Von: mk
Neapel/Bozen – Nach der missglückten Herztransplantation am Krankenhaus Monaldi in Neapel, bei der ein zweieinhalbjähriger Bub ums Leben kam, laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Mittlerweile steht das Ergebnis der Autopsie fest, die am Dienstag in Neapel stattfand.
Die Untersuchung begann nach Abschluss des Beweissicherungsverfahrens und der Beauftragung der Gutachter, die nun 120 Tage Zeit haben, ihre Ergebnisse vorzulegen. Der nächste Verhandlungstermin vor Gericht ist für den 11. September angesetzt.
Im Zentrum der Ermittlungen steht das Spenderherz, das aus Bozen nach Neapel transportiert wurde. Erste Berichte über einen vermeintlichen Schnitt im Ventrikel des Organs konnten durch den Gutachter der Familie im Rahmen der Autopsie vorerst entkräftet werden. „Sichtbare Verletzungen am Herzen konnten wir zunächst nicht feststellen“, erklärte Dr. Luca Scognamiglio.
Die Anwälte der beschuldigten Ärzte lenken den Fokus nun auf einen technischen Fehler beim Transport: Offenbar wurde das Organ mit Trockeneis statt mit herkömmlichem Wassereis gekühlt – ein fataler Unterschied, der das empfindliche Gewebe mutmaßlich unwiederbringlich beschädig hat.
Gegen insgesamt sieben Mediziner wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Einer von ihnen, der renommierte Herzchirurg Guido Oppido, brach nun sein Schweigen. In einem emotionalen Statement gegenüber Rai 3 wies er jede Schuld von sich und erklärte, dass er sich selbst als Opfer der Umstände sehe.
Unterdessen meldeten sich auch prominente Stimmen aus der Medizin zu Wort. Der renommierte Infektiologe Matteo Bassetti kritisierte die Zersplitterung der Transplantationszentren in Italien scharf. Da das Krankenhaus in Neapel in den letzten drei Jahren nur eine einzige Transplantation durchgeführt habe, fehle es an der notwendigen Routine für solch komplexe Eingriffe. „Fehler passieren dort am ehesten, wo die nötige Praxis fehlt“, so Bassetti.
Nachdem die Autopsie abgeschlossen ist, konnte der Leichnam des kleinen Domenico nun für die Beerdigung freigegeben werden. Wie italienische Medien berichten, findet die Abschiedszeremonie am heutigen Mittwoch um 15.00 Uhr statt. Der tragische Tod des Kindes hat ganz Italien bewegt. Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wird bei der Trauerfeier erwartet, die den Eltern des Jungen ihr Beileid bekunden will.




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