"Schwierige Auswahl im Kostendschungel"

Kontokorrent-Vergleich zeigt: Kosteneinsparungen bis zu 300 Euro möglich

Dienstag, 06. September 2016 | 17:34 Uhr

Bozen – Im August haben die Berater der VZS die Kosten für Kontokorrente verglichen. Um die Kosten für vier Nutzerprofile und insgesamt 38 Konten zu vergleichen, waren in etwa 40 Arbeitsstunden notwendig – ein unzumutbarer Zeitaufwand für eine Familie, finden die Verbraucherschützer. Dabei gäbe es gesetzliche vorgesehene Instrumente, die genau diesen Vergleich erleichtern sollten: die Musterprofil-Kosten sowie den offiziellen Rechner. Schade nur, dass keine Aufsichtsbehörde über Richtigkeit der Musterberechnungen wacht, und der Rechner die Ergebnisse nicht nach Günstigkeit, sondern nach Alphabet (!) sortiert. Hier ist dringend Abhilfe notwendig.

Die Schwierigkeiten beginnen schon beim Durchforsten der Webseiten der einzelnen Banken: die beworbenen Konten sind ganz selten die günstigsten, und bei manchen Banken müsste man bis zu elf Konten vergleichen, wobei die einzelnen Informationsprospekte bis zu 68 Seiten lang sind. Was den Vergleich weiter erschwert sind die unterschiedlichen Preisstrategien der Banken. Es gibt Konten mit Fixgebühr, die einige Bewegungen oder fast alle Bewegungen enthalten, und solche ohne Fixgebühr, die man sozusagen „nach Verbrauch“ bezahlt.

Da die Muster-Kostenberechnungen (ISC – indicatore sintetico di costo) in den Informationsblättern leider oft wenig Bezug zu den tatsächlichen Kosten haben, hat die VZS vier eigene Musterprofile erarbeitet, und für diese die Kosten berechnet:

Familie „Online“: Sie tätigt Bankoperationen von zu Hause aus und benützt nie den Schalter, hat zudem eine Kreditkarte. Dazu kommen sechs Daueraufträge mit je sechs Zahlungen, 30 Überweisungen per Online-Banking (zehn Überweisungen an Kunden der gleichen Bank, 20 Überweisungen an Kunden anderer Banken), 50 Bankomat-Behebungen (40 bei den Automaten der Bank, zehn bei fremden Instituten) sowie 100 POS (Zahlungen mit Karte in Geschäften).

Familie „Schalter“: Sie benützt den Schalter für ihre Bankoperationen, hat keine Kreditkarte. Dazu kommen sechs Daueraufträge mit je sechs Zahlungen, 30 Überweisungen am Schalter (zehn Überweisungen an Kunden der gleichen Bank, 20 Überweisungen an Kunden anderer Banken), 50 Bankomat-Behebungen (40 bei den Automaten der Bank, zehn bei fremden Instituten) sowie 100 POS (Zahlungen mit Karte in Geschäften).

Pensionist: Benützt, falls vorhanden, das vom Gesetz vorgesehene Basiskonto (Pensionseinkünfte unter € 18.000). Als Berechnungsgrundlage wurden die Kosten von sechs Daueraufträgen zu je sechs Zahlungen, 30 Überweisungen am Schalter (zehn Überweisungen an Kunden der gleichen Bank, 20 Überweisungen an Kunden anderer Banken), 50 Abhebungen mit Bancomat (40 Abhebungen bei den Automaten der Bank, zehn bei fremden Instituten) sowie 100 POS (Zahlungen mit Karte in Geschäften) herangezogen.

Junior: Diese Person (unter 30 Jahre) tätigt Bankoperationen per Online-Banking und hat zudem eine Kreditkarte. Als Berechnungsgrundlage wurden die Kosten vom 30 Überweisungen per Homebanking (zehn Überweisungen an Kunden der gleichen Bank, 20 Überweisungen an Kunden anderer Banken), 50 Abhebungen mit Bancomat (40 Abhebungen bei den Automaten der Bank, zehn bei fremden Instituten) sowie 100 POS (Zahlungen mit Karte in Geschäften) herangezogen.

