VW will noch mehr Stellen streichen als bisher bekannt

VW sucht nach Gewinn-Einbruch neues Geschäftsmodell

Dienstag, 10. März 2026 | 13:09 Uhr

Von: APA/Reuters

Zölle und andere Handelshemmnisse, der holprige Wandel zur Elektromobilität und der zunehmende Wettbewerb mit neuen Anbietern stellen Europas größten Autobauer Volkswagen vor grundsätzliche Fragen. “Wir stellen fest, dass das Geschäftsmodell, das uns über Jahrzehnte getragen hat, in dieser Form nicht mehr funktioniert”, sagte VW-Konzernchef Oliver Blume am Dienstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum abgelaufenen Jahr.

Der deutsche Konzern mit Sitz in Wolfsburg müsse sich an ein schnelleres Tempo anpassen. In der Vergangenheit seien Strategien für die kommenden zehn Jahre erstellt worden. “Das ist heute nicht mehr so.” Der VW-Chef kündigte deswegen an, sein Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen.

Die Herausforderungen für Volkswagen sind groß und vielfältig: Das US-Geschäft steht wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump massiv unter Druck, dazu kommt der Schwenk in den USA zurück zum Verbrenner. In China müssen die Wolfsburger den Anschluss an die heimische Konkurrenz bei Elektroautos finden und setzen darauf, den Rückgang mit neuen, lokal entwickelten und produzierten Fahrzeugen zu verringern. Das Exportgeschäft aus Europa leidet unter hohen Kosten, auf dem europäischen Markt sind die Margen vor allem bei Elektroautos unter Druck, vor allem wegen des harten Wettbewerbs durch chinesische Anbieter. Neu dazugekommen ist der Krieg am Golf, der Blume zufolge auf die Nachfrage nach Luxusautos drücken dürfte.

50.000 Jobs werden abgebaut, alleine 35.000 bei Kernmarke VW

Ein Baustein für ein neues Geschäftsmodell sei eine stärkere Lokalisierung, wie es in China bereits umgesetzt sei, erläuterte Blume. Dazu komme eine engere Zusammenarbeit der Marken und ein anhaltender Sparkurs. “Wir werden jeden Stein umdrehen.” Insgesamt habe Volkswagen konzernweit schon jetzt den Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030 auf den Weg gebracht. Allein 35.000 Stellen fallen bei der Kernmarke Volkswagen weg. Auch bei Porsche, Audi und der Software-Tochter Cariad laufen die Programme zum Jobabbau. Die Kosten in den drei größten Fahrzeugwerken seien bereits um ein Fünftel gesunken. “Die Richtung stimmt, aber wir müssen massiv weiterarbeiten”, sagte er.

Betriebsrat: Größter Gewinneinbruch seit Dieselskandal

2025 brach der Betriebsgewinn um die Hälfte auf nur noch 8,9 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich blieben mit 6,9 Milliarden Euro 44,3 Prozent weniger übrig als vor Jahresfrist. Der Betriebsrat sprach in einer Mitteilung an die Beschäftigten von dem schwächsten Ergebnis seit dem Dieselgate-Einbruch 2015/2016. Die Gewinnmarge lag mit 2,8 Prozent so niedrig wie seither nicht mehr. Der Umsatz stagnierte bei 322 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Volkswagen allenfalls mit einem Umsatzplus von bis zu drei Prozent. Immerhin soll sich die Gewinnmarge wieder auf vier bis 5,5 Prozent verbessern.

Auf dem Konzern lasteten fast neun Milliarden Euro an Sondereffekten. Die Kosten für den Umbau bei Porsche summierten sich auf fünf Milliarden Euro, die Belastungen durch die US-Zölle auf rund drei Milliarden Euro. Dazu kommen Kosten für die Restrukturierungsprogramme bei Volkswagen, Audi und der Softwaretochter Cariad. “Ohne Kostendisziplin und Sparprogramm wäre die Lage noch dramatischer”, erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo.

Auto-Export von Mexiko in die USA lohnt nicht mehr

Das einst hochprofitable US-Geschäft leidet massiv unter den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Blume sagte, angesichts der Zölle lohne es sich bei vielen Modellen nicht mehr, Autos von Mexiko in die USA zu exportieren. Das spürt insbesondere Audi, das den Bestseller Q5 in Mexiko produziert. Doch eine schnelle Lösung dafür sei nicht in Sicht. Zwar halte sich Volkswagen den Aufbau einer eigenen Audi-Fertigung in den USA offen, sagte Blume. Voraussetzung dafür sei aber ein Entgegenkommen der US-Regierung. “Wir können nicht beides, hohe Zölle zahlen und dann in eine Fabrik investieren”, betonte Blume. Von dem Ziel, den Marktanteil des Konzerns in den USA auf zehn Prozent mehr als zu verdoppeln, sei Volkswagen weit entfernt. Das könne allenfalls langfristig erreicht werden.

Auch in China laufen die Geschäfte deutlich schlechter als noch vor ein paar Jahren. Volkswagen setzt hier auf eine Reihe neuer Modelle, die derzeit auf den Markt kommen. In den Zahlen dürfte das aber erst ab kommendem Jahr zu sehen sein.

Tiefe Spuren in Bilanzen der Töchter Audi und Porsche

Das hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen von Audi und Porsche. Insgesamt sank der operative Gewinn bei der Markengruppe Progressive, zu der neben Audi auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, um 13,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Bei Porsche waren es mit 100 Millionen Euro Gewinn gerade noch schwarze Zahlen. Im Volumengeschäft mit den Marken Volkswagen, Skoda und Seat/Cupra lief es dagegen deutlich besser, der Gewinn lag mit 6,8 Milliarden Euro nur knapp unter dem Vorjahresniveau. Betriebsratschefin Cavallo erklärte, schon 2023 sei bekannt gewesen, dass die Jahre 2025 und 2026 für den Konzern besonders herausfordernd würden. “Umso erfreulicher ist es, dass die Markengruppe Core und mit ihr auch die Kernmarke VW Pkw sowie die Komponente zur Stabilisierung der Kennzahlen im Konzern beigetragen haben.”

Kommentare

Aktuell sind 6 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen