"Untersuchungen zeigen Schadstoffe in vielen Alternativprodukten"

Verbot von Einweg-Produkten aus Plastik in Europa

Freitag, 09. Juli 2021 | 08:00 Uhr

Bozen – Seit Anfang Juli gilt EU-weit ein Verbot von gewissen Einweg-Plastikprodukten, darunter Becher aus Styropor, Einweg-Geschirr, Trinkhalme und Wattestäbchen. Der Handel darf Restbestände noch aufbrauchen.

Italien geht dabei andere Wege als Europa, weiß die Verbraucherzentrale Südtirol zu berichten:

In der SUP-Richtlinie (single use plastic, also Einweg-Plastik) der EU wird nicht nach Ursprung des Plastikmaterials unterschieden, und Gegenstände aus „Bio-Plastik“ (hergestellt z.B. aus Mais und abbaubar) werden solchen aus „traditionellem“ Plastik (hergestellt aus Erdöl und nicht abbaubar) gleichgestellt. Italien dagegen erlaubt die Verwendung von Einwegartikeln aus „Bio-Plastik“: diese wurden aus dem Verbot wieder herausgenommen. Gleichzeitig wurde verlangt, dass die Europäische Kommission die der Anwendungsrichtlinien zur SUP-Richtlinie überarbeite.

Obschon jede Verringerung von Plastikmüll fraglos zu begrüßen sei, lassen mehrere kürzlich veröffentlichte Untersuchungen der Alternativ-Produkte auch an diesen Zweifel aufkommen. “Die Europäische Verbraucherorganisation BEUC hat in vier Ländern, darunter Italien, Einweggeschirr aus Pappe, Zuckerrohr und Palmenblättern untersucht, und dabei in 53 Prozent der untersuchten Produkte Schadstoffe, darunter Pestizidrückstände sowie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), gefunden (Mai 2021). PFAS werden eingesetzt, um Textilien, Lebensmittelverpackungen und Papiere wasser-, fett- und schmutzabweisend zu machen. Auch die Untersuchung der italienischen Zeitschrift für Verbraucherrechte „Il Salvagente“ (Juni 2021) hat in neun von elf untersuchten kompostierbaren Einwegtellern und -Bechern Hinweise auf die Präsenz von PFAS gefunden. Zwei der Produkte waren hingegen frei davon. Dies zeigt laut Salvagente, dass es möglich ist, Alternativprodukte ohne Schadstoffe zu produzieren”, so die VZS.

Problematisch seien diese Chemikalien, die zu den endokrinen Disruptoren zählen und das menschliche Hormonsystem beeinflussen, unter mehreren Aspekten. “Zum einen gelten sie zum Teil laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO (IARC) als potentiell krebserregend, und sie bauen sie sich nicht ab, weshalb sie von vielen bereits „ewige Chemikalien“ getauft wurden. Fraglich ist derzeit, ob das Geschirr diese Chemikalien an die in ihnen servierten Lebensmittel und Getränke abgibt. Gänzlich offen bleibt die Frage, was im Zuge der Kompostierung mit diesen Chemikalien passiert, und ob sie schlussendlich im Wasser landen. “Il Salvagente“ fordert daher eine ausgedehnte Untersuchung von staatlicher Stelle und amtliche Schritte, auch weil in den Vereinigten Staaten nach einer Studie mit ähnlichen Ergebnissen die Verpackungsindustrie die Produkte in Eigenregie zurückgezogen und sich selbst Grenzwerte auferlegt hat”, erläutert die VZS.

Grenzwerte hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA derzeit nur für vier dieser PFAS erlassen (siehe https://www.efsa.europa.eu/de/news/pfas-food-efsa-assesses-risks-and-sets-tolerable-intake), da die anderen noch nicht ausreichend erforscht sind.

