Von: APA/Reuters
Der Iran-Krieg lässt die Öl- und Gaspreise weiter stark steigen. Der Brent-Ölpreis schnellte bis Dienstagmittag um über 8 Prozent auf 85 Dollar (72,66 Euro) je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2024. Der europäische Erdgas-Future kletterte auf den höchsten Wert seit über drei Jahren. In Wien tagte am Dienstag erstmals die neue “Taskforce Versorgungssicherheit”, die aufgrund des Iran-Krieges beim Wirtschaftsministerium eingerichtet wurde.
Die Versorgungssicherheit ist demnach sowohl bei Gas als auch bei Öl gegeben, die Preisentwicklung werde weiter beobachtet, hieß es vom zuständigen Minister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Gremiumsmitglied, Wifo-Ökonom Harald Oberhofer. Die Taskforce trifft sich täglich zur neuen Lagebewertung. Auch die teilstaatliche OMV sieht die Versorgung in Österreich nicht bedroht. Für den Fall einer “länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute” bereitet der börsennotierte Ölkonzern alternative Szenarien vor. “OMV geht davon aus, dass betroffene Mengen über alternative Bezugsquellen ersetzt werden können”, heißt es in einem Statement gegenüber der APA.
Massive Auswirkungen bei der Luftfracht und Passagiertransport
Alexander Klacska, Obmann der WKÖ-Bundessparte Transport und Verkehr, sieht durch den Iran-Krieg massive Auswirkungen bei der Luftfracht und dem Passagiertransport der Airlines. Auf dem Seeweg seien vor allem Gas und Öltransporte auf der wichtigen Straße von Hormuz betroffen. Für andere Waren sei der Suez-Kanal das bedeutendere Nadelöhr. Im Grunde genommen sei es aber noch zu Früh um die Folgen abschätzen zu können. Vieles hänge davon ab, wie lange der Konflikt dauere, sagte er zur APA.
Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarden hatte zuvor laut iranischen Medien erklärt, die Meerenge von Hormuz sei geschlossen. Versicherer haben ihre Deckung für Schiffe in der Region gestrichen. Der unter honduranischer Flagge fahrende Tanker “Athe Nova” brenne nach einem Drohnenangriff, meldeten iranische Nachrichtenagenturen.
Öl- und Gas-Preisanstieg als Konjunkturbremse
Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Öl-Preisen. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar an und sieht im Extremfall eines längeren Konflikts sogar 120 bis 150 Dollar. Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen. Am Montag hatte Brent zeitweise um bis zu 13 Prozent zugelegt und bei 82,37 Dollar den höchsten Stand seit Jänner erreicht. Die US-Dieselpreise erreichten ein Zweijahreshoch, europäisches Gasöl verteuerte sich um 2,7 Prozent.
Wenn der Anstieg der Öl- und Gaspreise länger anhält, wird dies auch die Weltwirtschaft deutlich bremsen und die Inflation anfeuern. Die Wifo-Ökonomen prognostizierten im Dezember 2025 für Österreichs Wirtschaft 2026 ein Wachstum von 1,2 Prozent. Als Grundlage für die Prognose wurde für 2026 ein durchschnittlicher Brent-Ölpreis von 62 Dollar und ein Erdgaspreis (Dutch TT) von 29 Euro je MWh angenommen. Zum Vergleich: Der Brent-Ölpreis knackte am Dienstag die 85-Dollar-Marke und der europäische Gas-Future schnellte bis Dienstagmittag im Vergleich zum Vortag um über 40 Prozent auf 64 Euro je MWh.
Die Arbeiterkammer appelliert indessen an Energieunternehmen, den Iran-Krieg nicht zum Anlass für Preiserhöhungen bei Gas und Benzin zu nehmen. Die Regierung müsse zudem sicherstellen “dass Preissteigerungen nicht unmittelbar an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden”, heißt es in einer Aussendung vom Dienstag. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) solle zudem den “Energielenkungsbeirat” einberufen.
Flughäfen und Lufträume geschlossen: Viele Reisende betroffen
Die militärische Eskalation in Nahost hat auch enorme Auswirkungen auf die Reisebranche. Seit Samstag sind mehrere Flughäfen und Lufträume in der Region zumindest teilweise gesperrt, viele Fluglinien – darunter auch die AUA – setzten Verbindungen dorthin aus. Reiseversicherer würden für unmittelbar bevorstehende Reisen in die Region gratis Storno oder Umbuchungen anbieten, so Reisebüro-Branchensprecher Gregor Kadanka im Ö1-Radio. “Die Reisen werden nicht stattfinden können.”
Aktuell ist der Luftraum in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Israel, Iran, Irak, Jordanien, Katar, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien und Teilen Syriens weitreichend gesperrt. Die Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi (beide VAE) nahmen nach einer mehrtägigen Sperrung den Flugverkehr am Montagabend beschränkt wieder auf – vorrangig für Sonder- und Abfertigungsflüge. Der Airport Doha (Katar) ist weiterhin vorwiegend geschlossen.
Alle drei Flughäfen – allen voran Dubai – sind international wichtige Luftfahrtdrehkreuze. Für Pauschalurlauber, die dort umsteigen sollten, würden derzeit Alternativrouten gesucht, man werde vom Reisebüro informiert, heißt es in dem Ö1-Beitrag am Dienstag in der Früh weiter. Für Reisen in oder über die Region, die nicht unmittelbar bevorstehen wie zu Ostern, müsse noch abgewartet werden: Einfach kostenlos stornieren sei nicht möglich. “Reiseversicherungen decken immer nur individuelle Risiken ab” – keine Risiken aus politischen Situationen oder Naturkatastrophen, so Kadanka.




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