Viele Gesellschaften konsumieren zu viel Fleisch

Stammt das Fleisch der Zukunft aus dem Labor?

Dienstag, 21. September 2021 | 07:14 Uhr

Bozen – Falls die Unternehmensberatung A.T. Kearney mit ihren Prognosen richtig liegt, werden schon im Jahr 2040 nur mehr rund 40 Prozent des globalen Fleischmarktes auf herkömmliches Schlachtfleisch entfallen, pflanzliche Fleischersatzprodukte werden einen Marktanteil von 25 Prozent, so genanntes In-vitro-Fleisch (lat. in vitro = im Glas), also im Labor künstlich hergestelltes Fleisch, sogar einen Anteil von 35 Prozent erreichen. Allerdings nur, wenn es gelingt, Laborfleisch in industriellem Maßstab herzustellen und die derzeit noch sehr hohen Produktionskosten auf ein akzeptables Niveau zu senken. Der erste Hamburger aus dem Labor eines niederländischen Forschungsteams wurde 2013 in London öffentlichkeitswirksam vor laufenden Kameras verkostet. Die Entwicklungskosten wurden mit 250.000 Euro beziffert. Dem Produkt wurde bescheinigt, tatsächlich wie Fleisch zu schmecken. Mittlerweile sind zahlreiche Start-Up-Unternehmen sowie finanzkräftige Investoren in das zukunftsträchtige Geschäft eingestiegen.

Ausgangsstoff für das kultivierte Fleisch sind Stammzellen. Diese werden mittels Biopsie aus dem Muskelgewebe von lebenden Rindern, Hühnern oder anderen Tieren entnommen und in einem Bioreaktor auf einer Nährlösung zu Muskelfasern herangezüchtet. Neben Muskelzellen werden auch Fettzellen und ein molekulares Trägergerüst benötigt, damit das In-vitro-Fleisch tatsächlich so schmeckt und geformt ist wie ein Stück Schlachtfleisch. Die Nährlösung enthält fetales Kälberserum. Dieses wird mit einer Kanüle, vermutlich unter großen Schmerzen, aus den Herzen von lebenden Kälberföten entnommen. Die Föten sterben dabei, die trächtige Kuh wird geschlachtet. Fetales Kälberserum ist ausgesprochen teuer, aus finanziellen und ethischen Gründen wird nach pflanzlichen Alternativen geforscht.

Vorteile von künstlich hergestelltem Fleisch seien laut den Befürwortern das Vermeiden von Tierleid durch das Eindämmen der Massentierhaltung, das Vermeiden von Schlachtabfällen, ein im Vergleich zu Schlachtfleisch um 90 Prozent geringerer Flächen- und Wasserverbrauch sowie geringere Treibhausgasemissionen.

„Die Hersteller von In-vitro-Fleisch versprechen tierleidfreies Fleisch für einen Genuss mit gutem Gewissen“, meint dazu Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, „solange aber fetales Kälberserum als Nährlösung dient, ist Laborfleisch definitiv nicht tierleidfrei. Auch wird damit nicht das grundsätzliche Problem gelöst, dass viele Gesellschaften zu viel Fleisch konsumieren. Wirklich zukunftsfähig ist eine überwiegend pflanzenbasierte Kost. Fleisch kann darin durchaus Platz haben – wenn es aus lokaler, tiergerechter Haltung stammt, höchstens ein- bis zweimal pro Woche auf den Tisch kommt und wenn dabei möglichst alle essbaren Teile des Tieres verwertet werden.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Stammt das Fleisch der Zukunft aus dem Labor?"


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knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

an guatn speck und a kaminwurz loss ich mir von niemanden verbietn.
 gemüße kennen die fockn fressn.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

knoflheimer
👍 Jau, ganz meine Meinung.

vunmirausgsechn
vunmirausgsechn
Tratscher
1 Monat 4 Tage

und bei ins hobn se Ongst vor die Impfungen 😂😂😂 na im Ernst….dai a bissl normal tian und lai oanmol die Woch Fleisch essn und donn net Fleisch aus Massenzucht kafn, sel tat wol a, oder??

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
1 Monat 4 Tage

So wie der Corona Virus…stammt auch aus dem Labor!

N. G.
N. G.
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Die “armen” Coronaleugner und Impfgegner! Wenn sie dann kein richtiges Fleisch mehr bekommen.
Wer weiss was in dem gezüchteten Fleisch drinnen ist. *Ironie Ende*
Die würden wahrscheinlich lieber mit Antibiotika vollgepumpte Schweine und mit Nikotin besprühte Hühner essen… GRINS*

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

So lange fetales Kälberserum notwendig ist, das Kalb darunter so leiden muss und danach die Kuh getötet wird, finde ich das eine echte Tierquälerei….

Faktenchecker
1 Monat 3 Tage
Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Und ich sage Insekten, wie Heuschrecken oder Maden werden das “Fleisch” der Zukunft. In jedem wären sie viel günstiger und gesünder für den Menschen, das Klima und es bestünde kaum die Gefahr, dass weiterhin Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übergehen, um die Welt ins Chaos zu stürzen.

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@ Grantelbert
Ich muss nicht unbedingt Fleisch essen und Insekten, Heuschrecken und Honigwürmer schon gar nicht, das geht alles an mir vorbei, kein Problem…

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

man muß auch nicht Fleisch essen !..weder aus dem Labor noch aus Massentierhaltung🤮

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

hallihallo
Klar! Gemüse und Körnele können nicht wegrennen. Ironie aus.

andr123
andr123
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Hauptsache es schmeckt!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 3 Tage

Was ich bis jetzt an Fleischersatz probiert habe war nicht genießbar. Verzichte aber mehr auf Fleisch. Und solches aus Massentierhaltung kommt nicht auf den Teller.

Grod-Aussa
Grod-Aussa
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Do werts widdo jede Menge neue Kronkheitn gebn, wo ka Teifl was, wo se her kemm.
Mohlzeit, obo ohne mi!

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Hallo zum Nachmittag,

ach warum nicht, es gibt ja auch schon Bordelle wo man es mit Puppen treiben kann..

Einen Link gibt es natürlich nicht und wehe es sucht jemand nach Begriffen wie Bordoll.

Und wenn so ein Puppenhengst danach noch Heisshunger auf ein Steak aus Erbsen-und Sojapampenpresslingen mit vielen Geschmacksstoffen hat ist das nur konsequent..

Auf Wiedersehen bei Bockbraten,Schöpsernes,Speckknödel und einem gescheitem nicht alkoholamputiertem Forst dazu

vomdorf
vomdorf
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Leider hat nicht jeder das Glück, sein Fleisch vor dem Verzehr grasend zu sehen. Viele sind aufgrund von geringem Einkommen auch auf billig Fleisch aus dem Supermarkt angewiesen. Lieber weniger Fleisch und dafür aus guter regionaler Haltung. Muss kein Bio sein, aber die Viecher sollen es gut haben, bis ihr Tag kommt.
Zeug aus dem Labor ist nix. Das macht krank, aber das passt ja ins Gesamtbild derzeit

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