Valentinstag aus der Sicht einer Verbraucherschützerin

Das Geschäft mit der Liebe

Mittwoch, 14. Februar 2018 | 07:12 Uhr

Bozen – Zwar hat das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) in den letzten Jahren davon berichtet, dass immer mehr Singles online auf Partnersuche gehen, aber auch das alte, klassische Modell der Partnervermittlungsinstitute scheint dennoch seinen Reiz nicht verloren zu haben. Ein Blick in die Zeitungen mit ihren vielen Partnerannoncen genügt, um zu wissen, dass es noch viele Singles gibt, welche die klassische Methode der Partnersuche der digitalen vorziehen.

Julia Rufinatscha, Rechtsberaterin im Europäischen Verbraucherzentrum Italien – Büro Bozen, prüft gerade einen in einer Bar abgeschlossenen Partnervermittlungsvertrag und weiß genau, worauf sie dabei zu achten hat: Die Vertragsdauer beträgt in diesem Fall sechs Monate, als Leistungsumfang werden sechs Kontaktadressen versprochen. Natürlich – wie könnte es auch anders sein – sieht der Standardvertrag vor, dass mit der Leistungserfüllung sofort begonnen wird und dass sich der Kunde damit einverstanden erklärt. Vergebens sucht die Juristin nach den Bestimmungen zum Rücktrittsrecht.

„Und als ich dann den stolzen Preis von 2.080 Euro gesehen habe, konnte ich meinen Augen kaum trauen“, erzählt die Mitarbeiterin des EVZ. „Das sind ja knapp 350 Euro pro Partnervorschlag!“, staunt sie. Der Verbraucher hatte ihr berichtet, den Vertrag im Herbst 2017 abgeschlossen zu haben und bisher, trotz mehrerer Kontaktversuche, keinerlei Leistung oder Rückmeldung von der deutschen Partnervermittlungsagentur erhalten zu haben.

Das EVZ überprüft nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die verschiedensten Partnervermittlungsverträge und konnte über die Jahre hinweg vielen Verbrauchern zu ihrem Recht verhelfen und dazu beitragen, dass die Vertragsbedingungen verbessert und, da es sich häufig um Institute aus Deutschland und Österreich handelt, an italienisches Recht und auch an europäisches Verbraucherrecht angepasst wurden. „Aber als ich diesen Vertrag vor mir liegen hatte, fühlte ich mich um Jahre zurückversetzt“, berichtet die Beraterin etwas enttäuscht. „So sieht ein Paradebeispiel eines Vertrages aus, wie er auf keinen Fall sein sollte!“

Vielleicht hätte es dem Verbraucher geholfen und davor bewahrt, einen solchen Vertrag überhaupt erst zu unterschreiben, hätte er gewusst:

  •  …dass Partnervermittlungsverträge häufig in einem Café oder in einer Bar abgeschlossen werden. Hier sieht das Gesetz ein Rücktrittsrecht vor, das innerhalb von 14 Tagen (Kalendertagen) ab Unterzeichnung ausgeübt werden kann; in diesem Fall muss der Verbraucher nichts bezahlen. Enthält der Vertrag die Informationen zu diesem Recht nicht, verlängert sich dasselbe auf zwölf Monate. “Achten Sie aber darauf, ob der Vertrag auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden eine sofortige Ausführung der Leistung vorsieht. Dadurch könnten sehr hohe Kosten entstehen, die Sie, sogar ohne jemals einen Partnervorschlag erhalten haben, im Falle eines Rücktritts bezahlen müssen. Deshalb unser Rat: Verzichten Sie auf eine Vermittlung bzw. Vertragsausführunginnerhalb der ersten 14 Tage!”
  •  …dass man immer eine Kopie des Vertrages und eine Kopie der eigenen Angaben über den Wunschpartner (sog. Partnerprofil) bei der Unterzeichnung des Vertrages verlangen sollte. So kann sich der Verbraucher stets vergewissern, ob die unterbreiteten Partnervorschläge mit den vertraglich vereinbarten Wünschen übereinstimmen.
  •  …dass, “sollten die Partnervorschläge in Bezug auf wesentliche, im Partnerprofil festgeschriebene Wunschvorstellungen nicht übereinstimmen, es nicht ausreicht, sich nur im Stillen zu ärgern, sondern dass unbedingt schriftlich und jedes Mal aufs Neue reklamiert werden muss. Nur so kann der Verbraucher verhindern, dass diese Vorschläge nicht angerechnet werden können”, so das EVZ.

 

“Das EVZ weiß, dass sich vieles von dem Obengesagten leichter anhört als es dann getan ist, aber vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere Verbraucher an unsere Tipps und schläft noch einmal eine Nacht drüber, bevor er einen solchen Vertrag unterschreibt”, heißt es in einer Aussendung mahnend.

Mehr Informationen rund um Partnervermittlungsverträge und Online-Dating-Seiten finden sich auf der Homepage www.euroconsumatori.org unter „Partnervermittlung“ oder telefonisch unter der Nummer 0471/980939 sowie per E-Mail an info@euroconsumatori.org.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

7 Kommentare auf "Das Geschäft mit der Liebe"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Luisl89
Luisl89
Grünschnabel
11 Tage 18 h

alles geldmacherei

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
11 Tage 17 h

alles reiner Schwindel und existiert nur weil es immer noch unzählig viel Schlaue gibt die sich da rein legen lassen.
Der Gesetzgeber war auch hier wie in vielen anderen Gebieten nicht in der Lage sowas einfach zu verbieten ……..

Geri
Geri
Tratscher
11 Tage 13 h

Vollkommen richtig. Ich kenne einige, die für solche Agentur in D gegen gutes Geld bewußt zahlungswillige Männer (für Frauen sind meisten günstigere oder gar kostenlose Accounts vorhanden – wo sind hier z.B. die Diskriminierungen?) telefonisch an der Stange halten, nur um die Abo’s künstlich zu verlängern, ohne denen jemals reale Aussicht auf ein Date zu geben. Von wegen alle 11 Minuten blablabla…
Aber irgendwie ist es auch richtig so, wer sein Hirn so vernebelt hat, muß noch “sehr” viel lernen. Meistens kostet das ziemlich viel Geld. Nicht umsonst heißt das Lehrgeld! 😎

silas1100101
silas1100101
Superredner
11 Tage 16 h

Welche Frau möchte mich mieten?

Marta
Marta
Universalgelehrter
11 Tage 14 h

💋💋💋💋i bin die Richtige💋

TanteEmma
TanteEmma
Neuling
11 Tage 12 h

Liebe ist was im Jahr passiert! Ganz sicher nicht was durch ein solches Datum festgelegt wird!

topgun
topgun
Grünschnabel
11 Tage 10 h

Wie heißt es so schön in der Werbung eines bekannten Vermittlungsinstitutes?
Alle 11 Min. verliebt sich ein Single …
Der Haken? EIN Single! 😄

wpDiscuz