Vernetzte Lösungen für einen starken und lebenswerten ländlichen Raum

Mut und Miteinander entscheiden die Zukunft

Dienstag, 28. April 2026 | 10:53 Uhr

Von: luk

Tramin – Der ländliche Raum steht vor tiefgreifenden Veränderungen – und genau darin liegt seine Chance. Bei der Jahrestagung der Plattform Land wurde klar: Zukunft entsteht nicht in einzelnen Sektoren, sondern dort, wo Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zusammengedacht und gemeinsam gestaltet werden.

„Die Herausforderungen unserer Zeit können wir nur gemeinsam bewältigen. Austausch und gemeinsames Entwickeln stehen im Zentrum. Die Jahrestagung zeigte konkrete Beispiele und macht die Chancen sichtbar, die im Wandel liegen. Entscheidend ist, dass wir den Mut haben, diesen Wandel aktiv zu gestalten und positiv zu nutzen”, betonte Präsident Andreas Schatzer.

Neuer Vorstand und klare Ausrichtung

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde zudem ein neuer Vorstand gewählt. Bestätigt wurden Monica Devilli (Coopbund), Michl Ebner (Handelskammer Bozen), Landesrat Luis Walcher sowie Andreas Schatzer als Präsident. Neu dazugekommen ist Daniel Gasser (Südtiroler Bauernbund), der die Funktion des Vizepräsidenten übernimmt. Mit der Basis Vinschgau Val Venosta wurde zudem ein langjähriger Partner als neues Mitglied aufgenommen.

Alles hängt zusammen

Die Tagung zeigte deutlich: Megatrends wie Klimawandel, demografische Entwicklung und Fachkräftemangel wirken gleichzeitig – und verstärken sich gegenseitig. Besonders sichtbar wird das im Alltag der Menschen: Familienstrukturen verändern sich, die Bevölkerung wird älter, und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Betreuung und Pflege. Während immer mehr Frauen erwerbstätig sind, leisten sie weiterhin den zentralen Beitrag in der Care-Arbeit, von der Kinderbetreuung bis zur Pflege älterer Angehöriger.

Diese Entwicklungen greifen direkt in wirtschaftliche und ökologische Fragestellungen ein: Wenn Arbeitskräfte fehlen, geraten Betriebe unter Druck. Wenn Wasser knapper wird, entstehen Konflikte zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Energieproduktion. Wenn Schneesicherheit sinkt – etwa mit 37 Prozent weniger Schnee in St. Ulrich – braucht es neue wirtschaftliche Perspektiven.

„Die Wirtschaft in den ländlichen Räumen steht vor großen Herausforderungen, es gilt darin die Chancen und Potenziale zu erkennen und intelligent zu nutzen. So geht es z.B. darum, vor dem Hintergrund des Klimawandels, den alpinen Tourismus neu zu positionieren und Ganzjahresangebote zu schaffen“, betonte Thomas Egger.

Lösungen entstehen vor Ort

Wie das konkret aussehen kann, zeigen zahlreiche Beispiele: Gemeinden, die als „jugendfreundliche Bergdörfer“ gezielt Perspektiven für junge Menschen schaffen. Regionen, die mit Lehrlingsakademien Fachkräfte sichern. Initiativen wie „Slow Food Travel“, die Landwirtschaft, Tourismus und regionale Identität verbinden. Leerstände werden zu Wohnraum aktiviert, Gemeinschaftsgärten stärken Zusammenhalt und lokale Kreisläufe. Unternehmen setzen auf Spezialisierung und Innovation, öffnen den Zugang zu internationalen Märkten und schaffen Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Gleichzeitig wird Klimaanpassung sichtbar und greifbar: Durch Entsiegelung und Begrünung werden Ortskerne nicht nur klimaresilienter, sondern auch lebenswerter – sie schaffen Räume für Begegnung und stärken den sozialen Zusammenhalt.

Mut zur Umsetzung

Entscheidend ist letztlich die Umsetzung: Dort, wo Gemeinden konsequent handeln, entstehen konkrete Lösungen – von erneuerbarer Energie über neue Mobilitätsangebote bis hin zu nachhaltiger Raumplanung.

Zum Abschluss brachte es der Bürgermeister von Innichen, Karl Rainer, auf den Punkt: Es brauche Mut für große Entscheidungen, die auch Verzicht bedeuten können, aber Begeisterung auslösen. Entscheidend sei, anzupacken, Verantwortung zu übernehmen und ins Tun zu kommen.

Bezirk: Bozen

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