Verbraucherschutzverein Robin zu Teuerung um 6,2 Prozent

Wie die Inflation die Mittelschicht ärmer macht

Dienstag, 01. März 2022 | 16:55 Uhr

Bozen – Das Schreckgespenst Inflation ist wieder zurück. Mit 6,2 Prozent Preissteigerung lag Bozen im Jänner 2022 italienweit an der Spitze. Da entstehe gerade erhöhter Handlungsbedarf. “Angeheizt wird die Inflationsspirale von den massiven Preissteigerungen bei Strom, Gas, Treibstoffe, Rohstoffe. Doch auch viele andere Produkte und Dienstleistungen werden teurer, denn die Betriebe geben die Kostensteigerungen bei Energie und Rohstoffen vermehrt an die Verbraucher weiter. Auch der Gang in den Supermarkt oder der Besuch in der Gastronomie wird zusehends teurer. Der erhöhte Preistrend belastet überproportional jene in der Bevölkerung, die weniger wohlhabend sind”, erläutert der Verbraucherschutzverein Robin.

“Die Anzahl derjenigen, die das Problem für vorübergehend halten schwindet zusehends. Denn eine der wichtigsten Ursachen für den Preisauftrieb ist in Konstruktionsfehlern bei Wettbewerb und Marktwirtschaft zu suchen und zu finden. Gar einige Ökonomen unterstreichen, dass Zentralbanken den Markt nicht über viele Jahre unablässig mit Geld fluten können, ohne dass sich das irgendwann in steigenden Preisen niederschlägt. Jetzt scheint dieser Moment gekommen”, so “Robin”.

“Heute sehen sich die Kleinsparer mit der Situation konfrontiert das Ersparte in riskante Anlagen zu investieren, in denen man auch gewinnen, doch auch ganz viel verlieren kann, oder zuschauen zu müssen, wie das Angesparte Jahr für Jahr an Wert verliert. Leider gibt es nur wenige Anlagemöglichkeiten die vor der Inflation schützen, die Abfertigung ist eine davon. Auf halbwegs sichere Anlagen gibt es seit Jahren keine Zinsen mehr, immer häufiger werden sogar Negativzinsen fällig. Bei anziehender Inflation bedeutet das eine systematische Enteignung des Kleinsparers, während die Inhaber großer Vermögen von der Kursrally auf den Finanzmärkten profitiert haben und das Anlageportfolio so diversifizieren können, dass Rückschläge kein Drama sind. Die Kombination von Inflation und Nullzinsen ist die beste Voraussetzung für die Finanzkonzerne um ihre Gewinne zu maximieren. Damit wird die gesellschaftliche Ungleichheit vergrößert und das geht vor allem zulasten der Mittelschicht”, erklärt Walther Andreaus vom Verbraucherschutzverein Robin.

Inflation frisst Erspartes, Löhne und Renten der Mittelschicht auf

“6,2 Prozent Inflation lassen sich aushalten, wenn die Löhne und Renten zumindest im gleichen Maße steigen. Die goldene Regel „Inflation plus Produktivitätswachstum“ kann separat besprochen werden. Für viele Berufsgruppen sind Lohnsteigerungen, die mit den derzeitigen Preissteigerungen mithalten, kaum vorstellbar. Dafür sind Arbeitsmarkt und Arbeitsverträge viel zu fragmentiert und die Gewerkschaften zu schwach. Das führt zu sinkendem Wohlstand für Otto Normalverbraucher und wachsende Armut für diejenigen, die es schon schwer haben. Es bedeutet auch, dass die Kaufkraft für alle Güter und Dienstleistungen, die nicht zum Grundbedarf zählen, geringer wird. Aber das wird bei diesen Gütern nur dann zu sinkenden Preisen führen, wenn der Wettbewerb stark ist. Genau das aber ist in unserer Wirtschaft in immer weniger Bereichen der Fall. Denn es gibt immer mehr Märkte, in denen wenige Anbieter eine dominante Stellung haben, dass sie das Preisniveau steuern und bestimmen können. Dieser Trend, der durch die Digitalisierung begünstigt und durch ineffiziente oder komatöse Aufsichtsbehörden ermöglicht wurde, hat durch die Coronakrise einen massiven Schub erhalten”, heißt es weiter.

