Hass wird begünstigt

Die Autovervollständigung von Google ist diskriminierend

Dienstag, 11. September 2018 | 07:57 Uhr

Die Suchmaschine Google wird 20 Jahre alt. Doch beim Konzern herrscht in Sachen Diskriminierung offenbar immer noch Lernbedarf. Die Nicht-Regierungsorganisation Goliathwatch weist darauf hin, dass durch die Autovervollständigung im Suchfeld Hass begünstigt wird.

Wer bei Google derzeit etwa die beiden Worte „Flüchtlinge können“ eingibt, erhält als Vorschläge „Flüchtlinge können nichts“ oder „Flüchtlinge können gratis telefonieren“. Während der erste Vorschlag eine ganze Gesellschaftsgruppe diskriminiert, ist der zweite eine glatte Lüge. Gibt man „Frauen sollten“ ein, kommt als Suchvorschlag „Frauen sollten sich rar machen“ heraus. Dabei handelt es sich um einen frauenfeindlichen Stammtischspruch, schreibt ze:tt.

Deutschsprachige Suchvorschläge von Google sind nicht selten rassistische, sexistische und teilweise rechte oder sogar rechtsextreme Aussagen.

Weitere Beispiele, die am 3. September 2018 gesammelt wurden, zeigen: Wer „Migration ist“ eingab, erhielt unter anderem als Suchvorschlag „Migration ist das trojanische Pferd des Terrorismus“. Diese Aussage stammt vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der damit eine Verschärfung des Asylgesetzes rechtfertigte. Orbán wird für den Spruch immer noch auf rechten Plattformen gefeiert. Gab man „Auschwitz ist“ ein, spuckte Google unter anderem den Spruch „Auschwitz ist eure Heimat die Öfen euer Zuhause“ aus. Diese Worte standen 1999 auf einem Transparent rechtsextremer Hooligans des Fußballvereins Lazio Rom.

Dass der Internet-Konzern solche Aussagen anzeigt, hält der Geschäftsführer von Goliathwatch, Thomas Dürmeier, für fatal. Der Volkswirt veröffentlichte mit seinem Team eine Studie, aus der hervorgeht, dass die Suchvorschläge von jedem zweiten Google-Nutzer übernommen werden. Jeder Dritte schenkt den negativen oder diskriminierenden Aussagen der Suchmaschine sogar Glauben.

Rund eine Milliarde Menschen nutzen die Suchmaschine regelmäßig. Pro Sekunde werden über 64.000 Suchanfragen gestellt. Die Funktion der Autovervollständigung sollte ursprünglich Eingaben erleichtern – und damit auch die Suche nach Informationen und Angeboten.

Im Algorithmus von Google sei dadurch aber auch eine automatische Möglichkeit integriert, Menschen zu diskriminieren, ist Dürmeier überzeugt. Die aus den Vorschlägen resultierenden Suchergebnisse könnten die öffentliche Meinung, Einkaufsentscheidungen und sogar Wahlen beeinflussen.

Mit dem Problem der diskriminierenden Autovervollständigung kämpft Google übrigens nicht allein. Wenn man etwa das Wort „Flüchtlinge“ im Suchfeld von Facebook eingibt, erscheint „Flüchtlinge raus aus Deutschland“. Doch das schmälert das Problem des IT-Riesens aus Mountain View nicht, vor allem wenn man an die enorme Bedeutung der Suchmaschine denkt.

Google selbst hat im Einzelfall auf die Kritik, die bereits in der Vergangenheit aufgetaucht ist, reagiert. Zum Wort „Jude“ werden etwa keine Sucherweiterungen mehr angezeigt, nachdem vier französische Menschenrechtsorganisationen wegen „latentem Antisemitismus“ Klage erhoben. Auch rassistische Suchergebnisse im Zusammenhang von Barack Obama findet man nicht mehr.

Außerdem hat Google mittlerweile zumindest eine Meldefunktion für „unangemessene Vervollständigungen“ eingerichtet. Für Dürmeier und seine Organisation ist das aber zu wenig. Goliathwatch fordert, dass der Konzern die Funktion der Autovervollständigung ganz abschaltet.

Von: mk

Kommentare

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16 Kommentare auf "Die Autovervollständigung von Google ist diskriminierend"


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typisch
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Universalgelehrter
9 Tage 21 h

klar und wenn man trump, salvini oder sogar putin eingibt kommen sicher nur gute sachen……

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 18 h

Die Autovervollständigung bei Trump liefert in dieser Reihenfolge:
“News”, “Twitter”, “Nachrichten”, “Deutsch”, “Melania”, “Trumpf”, “Donald”, “Neuigkeiten”
Es liegt an dir, ob du das als gut empfindest oder nicht.