„Gerade vor diesem Hintergrund – und bis zur Schaffung eines Rahmens mit Zulassungen, Grenzwerten und Kontrollen – werden plastikfreie Mehrweglösungen aus schadstofffreien Materialien immer attraktiver“ kommentiert die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol, Gunde Bauhofer. „Es bleibt zu hoffen, dass auf europäischer und staatlicher Ebene für die Verwendung solcher Lösungen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich nicht die Problematik um selbst mitgebrachte Mehrwegbehälter, die wir vor einigen Jahren bei Obst und Gemüse erlebten, wiederholt.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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25 Kommentare auf "Verbot von Einweg-Produkten aus Plastik in Europa"


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Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
17 Tage 55 Min

Das war eine lang ersehnter Schritt in die richtige Richtung. Wir kommen dem Ziel, nachhaltig zu leben immer näher, auch wenn man, wie hier, scheinbar Steine in den Weg geworfen bekommt.

Missx
Missx
Kinig
16 Tage 22 h

@Soundgeist
Warst du nicht auf dieser Raveparty in Pisa. Zumindes hast du erzählt, du hättest dort nette Leute getroffen. Egal…
Nichts gegen Party usw, bin dafür das gefeiert und zelebriert wird. Aber hast du danach auch geholfen, den Plastikmüll aufzuräumen der auch in der Umgebung liegen gelassen wurde. Ich will jetzt nicht dir persönlich etwas unterstellen. Aber etwas heuchlerisch ist das ganze schon,wenn man immer wartet, bis andere reagieren.

Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
16 Tage 21 h

@Missx ich bin nicht die Müllabfuhr.
Ich habe keinen einzigen Gramm Müll verursacht, geschweige denn liegen gelassen. Allerdings habe ich ein paar Glasscherben vom Boden aufgehoben und entsorgt.

Es kostet gar nichts wenn jeder seinen eigenen Müll mitnehmen würde.

Missx
Missx
Kinig
16 Tage 20 h

@Soundgeist
Dann gratuliere ich Dir, dass Du dort keinen gramm Müll verursacht hast. Hast alles aus Flachen getrunken und gegessen hast du wie?
Ich frage nur aus Neugierde, wie das funktioniert. Denn auch wenn ich mir im Moment Mühe gebe, wurde immer im Vorfeld wegen mir Müll produziert, auch unbewusst. Zb bei Anreise Schadstoffe produziert…

Offline
Offline
Kinig
16 Tage 17 h

@Soundgeist…Touché 🤺. Die perfekte Antwort auf eine altbekannte Kommentarstrategie “fishing for 👍”. Nach dem Motto: “Ich sage ja Nichts, ich meine ja nur” wird einfach mal Etwas unterstellt…

Missx
Missx
Kinig
16 Tage 14 h

Ma hör doch endlich bitte auf, irgendwie hintenrum bei mir zu sticheln. Der Gescheitere gibt nach und das bin in diesem Fall ich,du gescheiterte Existenz

Roby74
Roby74
Superredner
16 Tage 11 h

@Offline
🙄🤦🏼‍♂️glaubst Du wirklich das manche hier im SN-Forum Daumen hoch👍🏻sammeln???😅🤣😂
Glaube eher kaum…..denn”fishing”🎣🐟🎣betreibt immer noch in “the River”oder in “the Sea”!!!Ich weiss wovon ich spreche,denn ich angle schon seit über 35 Jahren!!!!😁

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 22 h

So ein Pappstrohhalm klebt recht schnell an den Lippen.
Vielleicht hol ich mir doch mal einen aus Metall, der dann bei Ausflügen mitgeführt wird, wo ich in Berührung mit Softdrinks kommen könnte.

Das gewählte Bild ist übrigens recht irreführend. Es geht nicht um Verpackungen, sondern um die Artikel selbst.

Missx
Missx
Kinig
16 Tage 21 h

Oder vom Glas trinken, wie jeder normale Erwachsene.
Als Kind haben wir uns früher Strohalme aus Stroh gebastelt. Richtige aus Plastik haben und die Eltern nicht gekauft…so mussten wir welche aus Naturalien erzeugen.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
16 Tage 21 h

@Missx
Warum die wohl Strohhalme heißen, schon seit Jahrzehnten…??? 😉

Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
16 Tage 21 h

@Missx genau das haha, warum überhaupt Strohhalme wenn man einfach normal trinken kann?