“Begünstigt werden steigende Preise zusätzlich dadurch, dass scheinbar selbständige große Unternehmen immer häufiger die gleichen dominanten Anteilseigner haben. Dass der zunehmende Einfluss von BlackRock (Vermögensverwalter des Zusatzrentenfonds Laborfonds), Vanguard und Co. Wettbewerb unterbindet und die Preise hochtreibt, ist schon 2016 in amerikanischen Studien untersucht und nachgewiesen worden. Geschehen ist nichts, im Gegenteil, die Politik hat durch Rentenkürzungen und Zusatzrenten alles dafür getan, die Macht dieser Finanzgiganten weiter zu erhöhen. Aus all diesen Gründen sind zumindest in Teilbereichen signifikante Preissteigerungen auch bei stagnierenden Löhnen möglich”, so Andreaus.

Was tun?

Eigentlich wäre jetzt die Politik am Zug. Denn es scheine so zu sein, dass der immense Schuldenberg durch Inflation zulasten der Mittelschicht abgetragen werden soll. “Die Enteignung der Mittelschicht ist zu stoppen und durch einen Schnitt auf Kosten derer, die von den Schulden profitiert haben zu ersetzen. Dabei ist bei der Steuerhinterziehung und beim Steuersystem anzusetzen. Das italienische Steuersystem ist darauf ausgerichtet, die Ungleichheit zu vergrößern. Für die fünf Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen ist es sogar regressiv: In der Praxis sinkt der von diesen Steuerzahlern gezahlte Durchschnittssteuersatz mit steigendem Einkommen, so dass er bei denjenigen, die mehr als 500.000 Euro verdienen, bei etwa 37 Prozent endet. Dies ist weniger als der Satz, der für die unteren Schichten der Pyramide gilt. Diese Ergebnisse ergibt eine Studie, die kürzlich vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Scuola Superiore Sant’Anna veröffentlicht wurde. Abhilfe könnte eine Vermögenssteuer schaffen. Dass nicht der Normalbürger der Profiteur der Schuldenpolitik war, lässt sich an der Vermögensstatistik ablesen. Während die Vermögen der Mittelschicht in allen europäischen Ländern tendenziell nach unten zeigen, sind die Vermögen der oberen zehn Prozent seit der Jahrtausendwende geradezu explodiert”, fasst “Robin” zusammen.

Auch müsse die Politik alles dafür tun, dass Märkte und Wettbewerb in unserer vermeintlichen Marktwirtschaft wieder halbwegs funktionieren. “Und sie darf nicht selbst als Preistreiber auftreten, sondern sollte gut aufpassen, nicht den Monopolen in die Hände zu spielen.”

Der Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin, Walther Andreaus meint dazu: „Eigentlich muss man sich nicht mit den aktuellen Preissteigerungen noch mit Negativzinsen für Kleinsparer abfinden. Die Politik muss einen Ausweg suchen und diesen auch gegen Widerstände der Wohlhabenden durchsetzen.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 24 Tage

Löhne und Renten sollten bei einer steigenden Inflation mindestens in gleicher Höhe steigen. Bin dafür ! Allerdings bin ich auch gespannt darauf, was bei einer wieder fallenden Inflation gefordert wird….

PuggaNagga
2 Monate 24 Tage

Der Staat hat für alles Geld, für seine Bürger die den Spass finanzieren aber nicht!
Jetzt wird den Flüchtlingen aus der Ukraine geholfen, wir müssen dafür arbeiten.
Ich bin dafür dass wir den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine helfen, aber es sollte jedem bewusst sein dass das für uns Bürger nicht gratis ist.
Ich finde es aber seltsam dass nicht Geringverdiener und Familien ein kleines zuggerle gegeben wird

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
2 Monate 24 Tage

Offline1
War schon, mit der berechneten Inflation stiegen die Löhne. Hat die Gewerkschaft abgeschafft, warum auch immer. Vielleicht damit die Löhne nicht mehr steigen und die Reichen immer reicher werden?…….und das die Preise und Kosten mal sinken, glaub ich nicht. Wenn nur ganz minimal.

Storch24
Storch24
Kinig
2 Monate 24 Tage

Offline@ sie leben wohl nicht hier. Einmal Preiserhöhung, immer Preiserhöhung

Storch24
Storch24
Kinig
2 Monate 24 Tage

Geringverdiener bekommen überall Zuschuss , die Mittelschicht leider nicht

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 24 Tage

@der echte Aaron Die Gewerkschaften waren es nicht. Es wurde damals, vor vielen Jahren von den Arbeitgeberseite bei den damaligen Kollektiv Verträgen weg “erpresst”.

