Energiegemeinschaften neu denken

Energie der Zukunft

Freitag, 18. März 2022 | 19:14 Uhr

Bozen – „Energiegemeinschaften. Die Zukunft der Energie: erneuerbar, genossenschaftlich, preisgünstig, für alle.“ Unter diesem Motto stand am 18. März eine von Alperia, Regalgrid und dem Raiffeisenverband Südtirol organisierte Veranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern der EURAC, der Verbraucherorganisationen, des Gemeindeverbandes und des Landes.

Südtirols Antwort auf die steigenden Energiekosten, Klimakrise und Nachhaltigkeit könnten genossenschaftlich organisierte Energiegemeinschaften sein. Davon sind Alperia, Regalgrid und der Raiffeisenverband Südtirol überzeugt, die vor kurzem ihre Zusammenarbeit im Bereich Energiegemeinschaften besiegelt haben. Auf einer gemeinsam organisierten Fachtagung zum Thema veranschaulichten die Referentinnen und Referenten, wie das in der Praxis aussehen könnte. Das Ziel von Energiegemeinschaften ist der Zusammenschluss auf Bürgerebene, um gemeinsam erneuerbare Energie zu produzieren, zu verbrauchen und zu verkaufen. Die genossenschaftlich organisierten Energiegemeinschaften sind ein Instrument, um die Vorteile der erneuerbarer Energieerzeugung durch Photovoltaikanlagen der Bevölkerung, Genossenschaften, Gemeinden und kleinen und mittleren Unternehmen in Südtirol anbieten zu können.

Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol, unterstrich die Aktualität des Themas: „Die aktuellen Energiepreise zeigen, wie wichtig Alternativen zur Nutzung von erneuerbarer Energie sind und genossenschaftliche Energiegemeinschaften bilden eine solche Alternative.“

Gianni Silvestrini, wissenschaftlicher Leiter des Kyoto Club, QualEnergia, KeyEnergy, Präsident von Exalto, meinte: „Das heutige Treffen in Bozen ist ein wichtiges Signal für die Beschleunigung der in Italien und Europa laufenden Maßnahmen für erneuerbare Energien, um die Abhängigkeit von ausländischem Gas zu verringern und die auf europäischer Ebene festgelegten Klimaziele zu erreichen.”

Energiegemeinschaften werden seiner Meinung nach eine wichtige Rolle bei der Einbeziehung der lokalen Gegebenheiten spielen und können auch einen erheblichen Einfluss auf die Beschäftigung haben.

Marco Venturelli, Generalsekretär von Confcooperative, und Maria Adele Prosperoni, Leiterin des Dienstes für Umwelt und Energie, erläuterten den regulatorischen und institutionellen Rahmen für Energiegemeinschaften und zeigten auf, welche Forderungen die genossenschaftliche Welt im Energiebereich auf nationaler institutioneller Ebene stellt, und informierten über die grundlegende Funktionsweise einer Energiegemeinschaft.

Der Vizepräsident der Provinz und Landesrat für Umwelt und Energie, Giuliano Vettorato, lobte die Initiative von Alperia, Raiffeisenverband Südtirol und Regalgrid als zukunftsweisend: “Das Land unterstützt Projekte, welche einen Beitrag leisten, die vom Land festgelegten Ziele der ökologischen Nachhaltigkeit zu erreichen.

Andreas Schatzer, Präsident Südtiroler Gemeindeverband, bezog sich auf die aktuellen Herausforderungen für Gemeinden. Er erläuterte, inwieweit Gemeinden Partner auf dem Weg zu kooperativen Energiegemeinschaften sein können.
Manuela Paulmichl, Direktorin Amt für die Entwicklung des Genossenschaftswesens Provinz Bozen, sprach über Bürgergenossenschaften – die vor kurzem durch ein regionales Gesetz geregelt wurden – als einen Kontext, in dem das Wachstum von Energiegemeinschaften in genossenschaftlicher Form gut vorstellbar wäre: “Energiegemeinschaften basieren auf demselben Prinzip wie Gemeindegenossenschaften, d.h. die “besten Energien” innerhalb der Gemeinden, unter den Bürgern, zu aktivieren, um spezifische Bedürfnisse zu befriedigen oder Ressourcen effizienter zu nutzen.

