Die zunehmende Trockenheit sorgt für niedrige Pegelstände (Symbolbild)

70 Prozent der Grundwasserstände in Österreich zu niedrig

Montag, 04. Mai 2026 | 15:42 Uhr

Von: apa

Rund 70 Prozent der Grundwasserstände sind Ende April zu niedrig gewesen. Das geht aus einer Analyse der Umweltschutzorganisation Greenpeace hervor, die die NGO am Montag präsentierte. Bei mehr als jeder zehnten Messstelle lag zudem der Wasserstand so niedrig wie Ende April noch nie. Besonders betroffen seien Oberösterreich, Salzburg und Kärnten, hieß es. Greenpeace forderte von der Bundesregierung, das im Regierungsprogramm angekündigte Wasserentnahme-Register umzusetzen.

Nur so könne man erstmals sehen, wie viel Grundwasser Industrie und Landwirtschaft in Österreich wirklich verbrauchen. Bisher fehle diese Transparenz. Auch wurde eindringlich vor der geplanten Aushöhlung des EU-Wasserschutzrechts gewarnt. “Unsere Natur trocknet aus. Nach einem dürren Winter erleben wir nun einen extrem trockenen Frühling. Doch das ist längst keine Ausnahme mehr, sondern die neue Realität. Österreich ist auf dieses Szenario schlichtweg nicht gut vorbereitet”, wurde Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace, zitiert.

Pegelstand an mehr als 200 Messstellen ausgewertet

Ausgewertet wurden 227 Grundwasser-Messstellen in ganz Österreich. In Oberösterreich zeigt laut Greenpeace aktuell mehr als ein Drittel der Messstellen so niedrige Wasserstände wie Ende April noch nie. In Salzburg ist das bei mehr als einem Viertel der Messstellen der Fall und in Kärnten bei rund jeder fünften Messstelle. Das sei eine direkte Folge des zu trockenen vergangenen halben Jahres: In fünf der vergangenen sechs Monate habe es zu wenig geregnet oder geschneit. Teils fiel nur ein Drittel der üblichen Menge. Der regnerische Februar konnte dieses Defizit laut der NGO nicht ansatzweise ausgleichen.

Greenpeace verwies dabei darauf, dass Grundwasser “wichtigste Trinkwasserquelle”, aber auch “unerlässlich für Landwirtschaft und Industrie” sei. “Es ist daher höchst besorgniserregend, dass es auf EU-Ebene derzeit Bestrebungen gibt, die EU-Wasserrahmenrichtlinie abzuschwächen”, hieß es. Die Aufweichung des Wasserschutzes wäre aus Sicht der NGO “ein fataler Fehler”. Das bestehende EU-Wasserschutzrecht sei ein “erprobtes und unverzichtbares Schutzschild” für die österreichischen Flüsse und das Grundwasser.

Kritik von Grünen

Aus dem für Landwirtschaft sowie Wasser zuständigen Ministerium von Norbert Totschnig (ÖVP) wurde am Nachmittag betont, “dass erst vor kurzem die ersten 900 Wasserprojekte für 2026 neu genehmigt” worden seien. “Eine Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels ist und bleibt, dass wir weiterhin konsequent in unsere Leitungsnetze, in Wasserspeicher sowie in den Schutz unserer Gewässer investieren”, teilte ein Sprecher mit. “Um die Datengrundlage für künftige Investitionen und Maßnahmen im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu schärfen, führt das BMLUK gemeinsam mit den Bundesländern und den führenden Wissenschaftsteams eine umfassende Studie unter dem Titel ‘Wasser im Klimawandel’ durch.” Das Ministerium verwies zudem auf den 2023 präsentierten Trinkwassersicherungsplan.

Die Grünen übten Kritik. Der Kurs der Bundesregierung “ist nicht nur kurzsichtig, sondern angesichts austrocknender Böden und sinkender Grundwasserspiegel schlicht verantwortungslos”, sagte Umweltsprecher Lukas Hammer. Auch er forderte die Umsetzung eines Wasserentnahme-Registers. Die niedrigen Messstände seien “kein Ausreißer, sondern ein deutliches Warnsignal der Klimakrise”, betonte er zudem.

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