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 20 h

OK, ich geb’s ja zu … Spezifikation: Wo sie einem Pappbecher samt Strohhalm geben.

Missx
Missx
Kinig
16 Tage 19 h

@nuisnix
😜😜😜
Sehr witzig 🙂

Tirolisimo
Tirolisimo
Tratscher
16 Tage 19 h

Also wenn der Hr Neumi mit einem Edelstahlstrohhalm daher kommt,
am besten so einen 1m langen wie in Spanien bei de Sangriakübel.
Dann brich i vor Lachen zam
(((:

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Kinig
16 Tage 17 h

Könnte es sein, dass sich so ein “Strohhalm” verirrt hat ?

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Kinig
16 Tage 17 h

@nuisnix..👍Kinder sind ja bekannt dafür, dass sie sich fast alles in den Mund stecken und manchmal auch verschlucken. Könnte es möglich sein, dass sich so ein Strohhalm anstatt in den Magen in die entgegengesetze Richtung “verirrt” hat….

Neumi
Neumi
Kinig
16 Tage 15 h

@Tirolismo Bring mich nicht auf Ideen … 😀

Jaga1456
Jaga1456
Neuling
17 Tage 20 Min
Verstehe diesen artikel nicht.. also hat erdöl erzeugte plastik keine schadstoffe? Ist nicht so, mikroplastik hat genau diese auswirkungen auf das endokrine system.. Die chemie ist das übel hier. Der menschliche körper ist nicht kompatibel mit chemie, und wir müssen komplett pestizid frei, ja chemie frei werden.. wollen wir unsere gesundheit schützen. Es gibt eine studie die besagt, das in der vorindustriellen welt es nur 10% der fäller der heutigen krebserkrankungen gab. Die gute nachricht ist das die natur alles bereitstellt an alternativen.. zb hanfplastik ist qualitätsmässig überlegen gegenüber öl-plastik, wir müssen nur einen radikalen abbau von chemischen substanzen vornehmen… Weiterlesen »
Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
16 Tage 21 h

@Jaga1456 Chemie ist nicht grundsätzlich schlecht für den Menschen, so wie Natur nicht zwingend gesund ist. Dafür benötigt es Forschung herauszufinden was gut und was schlecht ist und dann braucht es Regulation damit man solchen Stoffen nicht ausgesetzt wird.

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Kinig
16 Tage 17 h

@Soundgeist..stimmt, ich bin der Chemie unheimlich dankbar für die Entwicklung und Herstellung meiner lebenserhaltenden Krebsmedikamente…

Jaga1456
Jaga1456
Neuling
16 Tage 17 h

diese regulation die du nennst heisst tierexperimente.. denn alle chemicalien werden auf tiere getestet, und schau dir dieses video an: https://www.youtube.com/watch?v=qump0wnDdG8

millionen werden zu tode gequelt, vergiftet etc., ein immenses tierleid und für was? corona hat gezeigt das wir auch die tierwelt in ruhe lassen müssen

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Kinig
16 Tage 13 h

Vielen Dank für die “herzlichen” Genesungswünsche.

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
16 Tage 21 h

Wenn ich bei Eurospar in Sterzing die ganzen Plastik Verpackungen sehe,die ganzen Küchenschnitten oder Apfelstrudel, Krapfen,usw in Plastik verpackt,muss das sein? Mehr Plastik als Süßspeisen

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Kinig
16 Tage 17 h

Wer diese in Plastik abgepackte, industriell hergestellte Massenware kauft und isst, kann getrost auch die Verpackung mitessen. Sie/es/er* wird, zumindest geschmacklich 🤮, keinen Unterschied bemerken…

peterle
peterle
Universalgelehrter
17 Tage 4 Min

War da nicht vor Jahren ein Versuch mit dem Abfall vom Trester? Auch dort Pestizide?

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