Verordnung brachte Vorteile

Geoblocking – oder wie grenzenlos wir online shoppen können

Donnerstag, 02. September 2021 | 11:19 Uhr

Bozen – Wir kaufen immer mehr online und merken häufig nicht einmal, wie oft es sich dabei um Verkäufer handelt, die ihren Sitz in einem anderen EU-Staat haben. Erst dann, wenn wir Italien nicht unter den Ländern finden, in welche der Verkäufer seine Waren versendet oder gar automatisch auf eine andere Seite verwiesen werden, merken wir, dass unser Shoppingvergnügen dann doch nicht ganz so grenzenlos ist. Was aber ist erlaubt und was nicht?

Was sagt die EU dazu?

Die EU-Verbraucher sollen die Möglichkeit haben, den gesamten Dienstleistungsmarkt Europas grenzenlos nutzen zu können und dabei nicht durch Einschränkungen aufgrund ihres Wohnsitzes oder ihrer Staatsbürgerschaft behindert zu werden.

Auch mit diesem Ziel wurde zunächst die Dienstleistungsrichtlinie 2006/123/EG ausgearbeitet, die einen allgemeinen Rechtsrahmen schafft, um den freien Dienstleistungsverkehr zwischen den Mitgliedstaaten zu vereinfachen.

Und im E-Commerce?

Mit dem ständigen Wachstum des Online-Handels und dem damit einhergehenden Bedürfnis, Waren grenzüberschreitend kaufen zu können, entstand auch die Notwendigkeit, ein rechtliches Rahmenwerk zu schaffen, das sich ausschließlich mit dem Internet-Handel beschäftigt. Es wurde die Verordnung zum Geoblocking 2018/302/EU erlassen.

Und wozu dient diese Verordnung?
Sie verbietet Online-Anbietern von Waren und Dienstleistungen, Verbraucher aufgrund ihres Wohnsitzes oder ihrer Staatsbürgerschaft von ihrem Angebot auszuschließen, sie automatisch auf andere länderspezifische Seiten zu verweisen (sog. Rerouting) oder ungerechtfertigt erschwerende Geschäftsbedingungen einzufügen.

Was ist aber trotzdem erlaubt?

Ausschluss gewisser Länder als Lieferdestinationen

Die Verordnung verbietet zwar dem Online-Anbieter, der länderspezifische Internetauftritte hat, den EU-Verbrauchern den Zugang zur z.B. italienischen Version der Seite zu verwehren (sog. Rerouting), überlässt aber weiterhin alleinig dem Verkäufer die Entscheidung, ob er gewisse Länder als Lieferadressen ausschließt. Hier sei jedoch gesagt, dass der Verkäufer sehr wohl dazu verpflichtet ist, die Abholung der Ware oder aber eine selbstständige Organisation der Lieferung durch den Kunden zu ermöglichen.

Gestaltung der Lieferkosten

Weder in der Geoblocking Verordnung noch in der dieser vorausgehenden Dienstleistungsrichtlinie gibt es ein für die Anbieter verpflichtendes Regelwerk, das die Gestaltung der Lieferkosten im Einzelnen vorschreibt und preisliche Unterschiede, wenn sie gerechtfertigt sind, prinzipiell verbietet.

Ausschluss digitaler Inhalte

Digitale Dienstleistungen wie z. B. Streaming-Angebote, Mediatheken usw. sind ausdrücklich vom Diskriminierungsverbot ausgeschlossen: In diesem Bereich kommen urheberrechtliche Regeln zur Anwendung, die eine grenzenlose Inanspruchnahme der Dienstleistung einschränken können.

“Wir sind daran gewöhnt, online einzukaufen, und halten es für selbstverständlich, dass wir einen Dienst. z. B dänisch, direkt von unserem Sofa zu Hause in Südtirol nutzen können. Dies war jedoch nicht immer der Fall. Keinem europäischen Verbraucher darf eine Dienstleistung, die von einem ebenfalls europäischen Unternehmen angeboten wird, aufgrund seiner Herkunft verweigert werden. Allerdings muss man vorsichtig sein, denn ein Unternehmen kann beschließen, nicht in ein bestimmtes Land zu liefern oder höhere Versandkosten zu berechnen, wenn diese berechtigt sind. In jedem Fall steht es einem Käufer frei, seinen Versand selbst zu organisieren, und unabhängig davon hat die Geoblocking-Verordnung allen Verbraucherinnen udn Verbrauchern in der Europäischen Union unbestreitbare Vorteile gebracht”, schließt Julia Rufinatscha, Beraterin beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Italien.

Mehr zu diesem Thema und dazu wie das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Italien als offizielle nationale Kontaktstelle für alle Belange in Verbindung mit Geoblocking Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen kann, findet man hier.

