Verbraucherschutzverein Robin sieht Versagen der Politik

Hohe Strompreise trotz günstiger Produktion aus Wasserkraft

Donnerstag, 19. Januar 2023 | 09:50 Uhr

Bozen – Die Strompreise sind seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine stark in den Fokus von Verbrauchern gerückt. Der Verbraucherschutzverein Robin sieht ein Versagen der Politik vorliegen. Die Politik versuche fieberhaft die Folgen der Fehlentwicklung an den Energiemärkten im allgemeinen und am Strommarkt im besonderen zu bekämpfen. “Die systemischen Ursachen gehören beseitigt, doch dafür ist bei uns anscheinend niemand zuständig. Ein Systemwechsel ist angesagt, den das Totalversagen des Strommarktes ist offensichtlich.” Robin schlägt vor: “Das Land soll Stromverkäufer verpflichten, die Haushalte und Unternehmen, ähnlich wie in der Schweiz, zu ihren Durchschnittskosten zu beliefern.”

Hohe Strompreise trotz günstiger Produktion aus Wasserkraft

Von fast tausend Stromverkäufern in Italien seien weniger als die Finger unserer Hände günstiger als der geschützte Markt (mercato di maggior tutela), alle anderen teurer. “Das Versagen betrifft nicht nur die Preisentwicklung, auch die Leistungen der privaten Stromverkäufer ist desaströs, von einem funktionierenden Detailstrommarkt kann keine Rede sein. Für abermillionen Verbraucher in Europa ist der privatisierte Strommarkt zu einer Falle geworden. Es stellt sich die Frage, wer die Stromkunden für Irreführungen, nebulöse Informationen und überteuerte Tarife entschädigt. Nicht zu sprechen für die, beim Suchen eines Anbieters und Tarifs, beim Verstehen einer Stromrechnung, bei der Beschwerde über eine überhöhte Rechnung, verlorene Zeit und den entsprechenden Ärger. Unter diesen Bedingungen ist eine öffentliche Verwaltung des Stroms effizienter”, so der Verbraucherschutzverein Robin.

“Obwohl in Südtirol fast der gesamte Strom aus Wasserkraftwerken stammt zahlen die Südtiroler Stromkunden europaweit seit Jahrzehnten, und jetzt erst recht, Strompreise des Spitzenfeldes. In der Tat liegen die Strompreise für Haushaltskunden in Italien, an dem sich auch die Südtiroler Preise orientieren bei Vergleichen zwischen dem zweiten und fünften Platz im europäischen Ranking. Also kassieren die Produzenten von billigem Strom (sprich Strom aus Wasserkraft) Riesengewinne auf Kosten derer, die den Strom beziehen. Im geschützten Markt zahlen die Südtiroler seit Jahresanfang 53,11 Cent/kWh. In Deutschland sieht die Strompreisbremse ab März 2023, rückwirkend ab 1.1.2023 bis April 2024 einen Strompreisdeckel von max. 40 Cent/kWh vor. In Innsbruck (IKB) kostet der Strom gerade 24,27 Cent/kWh, in der Schweiz bezahlen die Haushaltskunden durchschnittlich 27 Rappen, das sind 27 Cent/kWh. Löhne und Renten haben in den angesprochenen Ländern nicht dieses Verhältnis, denn dann hätten wir ja kein Problem”, bemängelt Robin weiter.

