Fünfte Ausgabe der Equal Pension Days in der Region

Rentensystem benachteiligt Frauen: “Handeln ist angesagt”

Montag, 21. Oktober 2019 | 11:28 Uhr

Bozen – Die Rente ist nichts anderes als ein Spiegel der Erwerbsbiographie eines Menschen – und für Frauen ist diese im Durchschnitt nach wie vor viel niedriger als für Männer. Vergleicht man die aktuellen Daten zur Altersrente, so beziehen Frauen derzeit im Durchschnitt 735 Euro, Männer hingegen 1.433 Euro. Da im Zuge der Rentenreform künftig die staatliche Rente nur mehr aufgrund der effektiv eingezahlten Beiträge berechnet wird, ist es gerade für Frauen umso wichtiger, sich früh genug und aktiv mit der persönlichen Rentenvorsorge auseinanderzusetzen, um auch im Alter selbstbestimmt leben zu können. Um auf diese Notwendigkeit aufmerksam zu machen und Möglichkeiten der Vorsorgeplanung aufzuzeigen, wurden 2015 die Equal Pension Days ins Leben gerufen, die immer Ende Oktober stattfindet. Den Auftakt zur heurigen Ausgabe bilden zwei Impulsveranstaltungen in Bozen und Trient, in deren Mittelpunkt das Thema Finanzbildung als Schlüssel zu mehr Chancengleichheit steht.

Die Kluft zwischen Frauen und Männern in Sachen Rente ist schnell erklärt, denn Tatsache ist: Trotz vieler Errungenschaften und ungebrochener Bemühungen um Gleichstellung in der Arbeitswelt und der Gesellschaft, sind es nach wie vor vorwiegend die Frauen, die im Job kürzer treten, um sich der Erziehung der Kinder oder der Pflege der Eltern zu widmen und somit teilweise oder ganz auf das eigene Geld und berufliche Chancen verzichten. Atypische Arbeitsverträge wirken sich ebenso auf die Höhe der Rente aus wie familiär bedingte Teilzeitarbeit und Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit. Über 40 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit.

Der daraus resultierende Gender-Pay-Gap (aktuell 17,2 Prozent) schlägt sich um ein Mehrfaches in der Rente nieder: So erhalten Frauen in unserer Region eine durchschnittliche Altersrente von 735 Euro, jene der Männer beträgt dagegen 1.433 Euro.

pensplan

Die finanzielle Absicherung der Frauen im Alter ist und bleibt somit ein aktuelles und wichtiges Thema. Angesichts der geltenden Gesetzeslage ist es unabdingbar, dass Frauen über das beitragsbezogene Rentensystem Bescheid wissen und die Auswirkungen ihrer Lebensentscheidungen auf die eigene Rentensituation abschätzen können.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2015 der Equal Pension Day ins Leben gerufen. Die Landesbeiräte für Chancengleichheit der Provinzen Bozen und Trient, die Gleichstellungsrätinnen, die politischen Verantwortlichen der Region und der beiden Länder sowie Pensplan wollten gemeinsam auf die ungleiche Rentensituation zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen und die Betroffenen zum Handeln ermutigen.

Impulsveranstaltung zum Auftakt der fünften Ausgabe der Equal Pension Days

Die fünfte Ausgabe der Equal Pension Days startet am heutigen 21. Oktober mit einer Impulsveranstaltung in Bozen. An der Freien Universität Bozen diskutieren Expertinnen aus Politik, Wirtschaft und Forschung, inwieweit Finanzbildung und Finanzwissen Frauen dazu befähigen, ihre Vorsorge bewusst zu planen und damit den Lebensstandard im Alter zu sichern: Neben Arno Kompatscher, der als Präsident der Region für den Bereich der Zusatzvorsorge zuständig ist, und Pensplan-Präsidentin Laura Costa nehmen auch Gleichstellungsrätin Michela Morandini, die Vizepräsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit Donatella Califano, Elisabetta Giacomel vom Nationalen Komitee für Finanzbildung, Universitätsforscherin Claudia Curi sowie die Präsidentin der Global Thinking Foundation Claudia Segre an der Diskussion teil. Am Abend referiert Claudia Segre in Trient über Finanzbildung als Schlüssel zu mehr Chancen für Frauen und  Familien.