Vielleicht habt auch ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und fragt euch, ob das Verhalten des Online-Händlers erlaubt ist. Weitere Informationen erhält man kostenlos beim Europäischen Verbraucherzentrum Italien – Büro Bozen Tel.: 0471-980939, E-Mail: info@euroconsumatori.org.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "Geoblocking – oder wie grenzenlos wir online shoppen können"


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Neumi
Neumi
Kinig
17 Tage 15 h
Nicht vergessen: Es handelt sich bei all diesen Regelungen um sog. “anfassbare” Produkte, also Sachen, die tatsächlich in einen Karton gepackt und verschickt werden können. Digitale Medien usw. dürfen im Normalfall NICHT über die Grenze hinweg verkauft werden, wir sind auf italienische Anbieter für Musik und Streamingdienste angewiesen (sofern wir keine Falschangaben machen). Tatsächlich hab ich es aber schon oft erlebt, dass gewisse Artikel nicht nach Italien verschickt werden oder gewisse Anbieter ebensowenig. Es ist auch schon vorgekommen, dass der selbe Dritthändler einen Arikel bei amazon.de und amazon.it anbietet, bei letzterem aber zu einem deutlich höheren Preis. So spart man… Weiterlesen »
primetime
primetime
Kinig
17 Tage 9 h

Warum sollten digitale Inhalte nicht ins Ausland verkauft werden dürfen? In der Spieleindustrie gang und gäbe

Neumi
Neumi
Kinig
17 Tage 4 h
@ primetime Ich hab mich zwar vor allem auf Medien bezogen, aber auch was Spiele angeht, ist die Welt nicht so grenzenlos, wie du glaubst. Wurdest du noch nie von UbiSoft und ElectronicArts für den Kauf mit einem freundlichen “geht net” auf die italienische Seite weitergeleitet? Oder im Playstation-Store? Da wurde im deutschen Shop noch nie “Produkt kann nicht erworben werden” angezeigt? Werden dir beim Kauf die italienischen Lizenzverträge angezeigt? Nur weil eine Seite mehrere Länder abdeckt, kaufst du noch lange nicht im Ausland. Versuch mal, bei amazon.de eine mp3 zu kaufen. Nur eine, kostet nicht viel (ab ~80c). Wie… Weiterlesen »
Zefix
Zefix
Superredner
16 Tage 22 h

hosch du schun mol bei ubisoft a spiel gekaf?xD i glab eher net

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 19 h

edit: Zur Sprache der Lizenz … da war ich etwas ungenau. Erwirbt man z.B. ein Spiel bei Steam oder GOG, kann es gut sein, dass die EULA in deutsch oder englisch angezeigt werden, aber der eigentlich bindende Vertrag zum Service bezieht sich auf das Konto an sich und wenn man sich registriert, wird der in italienisch angezeigt. Man schließt einen Vertrag mit dem italienischen Rechtssitz ab.

Zefix
Zefix
Superredner
16 Tage 18 h

also bei mir zoags nia in italienisch un 🤔

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 17 h

@ Zefix deshalb meine Richtigstellung. Den eigentlichen Service-Vertrag gehst du ja ein, bevor du ein Spiel freischaltest.

Mit GOG z.B. gehst du beim Anlegen eines Kontos einen Vertrag für die Bereitstellung von Downlad-Möglichkeiten ein. Für die Freischaltung einzelner Titel bezahlst du dann extra. Das wird innerstaatlich geregelt.

Die Nutzung des Spiels selbst unterliegt dann der EULA, ist also so geregelt, als ob du es in einer Schachtel kaufen würdest, das geht auch über die Grenze hinaus.

Zefix
Zefix
Superredner
16 Tage 11 h

@ neumi ah ok versteah 😀 wieder wos glernt.Danke 🙂

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 10 h

@Zefix Gerne.
im zweiten Absatz hab ich übrigens 2 Sätze vertauscht. Die innerstaatliche Angelegenheit bezog sich auf das Konto, nicht auf das Spiel.

Das Lizenzrecht in Europa ist ein ziemlicher Sumpf. Das Ganze wird ja noch komplizierter dadurch, dass eine Freischaltung auch ganz ohne Kauf passieren kann, z.B. durch einen Code, der was-weiß-ich-woher stammt (auch kostenlos vom Hersteller selbst).
Den kompletten Durchblick hab ich auch nicht, das ist eine Wissenschaft für sich 🙂

Zefix
Zefix
Superredner
17 Tage 11 h

erzehlt sell mol netflix und co kg xD

el_tirolos
el_tirolos
Tratscher
16 Tage 17 h

lies bitte in Artikel… Des Gesetze gilt nur für Materielles nicht für Streamingdienste

Zefix
Zefix
Superredner
15 Tage 16 h

ah un sell hott nix mit geoblocking zu tian oder wos?

traktor
traktor
Universalgelehrter
16 Tage 17 h

bei online tv angeboten wäre es höchst an der zeit dieses geoblocking zu deaktivieren!! italienisches sky und netflix sagt mir nichts…. jedoch unsere sprache ist nicht verfügbar. diskriminierung im jahr 2021

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