Arbeitsmarktbericht

Arbeitsmarkt nimmt wieder Fahrt auf – und sorgt für Überraschung

Donnerstag, 10. Juni 2021 | 16:38 Uhr

Bozen – Ein äußerst differenziertes Bild bietet der Südtiroler Arbeitsmarkt in den Monaten November 2020 bis April 2021. Die aktuellen Daten über das abgeschlossene Berichtshalbjahr haben heute im Rahmen einer Pressekonferenz Landesrat Philipp Achammer und der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther, präsentiert. Der Tenor: Der Arbeitsmarkt ist zweigeteilt, das Halbjahresergebnis stark negativ, aber es gibt Anlass zu Optimismus. Die detailgenauen Daten sind im jüngsten Arbeitsmarktbericht enthalten, den die Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt des Landes erarbeitet hat.

Rückgang von Arbeitsverhältnissen im Tourismus

Südtirols Arbeitsmarkt zeigt einen “nie dagewesenen Rückgang an Arbeitsverhältnissen”, fasst Landesrat Achammer die Entwicklung der letzten sechs Monate zusammen. “Wir müssen auf Südtirols Arbeitsmarkt ein Minus von 5,5 Prozent an Arbeitsverhältnissen verbuchen, wenn wir das aktuelle Halbjahr mit dem von November 2019 bis April 2020 vergleichen”. Dieses Minus von 5,5 Prozent erfordere allerdings eine Präzisierung, so der Landesrat: “Es handelt sich um höchst unterschiedliche Situationen, nämlich zum einen um Monate, in denen der Arbeitsmarkt vom Virus infiziert war – November 2020 bis April 2021, zum anderen um Monate der Vorpandemiezeit – eben von November 2019 bis Februar 2020.”

“Durch die fehlende Wintersaison konnten viele Saisonarbeitskräfte ihre Arbeitsstelle in den Hotels und Gaststätten überhaupt nicht antreten. Eine ausgefallene Wintersaison ist wahrlich auch für den Arbeitsmarkt ein historisches Ereignis”, bringt Landesrat Achammer die Hauptursache für die negative Entwicklung auf den Punkt. “Beim Minus handelt es sich in erster Linie um einen Rückgang von prekären, also befristeten Arbeitsverhältnissen. Bei den unbefristeten Arbeitsverhältnissen hingegen greifen die staatlichen Maßnahmen wie der Lohnausgleich und der Kündigungsschutz. Sie verzeichnen sogar ein leichtes Plus”, verdeutlicht der Landesrat die vielfältigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.

Seit Anfang Juni Beschäftigtenzahl von 2019 erreicht

“Außerordentlich positiv” ist für Landesrat Achammer hingegen die Entwicklung des Arbeitsmarktes seit dem Monat April: Sie zeigt einen stetigen und rapiden Anstieg der Arbeitsverhältnisse bzw. der Aktivierung von Arbeitsverhältnissen. “Südtirol hat mit Anfang Juni fast wieder die Beschäftigtenzahl des Jahres 2019 erreicht”, betont Landesrat Achammer. “Unsere Gesamtwirtschaft, aber insbesondere der Tourismussektor, haben sich gut und relativ schnell erholt.”

Diesen Optimismus teilt der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther: “Für den gesamten Arbeitsmarkt ist der Zeitpunkt Ende März ein sehr wichtiger. Ab Anfang April haben wir – vom Tourismussektor abgesehen – eine überraschend dynamische Entwicklung in allen Sektoren, die wir in dieser Schnelligkeit nicht erwartet haben.”

Aktive Arbeitsmarktpolitik für Stabilisierung notwendig

Eine aktive Arbeitsmarktpolitik ist in dieser Phase mehr denn je notwendig – diesen Schluss zieht Landesrat Achammer aus den vorgestellten Daten. “Wir müssen vor allem das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Also: vermitteln, Hindernisse abbauen, Möglichkeiten schaffen. Mir ist besonders wichtig, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Zielgruppen lenken: auf die Jüngeren, auf Frauen und auf Personen mit Migrationshintergrund”, gibt der Arbeitslandesrat die Linie vor. Es dürfe keine Generation Lockdown entstehen. Es gelte Praktikumsstellen zu schaffen, Frauen eine durchgängige Erwerbsbiografie zu ermöglichen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch weiter zu verbessern.

Abteilungsdirektor Luther präsentiert bereits erste Umsetzungsmaßnahmen, die aber weiter verstärkt werden müssen: “Jede Krise bringt zusätzliche Langzeitarbeitslose hervor, während Betriebe parallel dazu Arbeitskräfte suchen”, erklärt Luther. Für Maßnahmen brauche es jetzt einen Investitionsschub in die Strukturen der aktiven Arbeitsmarktpolitik; auch seien neue Instrumente anzudenken, damit der Südtiroler Arbeitsmarkt nachhaltig zukunftsfest bleibt.

Arbeitsmarktbericht online abrufbar

Der neueste Arbeitsmarktbericht kann online auf den Webseiten des Landes zum Thema Arbeit eingesehen werden.