Neue Projekte zu finanzieller Allgemeinbildung und Pflege

Die regionale Gesellschaft für die Förderung der Zusatzvorsorge Pensplan wurde erst vor kurzem damit beauftragt, im Rahmen einer Studie eine Strategie für die Förderung der finanziellen Allgemeinbildung zu entwickeln. Weiters arbeitet Pensplan in enger Abstimmung mit den beiden Ländern an einem Projekt zur Pflege. “Wir wollen die Instrumente, die uns durch unsere Autonomie zur Verfügung stehen, auch im bedeutenden Bereich der Vorsorge weiter ausbauen und stärken”, betont Kompatscher: “Wesentlich dabei ist die Sensibilisierung im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung und die Einführung innovativer und ergänzender Maßnahmen im Bereich der Pflege.” Präsidentin Laura Costa verweist auf die bisher geleistete Arbeit von Pensplan und den Erfolg des regionalen Zusatzrentenmodells: “Gleichzeitig müssen wir das Bewusstsein der Bevölkerung für die finanziellen Bedürfnisse im Leben weiter stärken und auf die Notwendigkeit hinweisen, rechtzeitig an Morgen zu denken.” Dies gelte in besonderer Weise für Frauen, junge Arbeitnehmer und Freiberufler.

Equal Pension Days: Aktionen vor Ort

Vor Ort gibt es im Rahmen der heurigen Equal Pension Days vom 21. bis zum 25. Oktober Informationstreffen zum Thema Vorsorge in Zusammenarbeit mit den dem Elki-Netzwerk, Landesrätin Waltraud Deeg sowie Michela Morandini. In der Provinz Trient können sich interessierte Frauen bei Vortragsabenden der Bäuerinnenorganisation und der Handwerksfrauen über das Thema Rente und Welfare informieren..

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Rentensystem benachteiligt Frauen: “Handeln ist angesagt”"


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honigdachs
honigdachs
Tratscher
21 Tage 19 h

Die rente isch jo generell a witz, ob für fraudn odo männer….
Obo Haupsoch insra spitzn politika kriagn an haufe Weil die sem brauchns jo…..

falschauer
21 Tage 14 h

die rente isch a witz ?!, sog amol ticksch du nou richtig, wos tatn de in pension ohne rente und kreagn konnsch ollm lai des wos du ingezohlt hoch

wellen
wellen
Universalgelehrter
21 Tage 18 h

Kindererziehungsszeiten anerkennen, sonst kündigen die Mütter weiter und gehen in Arbeitslose, weil die für die Rente zählt und Erziehungszeiten nicht.

Alter Hase
Alter Hase
Grünschnabel
21 Tage 15 h

Und was sagt ihr über die Mutter einer grossen Familie (4, 5, 6, 7 Kinder)? Sie hat über ihre Kinder zum Bruttosozialprodukt und zur Stabilität der Gesellschaft mehr beigetragen als jede arbeitende Frau, die vielleicht ein oder zwei Kinder auf die Welt gebracht hat (ohne Werturteil, natürlich!). Sie bekommt aber keinen Cent an Rente. Ist das gerecht???

peterle
peterle
Universalgelehrter
21 Tage 16 h

Laut einigen Müttern gehen die Erziehungszeiten bis zur Volljährigkeit derselben. Und Das kann es nicht sein.

herbstscheich
herbstscheich
Universalgelehrter
21 Tage 18 h

a) es hindert euch niemand, e Jahre pro Kind für die Rente anzuerkennen . b) schon mal nachgedacht daß Frauen früher in Rente gehen und länger leben????

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