Bei Salvini erscheint folgendes:
“News”, “Matteo”, “Twitter”, “Di Maio”, “Facebook”, “Flüchtlinge”, “Moglie”, “Migranti”, “Deutsch”

Hast du das überhaupt ausprobiert bevor du rumgemosert hast?

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 16 h

ps: Bei Putin erscheint “Alter”, “Frau”, “Größe”, “Freundin”, “News”, “Kinder”, “Vermögen”.

Für die Tests hab ich mich auch meinem Konto ausgeloggt, damit nicht meine Präferenzen mit berücksichtigt werden (Die Protokollierung hab ich zwar deaktiviert, aber man weiß ja nie)

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
9 Tage 11 h

@Neumi
sorry lieber Neumi – dein Vergleich hinkt:
gibt man nur “Frauen ” oder nur “Salvini” ein, kommen zunext nur normale Sachen, verlängert man die Suche, kommt natürlich dementsprechend mehr (Mist):
“Renzi vai… a cac….”
“Frauen tun…..es selb..”

Eigentlich ist der ganze Artikel für die Fisch….

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 10 h

@ex-Moechteg.Lhptm. Nein, der Vergleich passt schon. Es geht um die ersten paar Einträge und die sind eben die genannten und bei den Flüchtlingen die aus dem Artikel.

In jeder Liste findet man irgendwann mal das, was man sucht, bzw. das , was einen stört.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
9 Tage 8 h

Google ist ein global player. Was habt ihr euch erwartet? Einen Samariter oder einen skrupellosen auf maximalen Gewinnorientierten Kapitelhai? Denen ist das doch egal, hauptsache die Kasse stimmt.

Pyrrhon
Pyrrhon
Tratscher
9 Tage 19 h

Nicht Google macht die Vorschläge, die Autovervollständigung hängt davon ab wie oft man selbst oder andere Benutzer bestimmte Suchbegriffe eingegeben haben.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 18 h

Dass gesammelt lauter Beleidigungen oben stehen, lässt auf eine massive Anwendung von Bots schließen.

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
9 Tage 18 h

Wenn man Idiot eingibt, kommt bei den Bildern nur Trump.
Ich wollte dafür mal dem Programmierer danken. 😂😂

OrB
OrB
Universalgelehrter
9 Tage 15 h

Herr lass es Hirn regnen!.,sollten das alle Probleme sein die wir haben.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 15 h

Und wer macht die Sauerei dann weg?

Zu deiner Frage kann ich eine Gegenfrage stellen: Ist das die einzige News über Probleme, die du heute gelesen hast?

a sou
a sou
Superredner
9 Tage 17 h

Hahahaha… Google ist schuld!! Wir haben den Schuldigen!! Böses, Böses Google. Das Niveau der ONGs ist nicht mehr zu unterbieten!! 😀 

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
9 Tage 18 h

Wow, da haben einige die Suchmaschine ganz schön dreist manipuliert. Auch eine Möglichkeit, Bots einzusetzen.

der echte Aaron
der echte Aaron
Superredner
9 Tage 15 h

Das sind die wirklich schlimmen Probleme der globalisierten Welt, nicht das x Millionen von Menschen an Armut sterben!!! (damit wenige noch reicher werden)

JingJang
JingJang
Grünschnabel
9 Tage 13 h

Dies gibt doch nur wieder, was die Mehrheit dort eingibt. Erinnert mich stark an das Experiment, wo künsliche Intelligenz bei Verbrecher Prophielen helfen sollte. Das Projekt musste wegen Rassismus eingestellt werden. Der Computer errechnete, dass Dunkelhäutige in der unterschicht Prozentmäßig am meisten Verbrechen begehen. Der Computer errechnet nur was fakt ist und hat keinen Vorurteile gegen bestimmte Gruppen. Bei den größten Verbrechen, die am meisten Schaden an der Menschheit angerrichtet haben, würde das Ergebnis wohl genau andersrum sein.

Mehlwurm
Mehlwurm
Grünschnabel
9 Tage 5 h

Des kling jo foscht asou als tat a kluaner inder in kastl drin huckn und die vorschläge schreibn… de wearn aufgrund von nutzerverholtn generiert (global) und zwor von an Computer, logisch versteat der sell nit wos er do ausgib 🙈 desholb jo a die Meldefunktion, weil google nit die kontrolle ibers nutzerverholtn hot… bzgl. Vorschläge obscholtn: wia oft suacht man eppas, wo men nit genau woas wia erklern/schreibn, semm isch man nor wieder froa um di vorschläge und vervollständigungen 🤔

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