Hervis hat neue Eigentümer

Spar hat Sporthändler Hervis verkauft

Montag, 26. Januar 2026 | 14:22 Uhr

Von: apa

Der Salzburger Handelskonzern Spar hat sich nach mehr als 50 Jahren von seiner Sporthandelstochter Hervis getrennt, der Verkauf wurde bereits am Freitag besiegelt. Neue Eigentümer sind der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin. Das teilte Spar am Montag mit und bestätigte damit Medienberichte der vergangenen Woche. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit dem Verkauf zieht Spar die Reißleine bei seiner defizitären Tochter. In den Jahren 2023 und 2024 hatte Hervis Verluste von über 100 Mio. Euro angehäuft. Allein 2023 belief sich der Abgang inklusive Abschreibungen auf 64 Mio. Euro, 2024 waren es 43 Mio. Euro. Auch der Umsatz war zuletzt rückläufig und sank von 261 auf 253 Mio. Euro. Spar-Chef Hans Reisch hatte bereits Ende 2025 “weitere Entscheidungen” bezüglich der Zukunft des Sporthändlers angekündigt.

Voth übernimmt alle Standorte und Mitarbeiter

Der neue Eigentümer Sven Voth ist in der Branche kein Unbekannter. Er gründete 1998 die Streetwear-Kette Snipes, an der sich später Deichmann beteiligte. Voth, der als Wahlwiener gilt, übernimmt alle 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern und alle Beschäftigten. Knapp 100 Standorte sind in Österreich, die Mitarbeiterzahl in Österreich lag zuletzt bei rund 1.360. Man müsse von der Schließung einzelner, nicht rentabler Standorte ausgehen, sagt Michael Slamanig, Sprecher der Investoren, dem “Standard” (online). Hervis soll sich von der Diskontschiene verabschieden und “ein Upgrading erfahren”, schreibt die Zeitung. Voth werde sich vermehrt auf Sportgeräte und -ausrüstung fokussieren – und den Onlinehandel ausbauen.

In den Jahren 2023 bis 2025 setzte das Hervis-Management bereits auf eine Neupositionierung des Sporthändlers inklusive Filialschließungen. Aus dem tschechischen Markt hatte sich Hervis schon 2022 zurückgezogen. Im Herbst 2025 trennte sich der Sporthändler von weiteren Auslandsgesellschaften. Die Standorte in Ungarn und Rumänien gingen an die britische Frasers Group (ehemals Sports Direct).

Auch der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportartikelhändler Österreichs (VSSÖ) äußerte sich zur Übernahme. “Selbstverständlich hoffen wir, dass die heimischen Standorte erhalten bleiben und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den neuen Eigentümern”, so VSSÖ-Geschäftsführer Michael Nendwich auf APA-Anfrage in einer Stellungnahme. Hervis sei “ein langjähriger und wichtiger Player auf dem österreichischen Sportartikelmarkt”. Als VSSÖ arbeite man “seit langem gut mit Hervis zusammen, vor allem im Bereich Schulungen für Mitarbeiter”.

Harter Wettbewerb im Sporthandel

Die Übernahme fällt in eine schwierige Phase für den österreichischen Sporthandel. Nach einem “Sonder-Umsatzboom” während der Pandemie führten Konsumzurückhaltung und hohe Lagerbestände ab 2022 zu Problemen in der gesamten Branche. Der Markt wird von Intersport und Sport 2000 dominiert, Hervis liegt laut RegioData auf Platz drei. Der Konkurrenzdruck hatte zuletzt bereits das “Österreich-Abenteuer” des norwegischen Händlers XXL Sports beendet, während der französische Diskonter Decathlon seine Präsenz seit 2018 stetig ausbaut.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen