Franziskanerstuben und Goldenstern Townhouse

Historischer Gastbetrieb des Jahres

Donnerstag, 20. Oktober 2022 | 15:58 Uhr

Bozen – Der Wettbewerb “Der historische Gastbetrieb des Jahres” blickt einerseits weit zurück in die lange Geschichte kultivierter Gastlichkeit und andererseits weit voraus. So wurde nun zum 15. mal die Auszeichnung für das Jahr 2023 vergeben. Und wie seit Beginn vorgesehen, wurde ein Betrieb ausgewählt, der eine große Tradition mit einem zeitgemäßen Konzept der Gastlichkeit verbindet.

Die Jury der von der Stiftung Südtiroler Sparkasse in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und dem Hoteliers- und Gastwirteverband verliehenen Auszeichnung hat dafür die Franziskanerstuben & Goldenstern Townhouse im historischen Zentrum von Bozen auserkoren.

Unter den bisherigen 30 Preisträgern des über die Landesgrenzen hinaus renommierten Wettbewerbs sind – wie es in der neuen Wettbewerbsbroschüre heißt – legendäre Berghotels wie das Hotel Drei Zinnen in Sexten Moos, große Stadthotels wie das Elephant in Brixen, Betriebe in einer mittelalterlichen Schlossanlage wie das Schloss Sonnenburg in St. Lorenzen, aber auch Dorfgasthöfe wie das Wirtshaus zur blauen Traube in Algund und sogar ein Schutzhaus: das Schlernhaus am Schlern.

Eher selten haben es traditionsreiche städtische Wirtshäuser geschafft, wie das Vögele und die Löwengrube in Bozen, die 2012 bzw. 2013 die besondere Auszeichnung erhielten. Nun ist mit den Franziskanerstuben das in Kombination mit dem Goldenstern Townhouse prämiert wurde, zum ersten Mal in Bozen der Preis, der “Historische Gastbetrieb des Jahres in Südtirol“ vergeben worden. Die Franziskanerstuben, welche die Boznern und Boznerinnen viele Jahrzehnte lang als Caffe Augschiller gekannt und geschätzt haben, wurden, zusammen mit dem aus dem späten 13. Jahrhundert stammenden Bozner Laubenhaus und nun zum Gästehaus restaurierten Goldenstern Townhouse, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Die Tradition des Altbozner Wirtshauses wiederbelebt

Vermutlich seit Beginn des 20. Jahrhundert wurde dort laut Architekt Wolfgang von Klebelsberg von den Herren Augschiller ein typisches Wiener Kaffeehaus verbunden mit eine “Kartenspielhöhle” betrieben. Im heutigen Hauseingang habe sich die “Schwemme” befunden, ein Gastlokal für das kurze Verweilen, für ein schnelles Bier und ein knappes Mahl.

Vor genau 20 Jahren erwarb der Laubenkaufmann Thomas Rizzolli das Caffe Augschiller. Er restaurierte den Gastbetrieb mit denkmalpflegerischem Anspruch, der nun von der Jury auch gewürdigt wurde, und er eröffnete ihn 2010 wieder als Altbozner Wirtshaus. Seither wird es, wie in der vorgenannten Broschüre hervorgehoben wird, von der Familie in Person von Paula Aspmair Rizzolli bravourös geführt.

Die Franziskanerstuben tragen mit ihren vier Gastlokalen den Plural zu Recht:  drei ebenerdige Stuben, dazu der Torggl-Keller. Die erste Stube ist von der vom Anfang des vorigen Jahrhunderts stammenden Täfelung aus Zirbenholz geprägt, in der zweiten Stube mit kleinem Lichthof setzt sich die Täfelung mit integrierter Wandbank fort. Die im ehemaligen Hinterhaus befindliche Andreas-Hofer-Stube zeigt eine Sammlung von Lithographien über den Oberkommandierenden des Tiroler Aufstandes und bietet zudem einen Blick in den Rosengarten des Klosters. Der Keller wurde mit der Umgestaltung der Franziskanerstuben laut Architekt von Klebelsberg mit historischem Recht den Dionysos-Jüngern gewidmet.