Wolfram Sparber und David Moser vom Institut für Erneuerbare Energie, EURAC, hoben in ihren Vorträgen über Fotovoltaikanlagen und erneuerbare Energie hervor, dass es beim Geschäftsmodell Energiegemeinschaften nicht nur um die technische Komponente gehe, sondern auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle spiele mit einer sehr konkreten Ausrichtung auf die bisher auf Landesebene durchgeführten Versuche.

Katiuscia Eroe, Leiterin Energie Legambiente, brachte das Beispiel der CERS, erneuerbare und nachhaltige Energiegemeinschaften, das in anderen Gebieten erfolgreich umgesetzt wurde: „Ein Netzwerk von Energiegemeinschaften, wie es in kleinen Gemeinden, Schulen, Märkten, Vororten oder in all jenen Orten entstehen könnte. Energie-Gemeinschaften können nicht nur dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen und Kosten zu senken, sie bieten auch konkrete Lösungen für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort.“

Für Gunde Bauhofer, Leiterin der Verbraucherzentrale Südtirol, sind Eigenverbrauch und Energiegemeinschaften zukunftsweisende Maßnahmen mit vielen wirtschaftlichen, steuerlichen und ökologischen Vorteilen. Sie warnte jedoch davor, dass die neuen Maßnahmen das Thema Energie noch weiter verkomplizieren könnten: „Denn eines der größten Hindernisse ist die Schwierigkeit von Familien, eine fundierte Kosten/Nutzen-Rechnung anzustellen, zu viele Variablen in dieser Rechnung sind unbekannt.“ Deshalb ist sie der Ansicht, dass die Verbreitung von Energiegemeinschaften unter den Bürgern unterstützt werden kann, wenn ihre Rechte umfassend gestärkt werden.

Johann Wohlfarter, Generaldirektor des Energiedienstleisters Alperia: „Alperia begleitet Südtirol als lokaler Partner in der Energiewende und arbeitet kontinuierlich an innovativen Lösungen für seine Kunden. Energiegemeinschaften sind eine innovative Lösung für eine effiziente und moderne Energieversorgung und schaffen einen weiteren wichtigen Mehrwert für die lokale Bevölkerung.“

Stefano Nassuato, Direktor von Regalgrid Europe Srl, stellte die technischen Merkmale der Regalgrid®-Plattform vor und sprach über die Dienstleistungen, die den verschiedenen teilnehmenden Mitgliedern (Prosumern, Verbrauchern, Energiegemeinschaftsmanagern) zur Verfügung stehen: „Die gemeinsame Nutzung von lokal erzeugten Energie erhöht deren wirtschaftlichen und sozialen Wert. Die Vorteile daraus sind geringere Energiekosten, Bekämpfung der Energiearmut, Entwicklung der lokalen Wirtschaft und erhöhtes Bewusstsein für Energie bei den Bewohnern und den lokalen Behörden.“

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol, sieht in der Genossenschaft die ideale Unternehmensform, um eine Energiegemeinschaft umzusetzen: „Energie, Subsidiarität, Mutualität und ökologische Nachhaltigkeit finden sich unter einem gemeinsamen Dach, das Dach einer Genossenschaft. Das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe kommt voll zum Tragen. Man hilft sich gegenseitig, sich mit erneuerbarer Energie zu versorgen und setzt sich für die ökologische Nachhaltigkeit in der Gesellschaft ein. Die Erfahrungen, die wir bisher im Energiesektor mit unseren Energiegenossenschaften gesammelt haben, ermöglichen es uns, diese Vision in die Praxis umzusetzen, und zwar unter voller Einbeziehung der Energiegenossenschaften und mit der notwendigen Aufmerksamkeit, damit die entstehenden Energiegemeinschaften eine zusätzliche Chance für unser Gebiet darstellen können, neben und niemals in Konkurrenz zu unseren Genossenschaften.

Alperia, Regalgrid und Raiffeisenverband Südtirol organisierten diese Tagung über Energiegemeinschaften, um die Chancen und Vorteile von Energiegemeinschaften in genossenschaftlicher Form für Bürgerinnen und Bürger, Gemeinden, Genossenschaften und anderen Organisationen darzulegen.

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare
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traktor
traktor
Universalgelehrter
2 Monate 5 Tage

alle südtiroler sollten als energiegenossenschaft gelten. unser wasser- unsere energie…. wir brauchen keine gas oder kohlekraftwerke für strom! wir könnten autark sein, doch das geht den polit- despoten nicht in den kopf rein!!!!

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