Von: mk
Bruneck – Warum in der Medizin nicht die Menge der Untersuchungen zählt, sondern ihre gezielte und sinnvolle Anwendung, war Thema von Forum Gesundheit Südtirol in Bruneck.
Beim Vortragsabend am Donnerstag, 21. Mai, stand die Frage im Mittelpunkt, welche diagnostischen Untersuchungen und Behandlungen tatsächlich sinnvoll sind. Fachleute des Südtiroler Sanitätsbetriebes informierten darüber, warum gute Aufklärung, gezielte Vorsorge und fachlich begründete Entscheidungen grundlegend sind, um Überdiagnostik zu vermeiden und die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu stärken.
Sanitätsdirektor Dr. Josef Widmann betonte das Ziel von Forum Gesundheit, der Bevölkerung fundierte Informationen direkt von den Expertinnen und Experten des Südtiroler Sanitätsbetriebes zu vermitteln und so Orientierung bei Gesundheitsfragen zu geben.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Untersuchungen und Screenings für die eigene Gesundheit notwendig und sinnvoll sind. Patrizia Corazza, Koordinatorin der Betriebseinheit für epidemiologische Überwachung, betonte, dass gute Information die Voraussetzung für Vertrauen und richtige Entscheidungen sei. Der staatliche Präventionsplan 2026–2031 definiert die onkologische Prävention als strategische Priorität. Entsprechend wichtig sind organisierte Vorsorgeprogramme, die dazu beitragen, Tumorerkrankungen frühzeitig zu erkennen oder ihnen vorzubeugen.
Corazza erläuterte den Unterschied zwischen Screening und diagnostischer Abklärung. „Screeningprogramme richten sich an ausgewählte Bevölkerungsgruppen ohne Krankheitssymptome und folgen klar definierten Abläufen“, erklärte Corazza. „Sie sind vorgegeben und reichen von der schriftlichen Einladung über die regelmäßige Wiederholung der Tests bis hin zu weiterführenden Untersuchungen und einer möglichen Behandlung bei auffälligen Befunden“. Außerhalb dieser Programme oder ohne konkrete ärztliche Indikation brächten zusätzliche Tests nicht mehr Sicherheit. Entscheidend sei vielmehr, Untersuchungen gezielt und nach medizinischer Notwendigkeit einzusetzen.
Dr. Martin Karner, Primar des Dienstes für Radiodiagnostik in Bruneck, machte deutlich, dass Medizin wie ein Werkzeugkasten funktioniert: „Verwendet werden sollte jenes Instrument, das im konkreten Fall passt, nicht möglichst viele Untersuchungen auf einmal“, sagte Karner. Er verwies darauf, dass die Zahl der Verschreibungen für diagnostische Leistungen stetig steigt und damit auch die Wartezeiten zunehmen. Gründe dafür seien unter anderem die alternde Bevölkerung, die Zunahme chronischer Erkrankungen und längere Behandlungsverläufe. Aber auch gesellschaftliche Erwartungen, die Sorge, ernsthafte Erkrankungen zu übersehen und die Erwartungshaltung von Arzt und Patient spielen eine Rolle.
Karner warnte zugleich vor den Folgen einer Überdiagnostik. „Bei zusätzlichen Untersuchungen können unklare Nebenbefunde sichtbar werden. Dies könne Ängste verstärken und weitere, mitunter unnötige Folgevisiten oder Eingriffe auslösen“. Das belaste nicht nur die Betroffenen, sondern auch das Gesundheitssystem. Umso wichtiger seien eine leitliniengerechte Vorgehensweise, eine wissenschaftsbasierte Medizin sowie ein vertrauensvoller Dialog zwischen Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten.
Die Botschaft des Abends war klar: Es geht nicht darum, jemandem etwas vorzuenthalten. Es geht darum, genau jene Untersuchungen und Behandlungen zu wählen, die die Patientinnen und Patienten wirklich brauchen.
Der nächste Termin von Forum Gesundheit Südtirol findet am 24. September um 18.30 Uhr im Haus Guggenberg in Brixen statt. Das Thema ist Bewegung und Sport.




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