Seit 2013 erscheint die Arbeitsmarktbericht alle sechs Monate (jeweils im Juni und im Dezember) und gibt einen detailgenauen Einblick in die Entwicklungen am Südtiroler Arbeitsmarkt mit Schwerpunkt auf die Veränderungen zum Vorjahr. Texte, Zahlen und Diagramme veranschaulichen die kurzfristige Entwicklung in einzelnen Wirtschaftssektoren, bei bestimmten Arbeitnehmergruppen wie Frauen, Ausländern und Jugendlichen sowie Beschäftigungsformen (befristete Arbeitsverhältnisse, Lehrverträge, Leiharbeit usw.). Erstellt wird der Arbeitsmarktbericht von der Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt des Landes Südtirol.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Arbeitsmarkt nimmt wieder Fahrt auf – und sorgt für Überraschung"


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buggler2
buggler2
Tratscher
2 Tage 23 h

Überraschung 🤔
Wo leb denn der, alle Betriebe suchen Arbeiter, räumt mal mit denen auf die gesund zu Hause sitzen und alle möglichen Sozialhilfe genießen.

pincolino
pincolino
Grünschnabel
2 Tage 22 h

Also, wenn ich das so lese, dann verstehe ich schon, warum die meisten im Krisen-Rausch sind, jetzt schnell Ärmel hochkrempeln, impfen und dann raus aus der Krise! Es geht schon wieder bergauf! Nur glauben kann ich’s irgendwie nicht. Ich lass mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich sag schon seit Jahren, für meine Generation wird’s keine Rente mehr geben – und jetzt? Die EU-Staaten sind hoch verschuldet, Italien sowieso, die EZB ist anscheinend pleite, Kompatscher bettelt um Geld in Rom … hm. Und im nächsten Herbst wieder Lockdown. Denn da werden sicher nicht weniger erkranken als in den letzten Wintern.

sumperer
sumperer
Neuling
2 Tage 8 h
Sehe ich auch so, dass es für mich vom Staat keine Rente mehr geben wird. Daher habe ich das selbst in die Hand genommen: Meine derzeitige Sparrate liegt monatlich bei ca 50% meines Monateinkommens. Strebe aber durch weitere Optimierungen eine Sparrate von etwa 70% an. Das Ersparte fließt zu einem günstigen Zeitpunkt in  verschiedenste Investments welche langfristig gute Renditen bringen sollten. (Zinseszins) Denke damit lässt sich langfristig ein gutes finanzielles Polster schaffen. Steigt mein Gehalt weiter, womit ich rechne. Sieht es natürlich noch besser aus. Ob der Plan aufgeht wird sich zeigen. Doch ich finde es  besser als zuzusehen und… Weiterlesen »
Storch24
Storch24
Kinig
2 Tage 23 h

Die Südtiroler sind es gewohnt zu jammern, auch noch mit vollen Taschen. Denn die wollen MEHR !

Opa1950
Opa1950
Tratscher
3 Tage 31 Min

Herr Achhammer, wäre besser sie informieren sich besser, bevor sie solche Reden schwingen.

Mauler
Mauler
Superredner
2 Tage 22 h

Jo wem wunderts… hobn jo olle Ongst das es Superstrategen in Herbst wieder olles zuasperrt

Wia moansch
Wia moansch
Grünschnabel
2 Tage 20 h

Aha… frauen eine durchgehende erwerbsbiografie bieten. In diesem Jahr wurde mein arbeitsvertrag in der obbligatorischen mutterschaft nicht verlängert… und das als mitarbeiterin in der autonomen provinz bozen… soviel zu durchgehende erwerbsbiografie für frauen

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
2 Tage 10 h

…sowas hat die Landesverwaltung auch früher schon gerne gemacht…
😆

Guri
Guri
Superredner
2 Tage 21 h

welche Überraschung ,wenn man etwas mit Gewalt zerstören will ,hat Politik es richtig gemacht .

flakka
flakka
Tratscher
2 Tage 10 h

oha, die hotelerie hot sich in a poor wochen schun erholt, lach lach
wahnsinn, so bledsinne zu sogen

NurMalSo
NurMalSo
Neuling
2 Tage 10 h
Tja, alles läuft wieder. Wir haben jetzt seit 13 Jahren Wirtschaftswachstum, das ist der längste Zyklus in der Geschichte…Warum ist das so? Es wurde in den Jahren nach der Krise 2009 noch nie so viel Geld gedruckt. Der erzeugte Wohlstand basiert auf Schulden und das wird uns bald um die Ohren fliegen.. 2009 wurde das System mit Milliarden gerettet, 2020 mit Billionen! Seht euch nur um, die Preise steigen, Inflation setzt ein und das ist bei der erzeugten Geldmenge logisch. Der Wirtschaft geht es noch gut da Basiseffekte greifen und viel aufgeholt wird und was kommt wohl danach…? Herr Achammer… Weiterlesen »
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