Liberalisierung und Privatisierung haben in die Falle geführt

“Die Stromversorgung, das merken wir derzeit besonders, gehört eigentlich wie die Wasserversorgung, der öffentliche Verkehr, die Telekommunikation, die Schule und die Gesundheit usw. zu den Dienstleistungen der Daseinsvorsorge und sind somit Gemeingut. Diese dienen der Existenzsicherung der Menschen und ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Eigentlich sehen die EU-Verträge Ausnahmen von den Regeln des Wettbewerbs vor, sofern letztere die Versorgungssicherheit zu erschwinglichen Preisen nicht gewährleisten. Somit sollte man europäisches Recht beim Strom auch mal in diese Richtung anwenden. Begründet kann dies mit Artikel 5, Absatz 4 der EU-Richtlinie über den EU-Elektrizitätsbinnenmarkt (Bedingungen für staatliche Strompreise) werden: Bei einem vielfach gestiegenen Strompreis herrscht in Bezug auf den Grundbedarf der Haushalte und Unternehmen allgemeine ‘Energiearmut’, über 30.000 unbezahlte Stromrechnungen allein bei der Landesenergiegesellschaft zeugen davon”, so Robin.

Das Problem liege also in der Liberalisierung der Daseinsvorsorge selbst, dort müsse man ansetzen. Das bedeute beim Strom: “Es muss möglich werden, dass die Südtiroler Bevölkerung den (Kosten)Vorteil aus jenen Investitionen in die Wasserkraft bekommen kann, die sie geschaffen hat. Die Zuständigkeit für diesen Weg liegen in Bozen, doch das Politikversagen ist gewaltig und alle tun auf Machtlosigkeit. Dazu kommt: Warum soll ein Land gewaltige Investitionen tätigen, um zu 100 Prozent erneuerbaren und gleichzeitig billigeren Strom zu erzeugen, wenn es diesen dann an der Strombörse an den Markt verkauft und die eigene Bevölkerung mit überhöhten Preisen belasten muss”, fragt Robin.

Aus dem System ausbrechen

Der Geschäftsführer des Verbraucherrschutzvereins Robin, Walther Andreaus meint: „Unser Stromsystem ist in einem Netz von (EU-)Sachzwängen gefangen, höchste Zeit daraus auszubrechen. Ansetzen müssen wir an der schwächsten und unsinnigsten Stelle, der Strompreisbildung. Das Land – die Zuständigkeit hat es dank der Weitsichtigkeit der Autonomieväter – sollte die Stromverkäufer verpflichten, die Haushalte und Unternehmen, ähnlich wie in der Schweiz, zu ihren Durchschnittskosten zu beliefern.“

“Öffentliche Güter und Dienstleistungen so wie Strom sollten keine Ware sein. Sie sind Gemeineigentum, auf die alle Menschen einen Anspruch haben und die allen gleichermaßen zugänglich sein müssen. Die Beschränkung des Zugangs zu ihnen drängt Menschen an den Rand der Gesellschaft, schließt sie aus und missachtet damit ihre Grundbedürfnisse und verletzt ihre Grundrechte. Die Privatisierung der Gemeingüter führt zum Abbau von demokratischer Kontrolle und kommunaler Selbstverwaltung. Als Verbraucherschutzverein Robin lehnen wir daher die Privatisierung von öffentlichen Dienstleitungen der Daseinsvorsorge ab”, heißt es abschließend.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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30 Kommentare auf "Hohe Strompreise trotz günstiger Produktion aus Wasserkraft"


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Paladin
Paladin
Superredner
16 Tage 19 h

“Das Land – die Zuständigkeit hat es dank der Weitsichtigkeit der Autonomieväter – sollte die Stromverkäufer verpflichten, die Haushalte und Unternehmen, ähnlich wie in der Schweiz, zu ihren Durchschnittskosten zu beliefern.”
Gut, also wenn das Land die Kompetenz hat, warum tut es dann nichts? Profitiert es selbst davon? Lobbys? Was sind die Gründe?
Hallo Journalisten, fragt mal bitte nach!

