Regulieren oder neu denken?

Wildcamper in Südtirol im Visier

Montag, 05. Januar 2026 | 16:31 Uhr

Von: luk

Bozen – In Südtirol wird das Wildcampen zunehmend zum politischen und touristischen Streitpunkt – mit klaren Forderungen nach Regulierung, aber auch Stimmen, die eine differenziertere Herangehensweise verlangen.

HGV unterstützt Gemeinde Kastelruth

Der Bezirk Bozen und Umgebung des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) unterstützt das Vorhaben der Gemeinde Kastelruth, das Wildcamping zu regulieren und dabei der Musterverordnung des Südtiroler Gemeindeverbands zu folgen. Der HGV hatte zuvor über Monate auf den Erlass der Musterverordnung gedrängt.

Speziell in der Hochsaison im Winter und im Sommer nehme das Ausmaß des wilden Campens mit den bekannten Folgen für die Umwelt und die Sicherheit enorm zu. “Als HGV machen wir auf dieses Phänomen seit geraumer Zeit aufmerksam, weil es mittlerweile in vielen Tälern und Ortschaften in Südtirol auftritt. Eine Reglementierung ist notwendiger denn je. Deshalb begrüßen wir den Schritt der Gemeinde Kastelruth, konkrete Maßnahmen gegen Wildcamper wie Nachtparkverbote einzuführen”, betont Daniel Stuflesser, Obmann des HGV-Bezirkes Bozen und Umgebung.

Der HGV verweist in seiner Presseaussendung zudem darauf, dass der Südtiroler Gemeindeverband jüngst eine Musterverordnung zur Regulierung des Wildcampings erlassen habe und hofft, dass dem Beispiel Kastelruth nun rasch weitere Gemeinden folgen werden. “Im Hinblick auf die Reisezeit im Frühjahr soll nicht noch ein weiteres Jahr vergehen, bis dieses ausufernde Phänomen in unseren Tälern und Orten reguliert werden kann”, meint Stuflesser abschließend.

Grüner: Wildcampen-Debatte in Südtirol zu einseitig geführt

In der aktuellen Diskussion um das Wildcampen in Südtirol warnt Elmar Grüner vor einer pauschalen Verurteilung von Campern. Viele Reisende würden sehr wohl zur lokalen Wertschöpfung beitragen, etwa durch Konsum in Gastronomie, Handel oder durch Parkgebühren – auch dann, wenn sie nicht auf offiziellen Campingplätzen übernachten.

Grüner betont, dass einmaliges Wildcampen nicht mit “Null Einnahmen” gleichzusetzen sei und für viele Gäste ein Einstieg darstelle, der später zu längeren und regulären Aufenthalten führe. Das eigentliche Problem sieht er weniger im Verhalten der Camper als im Mangel an geeigneten Strukturen wie kommunalen Stellplätzen oder kleinen Agricamping-Angeboten.

Solche niedrigschwelligen Angebote könnten Hotspots entlasten, illegales Abstellen verhindern und zugleich Natur und Landschaft schützen. Grüner fordert Politik und Gemeinden auf, entsprechende Projekte aktiv zu unterstützen statt zu blockieren. Pauschale Verbote ohne legale Alternativen führten laut Grüner lediglich zu Ausweichverhalten, nicht zu nachhaltigen Lösungen.

Hinzu komme ein weiterer, oft unterschätzter Faktor: “Wer sich an einem Ort wohl fühlt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder – dann vielleicht auch länger, planvoller und mit höherem Konsum. Wildcampen ist für viele Reisende ein Einstiegserlebnis, das später zu klassischen Übernachtungen in Unterkünften oder auf Campingplätzen führt”, so Grüner.

Bezirk: Bozen, Salten/Schlern

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