Wie das Muffelwild nach Südtirol gekommen ist, konnte nicht geklärt werden

Wie mit nicht heimischem Muffelwild umgehen?

Mittwoch, 27. Februar 2019 | 16:41 Uhr

Andrian – In der vergangenen Woche hat ein Förster des Amtes für Jagd und Fischerei im Revier Andrian ein Muffelschaf erlegt; er hat an diesem Tag 13 Stück gesichtet.

Seit dem Spätwinter 2018, also seit rund einem Jahr, halten sich in Eppan und Umgebung mehrere Gruppen von Muffeln, auch Mufflons genannt, auf, berichten der Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei Luigi Spagnolli und sein Stellvertreter Andreas Agreiter. Muffelwild ist in Südtirol nicht heimisch und wurde zu Jagdzwecken bis vor wenigen Jahrzehnten in vielen Gebieten Mitteleuropas ausgewildert.

Alles spricht gegen eine natürliche Zuwanderung

Wie die Muffel nach Südtirol gekommen sind, ist ungeklärt. Fachleute schließen eine natürliche Zuwanderung der sehr standorttreuen Muffel aus den nächstgelegenen Vorkommen im westlichen Trentino aber aus, unterstreichen Spagnolli und Agreiter. Und: Zudem hätte die Schneemenge des Winters 2017/18 eine natürliche Zuwanderung über den Mendelkamm für das schlecht an Schnee angepasste Muffelwild nicht zugelassen.

Weiters spricht gegen eine natürliche Zuwanderung, dass eine Gruppe von mehr als zehn Tieren beiderlei Geschlechts mit anfangs geringer Scheu aufgetaucht ist. Im vergangenen Sommer wurde in Tisens ein altes Muffelschaf aus dieser Gruppe erlegt. Ein weibliches Exemplar im Alter von rund 15 Jahren verlässt sein angestammtes Gebiet aber nicht mehr aus freien Stücken. Auf benachbarter Trentiner Seite konnte im genannten Zeitraum auch kein Nachweis durchwandernder Muffel erbracht werden.

Ausbreitung nicht heimischer Wildarten muss verhindert werden

“Aus ökologischen Gründen ist die Ausbreitung von nicht heimischen Wildarten nicht erwünscht und soll deshalb mit wirksamen Maßnahmen verhindert werden”, betonen der Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei und sein Stellvertreter, Das Dekret aus dem Jahr 1997, dem die Entnahme des Muffelwildes zugrunde liegt, trägt dieser Ausrichtung Rechnung.

Muffelwild besiedelt Lebensräume heimischer Wildarten

Das Muffelwild besiedelt Lebensräume anderer heimischer Schalenwildarten wie Reh-, Gams- und Rotwild und ernährt sich wie diese von pflanzlicher Nahrung. Muffel bevorzugen ähnlich dem Gamswild felsige Bereiche, weshalb sich gerade in solchen Lebensräumen künftig zwei Wildarten den Lebensraum teilen müssten. Eine zusätzliche Art im selben Lebensraum bleibt nicht ohne Wirkung, Konkurrenzerscheinungen sind wahrscheinlich, der Lebensraum wird zu stark beansprucht.

Artenverschiebung und Gefährdung von Baumarten als Folge

Dies wird langfristig über stärkeren Verbiss und Schälung von Pflanzen erkennbar. Aufgrund der Vorliebe für bestimmte Pflanzenarten kann eine Artenverschiebung und Gefährdung bestimmter Sträucher und Baumarten eintreten. Anders als Reh und Gams schält Muffelwild gerne die Rinde von jungen Bäumen, wobei auch angrenzende Obstkulturen betroffen sein können.

Früher, berichten Spagnolli und Agreiter, seien interessante Wildarten gerne an nicht angestammten Plätzen angesiedelt worden: “Erst später wurden die auch ökologischen Nachteile dieser Umsiedelung erkannt, die es fast ausnahmslos gibt.”

Einige Arten sind besonders problematisch, weil unter anderem andere Arten aussterben oder große wirtschaftliche Schäden entstehen. Nur solche äußerst problematischen Arten sind von der EU als invasive gebietsfremde Arten definiert. Dazu gehört etwa das Grauhörnchen, von dem das einheimische Europäische Eichhörnchen verdrängt wird.

Gebietsfremden Wildarten Einhalt gebieten

“Muffelwild”, heben Spagnolli und Agreiter hervor, “gehört zwar nicht zu diesen invasiven Arten.” Zum Schutze der heimischen Flora und Fauna und eines Gleichgewichtes zwischen den Arten gelte es nach derzeit geltenden Erkenntnissen aber generell, der Zuwanderung gebietsfremden Wildarten Einhalt zu gebieten. In der Besiedlungsphase ist das am einfachsten, denn sobald sich Populationen etablieren, stößt man sehr schnell an die Grenzen.

