Treffen in Bozen

Damit die Stadt funktioniert

Dienstag, 12. Mai 2026 | 12:20 Uhr

Von: mk

Bozen – Beim Treffen zwischen der Gemeinde Bozen, dem Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) und dem CNA ging es um eine Frage, die im Alltag oft unsichtbar bleibt: Wie bleibt die Versorgung einer Stadt langfristig gesichert?

Bürgermeister Claudio Corrarati, Vizebürgermeister Stephan Konder, Mobilitätsstadträtin Johanna Ramoser sowie die Vertreter der beiden Berufsverbände hielten fest, dass Bozen derzeit insgesamt funktioniert. Die Geschäfte sind gefüllt, Baustellen werden beliefert, Betriebe versorgt. Vieles davon geschieht im Hintergrund – organisiert, geplant, täglich umgesetzt. Doch genau dieser Hintergrund rückt zunehmend in den Fokus.

​Die Stadt wächst – die Logistik nicht

Die Diskussion zeigte schnell, dass sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Verkehrsaufkommen, Baustellen, Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz – all das hat zugenommen. Die Strukturen, auf denen der Warentransport basiert, sind hingegen vielerorts gleichgeblieben.

Alexander Öhler, Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im lvh, formulierte es klar: „Kleine und mittlere Unternehmen sind die Grundlage einer funktionierenden Wirtschaft. Damit sie ihre Arbeit leisten können, braucht es gezielte Unterstützung.“

Was fehlt, ist weniger Engagement als vielmehr ein übergeordnetes Konzept. Eine klare Struktur, die mit der Entwicklung der Stadt Schritt hält.

Wenn Betriebe an Grenzen stoßen

Die Herausforderungen werden besonders im täglichen Betrieb sichtbar. Fahrzeuge müssen ihren Platz finden, oft unter Bedingungen, die nicht für ihre Nutzung ausgelegt sind. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Planung und Effizienz.

Auch der CNA brachte konkrete Anliegen ein, die aus der Praxis heraus entstanden sind. So wurde etwa der Bedarf an geeigneten Abstellflächen für Transportfahrzeuge hervorgehoben – ein Thema, das sich durch viele Gespräche zieht. Ebenso fehlt es an grundlegender Infrastruktur wie einer geeigneten Waschanlage für LKW. Darüber hinaus rückt die Frage in den Vordergrund, wie die Logistik im Bereich Kühlketten künftig organisiert werden kann.

„Diese Aspekte zeigen, dass es sich nicht um isolierte Probleme handelt, sondern um ein System, das gleichzeitig an mehreren Stellen unter Druck steht“, betonten die beiden Verbände.

Mehr Baustellen, mehr Wege, mehr Druck

Parallel dazu entwickelt sich die Stadt weiter. Neue Bauprojekte, veränderte Verkehrsführungen und zusätzliche Mobilitätsangebote prägen das Bild.
Doch mit jeder Veränderung entstehen auch neue Anforderungen an die Logistik. Wege verändern sich, Abläufe müssen angepasst werden, Abstimmungen werden komplexer. Gleichzeitig fehlt oft eine übergreifende Koordination, die diese Entwicklungen miteinander verbindet.

Ein möglicher Ansatz, der im Austausch diskutiert wurde, ist die Schaffung eines zentralen Logistikstandorts. Die Idee dahinter: Warenströme bündeln, Abläufe strukturieren und die Verteilung effizienter organisieren. Auch die Einrichtung eines Hubs für die Zustellung in der Innenstadt wurde angesprochen, um die tägliche Belastung zu reduzieren und Prozesse besser zu steuern.

Jetzt braucht es Lösungen, nicht nur Einsicht

Das Treffen machte deutlich, dass das Bewusstsein für diese Themen vorhanden ist – sowohl bei den Betrieben als auch auf politischer Ebene.
Die Stadt selbst räumte ein, dass die Logistik in den vergangenen Jahren nicht immer im Mittelpunkt der Planung stand. Umso wichtiger ist nun der gemeinsame Blick nach vorne.
Mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe sollen konkrete Maßnahmen entwickelt und abgestimmt werden. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die sowohl den Anforderungen der Stadt als auch den Bedürfnissen der Betriebe gerecht werden.

Was auf dem Spiel steht

Die Logistik ist kein sichtbarer Teil der Stadt, aber ein entscheidender. Sie sorgt dafür, dass Abläufe funktionieren, dass Versorgung gewährleistet ist und dass wirtschaftliche Tätigkeit möglich bleibt. Wenn sie ins Stocken gerät, wird schnell klar, wie zentral sie ist.

Der Austausch in Bozen zeigt, dass dieser Bereich zunehmend Aufmerksamkeit erhält. Nicht als Randthema, sondern als Grundlage für eine funktionierende Stadt.

Bezirk: Bozen

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