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
16 Tage 16 h

Die Frage ist berechtigt, warum nutzt Land seit vielen Jahren seine Spielräume nicht, denn als Stromlieferant für den Rest Italien stünde uns Südtirolern wie schon öfters berichtet ein sog. Strombonus zu, den man ohne Weiteres nutzen könnte um die Energiepreise für den Endverbraucher zu senken. Ähnliches bei den Benzinpreisen wo das Land fette Akzisen einstreicht. Das Einsacken geht eben leichter von der (öffentlichen) Hand.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
15 Tage 21 h

Grantelbart,@ weil Politiker im Grunde nur die Vermittler zwischen Lobbys und Pöbel sind.
Das Volk glaubt das Politiker etwas bewirken können und alle die davon profitieren tun alles daß,das so bleibt.

Rosenrot
Rosenrot
Superredner
16 Tage 18 h

Ich gebe an erster Stelle dem Land Südtirol die Schuld an den zu hohen Strompreisen, denn Wasserkraftwerke gehören nicht in private Hände. Allgemein läuft hier einiges schief, denn von günstiger Stromproduktion muss auch der Verbraucher profitieren. Herr Kompatscher, was sagen Sie dazu?

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
16 Tage 10 h

@rosenrot: das weiß man ja, was er sagt : “Wir sind an Rom gebunden und können nicht autonom was verändern.”

prontielefonti
prontielefonti
Superredner
16 Tage 9 h

Dr sell wert lei grinsn

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
16 Tage 17 h

Endlich wird mal in der Öffentlichkeit über die Situation berichtet. Ich hoffe, dass bei den nächsten Wahlen geschaut wird, was bisher getan wurde.

timetosay
timetosay
Tratscher
16 Tage 16 h

@Privatmeinung – Bis die Wahlen haben die meisten wieder alles vergessen, was die bisherige Politik angeprießen und nicht geschafft hat oder die Mehrheit geht nicht zu den Wahlen, weil sich anscheinend eh nichts ändert!!

Paladin
Paladin
Superredner
16 Tage 15 h

@tometosay: Hoffentlich nicht. Leider ist das (politische) Gedächtnis in der tat sehr kurzweilig. Aber hier hat sich inzwischen soviel angestaut, wer da nicht sein Kreuz mal woanders macht, verschließt Augen und Ohren vor allem was in diesem Land passiert! 🙈🙉

ghostbiker
ghostbiker
Universalgelehrter
16 Tage 18 h

die Aktionäre verdienen sich dumm u.dähmlich😂

Der Wahrhaftige
Der Wahrhaftige
Grünschnabel
16 Tage 18 h

Der Strom von uns wird auch nach Italien verkauft, da ist mehr verdient, und uns wird der teure Strom von Italien verkauft!!!

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
16 Tage 18 h

Wenn Leute gsog hobn die Strompreise hot die Politik zu verantwortn wos a stimmp hots olm widor super Kommentatorn gebn de mit olle Ausreden dorgegen gewesn sein. Iaz werts woll ingalling dor leste vastian

AlterSchwede
AlterSchwede
Tratscher
16 Tage 19 h

So langsam könnte man anfangen unsere Stauseen wieder zu zu schütten und den Leuten (wie am Beispiel Reschensee) ihr Land wieder zurück zugeben … denn Energietechnisch haben sie für die südtiroler Bevölkerung anscheinend ja nichts gebracht…

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
16 Tage 16 h

Um Südtirol mit eigenem Strom zu versorgen, hat man Menschen, z.B. in Graun/Reschen, ihrer Heimat beraubt und zwangsumgesiedelt….

Zugspitze947
16 Tage 12 h

Rudolf: Nicht nur am Reschen sondern auch in ULTEN ,ich habe es erlebt wie dort Schindluder getrieben wurde und die Natur vergewaltigt bis zum geht nicht mehr ! Die schönsten Höfe und Privathäuser wurden platt gemacht um den Zogglerstausee  zu Bauen. Unser Elterhaus bekam viele Risse wegen der Sprenungen 100 meter daneben ! Bezahlt wurde NICHTS 😡😢👌

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
16 Tage 9 h

Was, außer natürlich der “Autor”😉, ist 👎an meinem Kommentar ?