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
2 Monate 24 Tage

@N.G.
Glaub ich nicht. In unserem Betrieb hat damals die Gewerkschaft von einem großen Erfolg ihrerseits geschwärmt. ,,Jetzt könnten sie jedes mal neu und unabhängig Verhandeln,,. Habe den Witz bis heute nicht verstanden.

Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 24 Tage

@Storch24..stimmt, aber mit hohen Preisen kenne ich mich aus….

Faktenchecker
2 Monate 23 Tage

storchi, ich forsere Beiträge für die Oberschicht.

Faktenchecker
2 Monate 23 Tage

Warum haben die Gewerkschaften unterschrieben Günter?

giesskanne
giesskanne
Neuling
2 Monate 23 Tage

@Faktenchecker 1992 unter Amato abgeschafft. Eine Theorie war: Wenn der Gewinn der Unternehmen gleich bleibt, die Gehälter durch die “scala mobile” aber steigen, steigt auch die Inflation.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 23 Tage

@der echte Aaron Es war ein Handel! Soweit ich mich erinnern kann. Abschaffung des Inflatinsausgleichs gegen..!
Aber auch dieser Ausgleich war damals Augenwischerei, denn es wurde die italienische Inflation zu Grunde gelegt und wir hatten in Südtirol ausnahmslos 2 % Punkte mehr.

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Superredner
2 Monate 24 Tage

Angebot und Nachfrage regelt den Preis.

Faktenchecker
2 Monate 23 Tage

Besonders im Bereich Feinkost. Kaviar aus Russland ist unbezahlbar geworden.

Superredner
2 Monate 24 Tage

Hauptsache die Politiker Bezüge werden der Inflation angepasst. Normale Rentner und Gehaltsempfänger rutschen in die Armut ab. Wenige Reiche werden immer reicher, der Mittelstand stirbt aus.

So ist das
2 Monate 24 Tage

…Eigentlich wäre jetzt die Politik am Zug…

Die Betonung liegt auf eigentlich, denn die Politik versagt wieder einmal.

traktor
traktor
Universalgelehrter
2 Monate 24 Tage

wenn ich da nochmal rauskomme wird das wertlose papier für mich tabu sein. nie mehr werde ich mein hart gespartes in wertlosem papier aufbewahren….

StreetBob
StreetBob
Superredner
2 Monate 23 Tage

Welche Mittelschicht? Olle redn fa dr Mittelschicht; de gibt‘s schon long nimmer!! Grund:?
Zwischen an Millionär (sogn mr mit oaner Million afn Konto) und an Lotter waretn 500.000€….
Wear bitte hot 500.000€ afn Konto…..
Nit viele de in an normaln Orbeit nochgean… wohrscheinlich

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 23 Tage

Mit Mittelschicht ist ganz eas anderes gemeint. Italien wird es si ähnlich sein.

“Zur Mittelschicht gehört in Deutschland, wer als Alleinstehender mindestens 1500 Euro im Monat zur Verfügung hat oder in einer Familien mit zwei Kindern mindestens 3000 Euro im Monat. Die Grenze nach oben, also zum Reichtum, verläuft bei 4000 Euro für Singles und 8000 Euro für Familien.”

Ueberetscher
Ueberetscher
Tratscher
2 Monate 24 Tage

Jo schaugmor wos zem nor passiert 🤷‍♂️

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Superredner
2 Monate 24 Tage

Inflationsanpassung bzw höhere Löhne braucht es.

CH-1964
CH-1964
Tratscher
2 Monate 23 Tage

Letzendlich zahlt immer jemand. Die letzte zwei Jahre und die aktuelle Situation werden tiefe Spuren hinterlassen. Wer gemeint hat der Staat habe ihm irgendetwas die letzten beiden Jahre geschenkt
 wird jetzt eines besseren belehrt.

Plodra
Plodra
Grünschnabel
2 Monate 23 Tage

Gut gebrüllt, Löwe! Doch wer bringt die Politik dazu, zu handeln?

ieztuets
ieztuets
Tratscher
2 Monate 23 Tage

Jo bravo… do hatt woll nou die Gewerkschoft schuld
dass die Löhne niemar steign, wos ischan des für a hirnrissige Aussoge,
vielleicht nitamoll Mitglied sein!

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