlafstörungen, Fettstoffwechsel, Immunsystem und metabolisches Syndrom bei. Die Ergebnisse dieser Studien werden ab 2019 in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

Dank der Daten und Proben der Studienteilnehmer konnten die Forscher des Instituts für Biomedizin ein Softwareinstrument entwickeln, das anzeigt, welche Familien für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind. Es arbeitet mit Stammbäumen und genetischen Risikofaktoren. Mithilfe dieses Instruments konnten die Wissenschaftler für verschiedene Krankheiten Familiengruppen mit einer erhöhten Zahl von Krankheitsfällen identifizieren, zum Beispiel Fälle von Familiärer Hypercholesterinämie, also genetisch bedingte erhöhte Cholesterinwerte.

Die CHRIS-Studie profitiert von einigen Besonderheiten, die sich auf wissenschaftliche Entdeckungen auswirken können. Zunächst einmal erlaubt die Rekonstruktion von ausgedehnten Stammbäumen die Vererbung von genetischen Variationen zu verfolgen. Darüber hinaus könnten die insgesamt einheitliche Lebensweise der Teilnehmer und die ähnlichen Umwelteinflüsse es ermöglichen, genetische Signale klarer zu identifizieren. „Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen, die vor allem in den kommenden Jahrzehnten folgen werden, hat die CHRIS-Studie schon jetzt viel Gutes bewirkt: So haben wir einzelne Teilnehmer im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen auf Risikowerte aufmerksam gemacht, von denen sie selbst noch nichts wussten. Sie konnten dann direkt mit ihren Hausärzten die Befunde besprechen und Erkrankungen rechtzeitig entgegenwirken“, erklärt Peter Pramstaller, Leiter des Instituts für Biomedizin von Eurac Research. Doch nicht nur einzelne Teilnehmer haben profitiert, im Rahmen der CHRIS-Studie wurde auch die Initiative „Tu’s einfach“ gegründet. Beteiligt sind verschiedene Vinschgauer Verbände, die Menschen aller Altersgruppen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren wollen und dafür regelmäßige Programme organisieren.

„Besonders wichtig ist uns, den mehr als 13.000 Teilnehmern für ihren herausragenden Beitrag zu danken. Denn ohne sie gäbe es die Studie heute gar nicht“, unterstreichen Pramstaller und Cristian Pattaro, der wissenschaftliche Leiter der CHRIS-Studie. Beide hoffen auf die Bereitschaft der Teilnehmer, sich weiterhin zu beteiligen. Denn im Frühjahr 2019 startet die nächste Untersuchungsrunde der Langzeitstudie. „In der zweiten Phase werden wir mehr instrumentelle Messungen durchführen, die objektivere und genauere Informationen über den Gesundheitszustand der Teilnehmer liefern. Beispielsweise werden wir Untersuchungen der Netzhaut mit speziellen Instrumenten durchführen, um Veränderungen im Kreislaufsystem zu erkennen.“, berichtet Pattaro. „Darüber hinaus wird das Wiederholen von Messungen über die Zeit es ermöglichen Faktoren zu identifizieren, die mit dem Auftreten und Fortschreiten verbreiteter Krankheiten zusammenhängen.“, schließt Pattaro.

Einen Rückblick auf die bisherigen Ergebnisse der Studie sowie einen Ausblick auf die nächste Phase gab das CHRIS-Team von Eurac Research im Rahmen einer Tagung mit den Teilnehmern am Samstag, 10. November in Prad am Stilfserjoch.

Von: mk

Bezirk: Vinschgau

Kommentare

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7 Kommentare auf "CHRIS-Studie: Mit über 13.000 Vinschgauer Teilnehmern geht erste Phase zu Ende"


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dom99
dom99
Grünschnabel
28 Tage 19 h

Interessant wäre doch mal eine Studie oder Erhebung der Krebsfälle in Gemeinden mit intensiven Monokuturanbau (Obst, Wein….) und in Gemeinden mit wenig oder keinem Obstbau…

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
28 Tage 13 h

hat nicht viel Sinn, denn behandelte Monokultur-produkte werden überall verzehrt und nicht nur am Produktionsort. Dazu kommen noch hunderte(!) andere Giftstoffe, Hormone, Mikroplastik, Staub, … mit so viel Umweltgift ist es schwierig eine Statistik zu machen…

Tobi
Tobi
Grünschnabel
27 Tage 23 h

Gibs jo schun die sell Studie. Koan Unterschied zu Gemeinden wo’ s koan Obstbau gib.

ma che
ma che
Tratscher
28 Tage 17 h

Ich versteh die Leute nicht mehr: immer Panik wegen der Privacy im Gesundheitswesen haben und hier freiwillig alle möglichen Tests machen lassen und zustimmen dass jede noch so kleine Information weiterverkauft werden darf 😂

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
28 Tage 16 h

dass die Epigenetik (Umwelt und Lebensstil) viel mehr Einfluss auf unserer Gesundheit hat als die Genetik ist mittlerweile bekannt und somit müssten ALLE auf einem besseren Lebensstil achten und unsere Umwelt schützen! Dafür braucht’s keine Studie.

Protler
Protler
Grünschnabel
28 Tage 14 h

Gesundheitsstudie gut und Recht, aber: Auffallend ist, dass Grenzwert für Diabetis oder Cholesterin stufenweise immer weiter heruntergesetzt wurden und werden. So sind immer mehr offiziell “krank” und haben Bedarf an Medikamenten. Wer davon profitiert ist klar! Das ist leider die Realität, heraufbschwört durch eine der größten Lobbyverbänden unserer Zeit!

der Vinschger
der Vinschger
Superredner
19 Tage 21 h

Schaugn wos di 2. Phase für Ergebnisse liefert!

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