berthu
berthu
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

Diese Stauseen sind nicht für unsere Versorgung gebaut worden, sondern für die Versorgung der Industrie von Mailand und Umgebung. Die Seen sind ja nicht falsch, aber die Art- wie sie durchgezogen wurde. Rücksichtslos!
Der jetztige Beschiß ist die sogenannte “Rückholung”. Genauso eine Lüge, wie das Wort “Nachhaltigkeit”, wenn es ein Politiker in den mund nimmt. Deren “Nachhaltigkeit” langt nur eine Wahlperiode lang, von Generationen-Denken keine Spur.

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Tratscher
16 Tage 17 h

Unsere führenden Politiker scheren sich einen Dreck um uns ! Hauptsache “Ihre” Säcke sind ordentlich voll.
War schon immer so, wird auch immer so bleiben.

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
16 Tage 15 h

Eigentlich total hirnrissig, Unmengen an Strom aus Wasserkraft haben und hingegen den Preis für Gas- und Kohlestrom bezahlen müssen. Total daneben…

Doolin
Doolin
Kinig
16 Tage 16 h

…zum Glück haben wir die Wasserkraft heim geholt…
🤪

Imrgschei
Imrgschei
Grünschnabel
16 Tage 17 h

Es sollte auch nicht vorkommen dürfen daß Leute Strom verkaufen die nicht einmal wissen und verstehen wie wo und wovon dieser produziert wird. Einfach mal ein Unternehmen gründen, Beiträge kassieren und Volk ausnehmen

Imrgschei
Imrgschei
Grünschnabel
16 Tage 17 h

Es sind halt einige die wahnsinnig daran verdienen und Genossenschaften müssen Gewinne verprassen anstatt was zurückzulegen und damit ermöglichen erschwingliche Preise zu verrechnen

berthu
berthu
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

Das Genossenschaftswesen und -Gebaren gehör mal gründlich geklärt.

timetosay
timetosay
Tratscher
16 Tage 16 h

Sehr gut recherchierter Artikel!

pingoballino1955
pingoballino1955
Universalgelehrter
16 Tage 13 h

Ja Kompatscher und restlich Verantwortliche,passiert da überhaupt nichts mehr in diesem Zusammenhang der exorbitanten Strompreise?

kaisernero
kaisernero
Superredner
16 Tage 9 h

In erschter linie keart des wosser wos do die berg ocher rinnt ins olle
…..eigentlich genauso wia des Öl unter der Erde…….profitieren tean lediglich a poor einzelne, sollte es nit geben…gehörte verboten
ohh politiker, nit es rachen verbieten….wucherpreise miasts verbieten
“”””man kannt des jo foscht a Moderne Ausbeutung von Volk bezeichnen wos do ollaweil abgeat””””

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Tratscher
16 Tage 4 h

Ich bin von den Stadtwerken nun zu Alperia gewechselt und bezahle für die ersten 125 kWh nur mer 0,14 Cent. Bis jetzt lohnt es sich für mich.

berthu
berthu
Universalgelehrter
14 Tage 20 h

Nur sind diese “ersten 125 KWh in 10-15 Tage verbraucht – und dann?
Jene die wirklich VIEL verbrauchen, zahlen umgekehrt sehr wenig, wer wenig verbraucht wird bestraft.TOLL! Die Preise schwanken von Fall zu Fall um über 500% – total irre.

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Tratscher
14 Tage 15 h

Erst 40 kWh verbraucht diesen Monat. Den Rest mit Photovoltaik produziert. Hab Elektro Auto auch noch. Ich lach mich schlapp bei den Preisen.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
15 Tage 20 h

Naja,als weltbeste Autonomie und ewig aller Besten sind die höchsten Strompreise,Treibstoffpreise,Steuern,ruinierte Sanität, Ineffizienz in Verwaltung usw,und sofort schon ein wenig verwunderlich.

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