Auftrag zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts

Der gesetzliche Auftrag zur Erhaltung der heimischen Fauna und zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes legt nahe, die in Eppan und Umgebung auftretenden Muffel zu entnehmen. Ähnlich wird schon seit Jahren im Gebiet von Schlern und Rosengarten vorgegangen. Dort sind es aus dem Fassatal zuwandernde Muffel, die in den 1970er-Jahren noch aus Jagdgründen ausgewildert werden durften. Das Trentino erhält diese historischen Vorkommen, aber eine weitere Ausbreitung ist nicht erwünscht. Zuletzt gab es im Trentino vor zwei Jahren einen behördlichen Muffelabschuss, als außerhalb der abgegrenzten Areale Tiere auftraten.

Es komme nicht infrage, mit den Abschüssen die Jäger zu beauftragen, unterstreichen Spagnolli und Agreiter, da vermieden werden soll, eine zusätzliche jagdliche Möglichkeit zu schaffen. Die notwendige Entnahme wird von den Jagdschutzorganen durchgeführt.

Von: luk

Bezirk: Bozen, Burggrafenamt

Kommentare

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17 Kommentare auf "Wie mit nicht heimischem Muffelwild umgehen?"


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Mikeman
Mikeman
Kinig
24 Tage 21 Min

unglaublich wie man sich die Dinge hier zurecht redet,natürlich braucht man nur die Gams sonst hätten die Lodensockel weniger Abschüsse.Schaun was man von staatlicher Seite dazu sagt .

Staenkerer
23 Tage 21 h

wos der bauer nit kennt, isst er nit…
wos der jager nit kennt, schiesstver …
ob er dorf oder nit!

peterle
peterle
Superredner
23 Tage 18 h

@Staenkerer
Da siegts beim Bären aber nicht so aus. Alle sind gegen den Bären und keiner der „grünen Zunft“ hat die Eier schwarz aufzuräumen.

Isegrim
Isegrim
Grünschnabel
23 Tage 9 h

Zum gefühlt 1000sten Mal: LODENJOCKEL! J.O.C.K.E.L!!!! Ein Sockel ist das, worauf dein Pokal vom Gemeindeschirennen steht! 🙂

Felix von Wohlgemuth
Felix von Wohlgemuth
Grünschnabel
23 Tage 23 h

…und wieder dieser unterschwellige Vorwurf,
dass diese Tiere von jemanden ausgesetzt worden wären 😡. Es muss zuerst die
Herkunft und der genaue Umfang der Population und somit deren (schädigenden?)
Einfluss auf Flora und Fauna erhoben werden. Sollte dieses Dutzend Mufflons
wirklich eine Gefahr für das heimische Ökosystem darstellen, kann notfalls eine
Entnahme angedacht werden.

Aber jetzt in einer Hauruck-Aktion einfach mal
alle abzuschießen und dies auch noch während der Schonzeit (❗❗) ist – gelinde
gesagt – absurd!    

Isegrim
Isegrim
Grünschnabel
23 Tage 9 h

Ausnahmsweise mal gleicher Meinung mit Herrn von Wohlgemuth!

Iris
Iris
Tratscher
23 Tage 4 h

sorry fùr meine Ignoranz, aber heimisches Wild Mufflon nein, Wolf und Bàr ja ?? 

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
23 Tage 23 h

es hat eine Mitfahrgelegenheit vom Wolf bekommen 😁

madoia
madoia
Tratscher
23 Tage 22 h

Du ollm mit dein Wolf drsel isch a niamer heimisch do

wellen
wellen
Superredner
23 Tage 23 h

“Wurde zu Jagdzwecken in vielen Gebieten ausgewildert”….” es komme nicht infrage, Jäger für die Abschüsse zu beauftragen”…. Da wundert sich wohl niemand mehr warum die Jäger als schießwütige Gesellen betrachtet werden, denen es eben nicht um die ständig hergebetete Hege und Pflege geht.

Mikeman
Mikeman
Kinig
23 Tage 22 h

@ Felix von Wohlgemuth
das ist eben der beste Beweis wie es zugeht wo …..xperten das Sagen haben,sowas kann einen selbst als Jäger richtig ärgern.
Die Handlager machen ihre Arbeit aber die Schuld ist wo anders zu suchen.

Staenkerer
23 Tage 19 h

maaaa … de größten muffl findet man ba ins weder im wold no auf de berge …

Tabernakel
23 Tage 19 h

Ohne Asylantrag dürfen die schon mal gar nicht. SALVINIIIIIII !

Wohlzeit
Wohlzeit
Tratscher
23 Tage 10 h

Wo waren die Herren in den Ämtern, als vor etwa 3 Jahren die ersten Sichtungen gemacht wurden?

Isegrim
Isegrim
Grünschnabel
23 Tage 9 h

Ach kommt schon liebe Kommentatoren, regt Euch nicht auf! Der canis lupus wird das schon richten. Erfahrungsgemäß ist Muffel”wild” das erste Klientel, das dran glauben muss… 😉

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
23 Tage 10 h

Alles schönreden und dann zu den Waffen rufen. Auch nichts neues mehr. 🤔

herbstscheich
herbstscheich
Superredner
23 Tage 4 h

ganz einfach — ab in den Teller . .

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