Das historische Flair durchdringe die Gaststube bis zum Außenbereich mit seiner ortstypischen Stadthausarchitektur, hieß es in der Laudatio. Der Gastraum im Freien ziehe sich bis zum 50 Meter entfernten, im Sommer 2019 eröffneten und nun ebenfalls mit dem ersten Preis ausgezeichneten “Goldenstern Townhouse“, für dessen Gäste die Franziskanerstuben als Restaurant dienen können.

Eine touristische Attraktion in einem Laubenhaus

Den Artikel zum Townhouse in der Wettbewerbsbroschüre hat Landeskonservatorin Karin Dalla Torre verfasst, und sie liefert eine kurze Begründung schon im Titel: “800 Jahre Wohnkultur im Laubenhaus erzählen”. Die Photos von René Riller geben einen anschaulichen Eindruck des Hauses Nr. 62 der “welschen” Lauben, in denen nun die 16 Suiten und Appartements untergebracht sind. Laut Dalla Torre wurden die altehrwürdigen Räume wieder mit neuem, urbanem “Wohnsinn” erfüllt. Dabei sei Teil der Authentizität des Konzeptes die nun wieder sichtbare Verbindung und Durchlässigkeit von Geschäftsräumen im Erdgeschoss und den Wohnräumen in den oberen Etagen, bis zum ausgebauten Dachgeschoss und der Dachterrasse. Wieso aber Goldenstern? Der bildhafte Name erinnere an das Prädikat das einem Zweig der früheren Eigentümerfamilie aus Cavalese im Fleimstal verliehen worden war. Die wechselvolle Geschichte von Mietern und Eigentümern – wie von Zallinger und Giovanelli – spiegle sich zudem in den Namen der Suiten und Appartements. Die Landeskonservatorin vermerkt, dass ein umsichtiger Rückbau und eine Instandsetzung unter Aufsicht des Landesdenkmalamtes die alten Schätze und den Prunk vergangener Zeiten zum Vorschein gebracht haben: etwa die reizvolle Stuckdecke mit Blumen, Früchten und Vögeln aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts. Den heutigen Gästen biete sich jedenfalls eine Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte.

Restaurant Sichelburg in Pfalzen: ausgezeichnet

Die besondere Auszeichnung verlieh die Jury diesmal dem Restaurant Sichelburg in Pfalzen. 1999/2000 hatte die Gemeinde den alten Adelssitz, eines der Wahrzeichen des Dorfes, erworben und ihn in den folgenden Jahren unter Aufsicht des Denkmalamtes restaurieren lassen. Dazu gehören vor allem die vier getäfelten Stuben: darunter die Plazollerstube mit dem Segensspruch “Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut”. Aber erst eine sinnvolle Nutzung konnte den Erhalt langfristig sichern, und als diese und zugleich als ein Glücksfall erwies sich die gastronomische Nutzung durch Mirko Mair, der im Juni 2013 das Restaurant Sichelburg eröffnete. Die Jury würdigte nun mit der besonderen Auszeichnung zum einen den Mehraufwand und die Mehrarbeit, die ein exzellenter Gastbetrieb in einem “Baudenkmal” auf drei, ja sogar vier Geschossen bedeuten. Aber die Fachleute anerkannten auch die Begeisterung und das Können von Mirko Mair und seinem Team, die das Haus seit nunmehr neun Jahren mit Leben erfüllen und anspruchsvolle Gäste aus Nah und Fern nach Pfalzen bringen.

Die Wettbewerbsbroschüre kann über die Stiftung Südtiroler Sparkasse angefordert oder über den Netzauftritt www.historischergastbetrieb.it im digitalen Format bezogen werden.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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