Afi zu Verteilungsgerechtigkeit

Arbeitnehmer sehen “signifikantes Wohlstandsgefälle”

Donnerstag, 12. August 2021 | 11:39 Uhr

Bozen – “Die Kluft zwischen Arm und Reich wird von den Südtiroler Arbeitnehmern als bedeutend eingestuft”, schickt AFI-Forscher Matteo Antulov voraus. 87 Prozent der befragten Arbeitnehmer sind der Meinung, der Wohlstand sei in Südtirol relativ ungleichmäßig verteilt. Verantwortlich werden dafür die gesamtstaatliche und lokale Wirtschaftspolitik, die Lohnpolitik und das Steuersystem gemacht. Eine gute Schulbildung sowie ein gutes Netzwerk sind entscheidend, um in Südtirol die Nase vorn zu haben.

Die Hauptergebnisse der Sommerausgabe des AFI-Barometers wurden vom Institut schon am 16. Juli auf einer Pressekonferenz vorgestellt und genau zwei Wochen später folgte mit dem Branchenspiegel die Vertiefung für die einzelnen Wirtschaftssektoren. Die noch ausstehenden Fragen wurden hingegen erst vor wenigen Tagen ausgewertet: wie stark Südtirols Arbeitnehmer die wirtschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich in Südtirol einschätzen, welche Faktoren sie dafür verantwortlich machen bzw. was es in Südtirol braucht, um vorne mitzumischen.

Um das Thema Verteilungsgerechtigkeit aus allen Blickwinkeln zu beleuchten, sind sowohl Umfrage- wie auch Verwaltungsdaten wertvoll, betont AFI-Direktor Stefan Perini. „Umfragen spiegeln die Wahrnehmungen von bestimmten Zielgruppen wider und zeigen auf, wie die Menschen ticken. Verwaltungsdaten wiederum sind nützlich, um die Situation zu objektivieren“.

„Perzipierte“ Kluft bleibt groß

87 Prozent der im AFI-Barometer befragten Arbeitnehmer schätzen die Kluft persönlich zwischen jenen, die in Südtirol viel haben und jenen, die wenig haben, als “groß” (56 Prozent) bzw. “sehr groß” (31 Prozent) ein. Nur 13 Prozent der Arbeitnehmer sind der Meinung, dass die Unterschiede wenig ins Gewicht fallen. Ergebnisse, die durchaus mit jenen der Vorjahre übereinstimmen und den AFI-Forscher Matteo Antulov insofern nicht wirklich überraschen, wenn nicht aufgrund der Tatsache, dass selbst ein so einschneidendes Ereignis wie die Corona-Pandemie die Prozentanteile der Antworten nicht durchmischt hat.

Die Hauptgründe: die Wirtschafts-, Lohn- und Steuerpolitik

Als Bestimmungsfaktor für die Kluft zwischen Arm und Reich machen Südtirols Arbeitnehmer in erster Linie die lokale und gesamtstaatliche Wirtschaftspolitik verantwortlich (29 Prozent). Es folgen die Lohn- (27 Prozent) und Steuerpolitik (22 Prozent), also all jene Faktoren, welche der einzelne Arbeitnehmer selbst nicht beeinflussen kann. Erst an vierter Stelle reiht sich die unterschiedlich große Arbeitsleistung von Personen ein (elf Prozent).

Was zählt: eine gute Schulbildung und das richtige Netzwerk

Rein hypothetisch gelingt es in einer perfekt durchlässigen und leistungsorientierten Gesellschaft jeder Person, mit entsprechendem Arbeitseinsatz die soziale Leiter hochzuklettern. Hart arbeiten ist aber nur eines und noch dazu nicht das wichtigste der Elemente, um die eigene wirtschaftliche Stellung in der Gesellschaft zu verbessern. Das Wichtigste, das benötigt wird, um in Südtirol die Nase vorn zu haben, ist nach Ansicht der befragten Arbeitnehmer/Innen eine gute Schulbildung. Der zweitwichtigste Aspekt seien die Kontakte – sprich das Glück, die richtigen Personen zu kennen. Auf einer Skala von null (nicht wichtig) bis zehn (sehr wichtig) haben die genannten Aspekte in beiden Fällen eine Durchschnittsbewertung von mehr als acht erhalten. Hart zu arbeiten, das Glück auf der eigenen Seite zu haben oder einer wohlhabenden Familie anzugehören sind zwar auch vorteilhafte Faktoren, werden aber als nachrangig eingestuft.

Stellungnahme des AFI-Präsidenten Dieter Mayr

„In einer sozialen Marktwirtschaft stehen Staat und Land in der Pflicht, ihre Lenkungsfunktion wahrzunehmen und die Weichen so zu legen, dass eine Umverteilung des Wohlstands im Sinne einer stärkeren Ausgewogenheit begünstigt wird.“

Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die telefonisch geführte Umfrage betrifft 500 Arbeitnehmer und ist für Südtirol repräsentativ. Die nächsten Umfrage-Ergebnisse werden Mitte Oktober 2021 vorgestellt.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "Arbeitnehmer sehen “signifikantes Wohlstandsgefälle”"


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Kinig
1 Monat 16 Tage

Das war schon immer so. Egal, wo man auf diesem Planeten lebt. Das der Sozialismus keine Zukunft hat, durften wir in WD hautnah erleben und dürfen es mit unseren Steuern finanzieren.