Auffallend sind die großen Unterschiede der von uns ermittelten Kosten im Vergleich zu den von der Bank im ähnlichsten Musterprofil angegebenen Kosten: da leider meist nur das Ergebnis und nicht die Berechnung offengelegt wird, ist der Grund nicht nachvollziehbar. Ebenso bleibt es rätselhaft, wie eine Bank bei der Kostenberechnung eines Online-Kontos angeben kann „für Onlinenutzung nicht geeignet“.

Die Ergebnisse des Vergleichs

Die gute Nachricht voraus: wer ein Online-Konto wählt, kann mit einem Streich die Kosten auf Null stellen. Schwieriger wird es, wenn man auch Schalter-Dienste in Anspruch nehmen möchte, da hier auch scheinbar günstige Konten bei „falscher“ Verwendung ziemlich teuer werden könnten. Bei einem Pensions-Konto ist z.B. die Jahresgebühr vom Saldo abhängig: rutscht dieser unter 4.000 Euro, wird die Gebühr fällig.

Die „Testsieger“ aus unserem Vergleich waren für die Online-Familie das Contocorrente Arancio (null Euro), für die Schalter-Familie das Gehaltskonto der Raiffeisenkasse Ritten (51,60 €), für Pensionisten die Basiskontos von Raiffeisen Landesbank und Raiffeisenkasse Bozen (je null Euro) und für Jugendliche ebenfalls das Contocorrente Arancio (null Euro).

Geheimsache Basiskonten

Nach wie vor sind die kostenlosen Kontokorrente für RentnerInnen ein leidiges Thema. Ganz wenige Banken bewerben aktiv das Basiskonto, vielfach muss man es zwischen verschiedenen Konten erst „heraussuchen“, und manchmal entpuppt sich das als „Pensionskonto“ angepriesene Konto bei genauerer Durchsicht als ganz normales Konto, mit den selben Konditionen eines Gehaltskontos.

Fazit

Aus Sicht der VZS herrscht hier großer Nachholbedarf. Das Kontokorrent ist eine wesentliche Dienstleistung für VerbraucherInnen im 21. Jahrhundert, und es kann nicht sein, dass dieser Markt so undurchsichtig bleiben darf. Banca d’Italia und Gesetzgeber sind gefordert: die erste muss die Korrektheit der Musterberechnungen strikt überwachen und Zuwiderhandeln abstrafen, der zweite muss einen funktionierenden, einfach handzuhabenden Vergleichsrechner mit für die Banken verpflichtenden Angeboten (ähnlich dem Preventivatore Unico für Kfz-Haftpflichtversicherungen) ins Leben rufen.

Die Berater für Finanzdienstleistungen in der VZS raten allen Bankkunden, ihre jährlichen Kontokosten mittels der entsprechenden Bankmitteilungen genau im Auge zu behalten, diese jedes Jahr zu verhandeln und bei mangelnder Verhandlungsbereitschaft vor einem Wechsel nicht zurückzuschrecken. Dieser Wechsel von einer zur einer anderen Bank darf höchstens zwölf Tage dauern, und keine Kosten für die Verbraucher verursachen.

 

Von: sr

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "Kontokorrent-Vergleich zeigt: Kosteneinsparungen bis zu 300 Euro möglich"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
berthu
Grünschnabel
19 Tage 11 h

früher war an jeder Ecke ein Straßenräuber,
heute sind das die Banken😋

Amadeus
Neuling
19 Tage 9 h
Banken sind Straßenräuber? Dann bitte alle Konten, Spareinlagen und Kredite sofort löschen, und nie mehr eine Bank betreten! Ist es vielleicht besser das Geld zu Hause zu lassen, Daueraufträge und Steuern in bar zu zahlen? Oder Kredite bei Kredithaien aufzunehmen (auch online) und sich unkontrolliert zu verschulden? Jeder in Südtirol findet seine Bank (auch in der Nähe) die ihn auf seinen Wunsch hin gut berät. Ich jedenfalls möchte nicht auf die Annehmlichkeiten eines Bankschalters, hinter dem noch ein Mensch sitzt, verzichten. Auch nicht auf Homebanking und Bankomatkarte. Wenn man unkontrolliert und zuviel Geld ausgibt, Spesen und Einnahmen nicht unter Kontrolle… Weiterlesen »
wpDiscuz