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 16 Tage

Sozialismus wäre das Einzige was funktionieren würde. Leider wurde er immer auf Halbweg verwässert und aufgeweicht.
Außerdem hat der Kapitalismus vor dem Sozialismus Angst, denn wenn dieser Erfolg hat, schwinden die Möglichkeiten daß sich Wenige auf Kosten der Massen bereichern.
Was wirklich nicht funktioniert, ist der Kapitalismus. Millionen von bettelarmen Menschen rund um den Globus sind der Beweis.

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 16 Tage

In Deutschland ist die Schehre zwischen Arm und Reich nicht so groß

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Kinig
1 Monat 16 Tage

@meinungs.freiheit..da könnte Etwas dran sein. Das nennt man dann wohl Sozialstaat oder Solidargemeinschaft. Und die muss sich ein Staat leisten können….

eiskolt
eiskolt
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

@meinungsfreiheit@
daß die Schere zwischen arm und reich immer größer wird, ist auch in Deutschland so… Dieses Phänomen gibt es weltweit

Mr.X
Mr.X
Tratscher
1 Monat 16 Tage

In Mittelstond triffts aktuell am härtesten und früher oder später werds leimer a haufn Orme und a por Stoanreiche geben, leider.

eiskolt
eiskolt
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

@MrX@ Wer gehört lt dir dem Mittelstand an? Von mir aus gibt es diesen schon nicht mehr….

So ist das
1 Monat 16 Tage

Wenn man, nicht wie so einige Politiker, in der Realität lebt, ist das alles nichts neues 🤔

primetime
primetime
Kinig
1 Monat 16 Tage

Solange ein Politiker so viel verdient dass er sich Hütten aufstellen, dauernd volltanken und täglich Gourmetessen leisten kann wird er nicht verstehen was es heißt “den Euro 2 Mal umdrehen” und auf etwas verzichten damit am Abend etwas im Magen landet.

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Kinig
1 Monat 16 Tage

@primetime…wer in so einer prekären Lage ist, dass sie/er sich über das tägliche Essen Sorgen machen muss, verdient einerseits Solidarität von Denen, denen es gut geht. Andererseits jedoch sollte sie/er die Schuld nicht nur bei den “Reichen” suchen. Die eigene 👃 ist deutlich näher…..

eiskolt
eiskolt
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

@offline@
Sehe ich genau so…. Es gibt auch Familien welche durch Schicksalsschläge (Krankheit, Unfälle….) in die Armut abgerutscht sind. Jedoch meistens liegt es daran, dass vielen der Willen fehlt, bzw. auf gut südtirolerisch “kuane Eier hobn” etwas zu erreichen…

PuggaNagga
1 Monat 16 Tage

Schulbildung kann bei uns jeder kostenlos erhalten.
Nur, alle sind nicht gleich schlau und fleißig.
Es wird immer reich und arm geben.
Man muss auch sagen dass viele von uns bequem sind und ihre Armut selbst verschuldet haben. Die können mit Geld einfach nicht umgehen. Jeder Krempel wird gekauft und am Ende bleibt halt nichts mehr übrig.

Kingu
Kingu
Tratscher
1 Monat 16 Tage
Fraglich ist in der Zukunft, wie teilt man den Reichtum auf oder muss es so weit kommen, dass wir wie in der Sowjetunion groß angelegte Enteignungen von Land und Kapital umsetzen müssen. In Berlin überlegt man ja bereits, Wohnungen zu enteignen im Besitz von Immobilienunternehmen. Ich würde definitiv dafür stimmen, da das ganze System für Reiche ausgelegt ist. Reiche, die mit öffentlichen Gelder umbauen und im Endeffekt aktives und passives Eigenkapital mit Steuern erhöhen, welche auch noch über Jahre abgeschrieben werden können. Staatsbedienstete, die teils höhere Renten als ehemalige Löhne erhalten, während andere nicht einmal ihre Kaufkraft erhalten können und… Weiterlesen »
andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Wer macht eine nullsteuerrechnung? Der Arbeitnehmer wohl kaum.
Und mit den Steuern der Arbeiter werden bereichernde Super Gehälter im öffentlichen Bereich finanziert. Ist klar das die jungen Leute keine unterbezahlten arbeiten mehr verrichten wollen. Ein bißchen Studium, ein bißchen reden gute clics am PC scheint genug zu sein. Landwirtschaftliche, handwerkliche Arbeit soziele Berufe werden abgestuft , dabei bieten Diese Grundlage menschlicher Existenz

Man muss sehen

planB
planB
Tratscher
1 Monat 15 Tage

Verantwortlich werden dafür die gesamtstaatliche und lokale Wirtschaftspolitik, die Lohnpolitik und das Steuersystem gemacht. FALSCH!! Verantwortlich dafür ist ein Geldsystem, wo mit Geld Geld verdient werden kann, ohne etwas dafür zu Leisten. Ein bedingungsloses Spitzeneinkommen für arbeitslose Millionäre sozusagen. Dem Volk aber wird erzählt ohne Arbeit kein Einkommen, das bedingungslose Grundeinkommen wird verwehrt. Wir können umverteilen solange wir wollen, dem exponentiellen Zins kommen wir nicht hinterher. Warum sonst gehöhrt dem 1% die Hälfte allen Reichtumes auf der Welt. Mit Arbeit ist das nicht zu schaffen.

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