Anspruch auf eine jährliche CT - kostenlos

Deutschland startet Lungenkrebs-Screening

Donnerstag, 12. März 2026 | 08:50 Uhr

Von: apa

Deutschland setzt mit 1. April einen Paukenschlag, was die Bekämpfung der tödlichsten Krebserkrankung angeht. Ab diesem Zeitpunkt haben langjährige Raucher kostenlosen Anspruch auf eine jährliche Niedrigdosis-Computertomografie. Österreich hat trotz langjähriger Expertenforderungen noch kein derartiges Früherkennungsprogramm.

„Beim Lungenkrebs entscheidet der Zeitpunkt der Diagnose maßgeblich über die Prognose“, wurde Tim Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie der Helios-Kliniken in Wiesbaden jetzt in einer Aussendung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zitiert.

Starke (Ex-)Raucher als Zielgruppe

Die deutsche Gesundheitspolitik hat deshalb einen entscheidenden Schritt gesetzt. Ab dem 1. April haben Menschen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht haben (weiterhin rauchen oder in den vorangegangenen zehn Jahren aufgehört haben), Anrecht auf jährlich eine Niedrigdosis-Computertomografie zur Entdeckung verdächtiger Veränderungen in der Lunge. Die „Rauchbelastung“ muss 15 Pack-Years (15 Jahre täglich eine Packung Zigaretten oder Vergleichbares) betragen. Wenn ein Arzt dieses Rauchverhalten feststellt, erhält der gesetzlich Krankenversicherte eine Überweisung zur Lungenkrebs-Früherkennung.

In Deutschland dürften drei bis fünf Millionen Menschen in die Personengruppe für die Lungenkrebs-Früherkennung fallen. Jährlich erkranken dort rund 58.000 Menschen an einem Lungenkarzinom. Die Zahl der jährlichen Todesopfer durch die tödlichste Krebserkrankung beträgt rund 45.000. Die Niedrigdosis-Computertomografie kommt mit geringer Strahlenbelastung und ohne Kontrastmittel aus. Eine Untersuchung dauert wenige Minuten.

Die Situation bezüglich der Erkrankung ist in Österreich nicht anders. „Wir haben 5.000 Lungenkrebs-Neuerkrankungen pro Jahr. Lungenkarzinome sind die zweithäufigste Krebserkrankung bei den Frauen nach Brustkrebs und die zweithäufigste Krebserkrankung bei den Männern nach Prostatakrebs. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nur 20 Prozent“, sagte vergangenen Sommer die Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Judith Löffler-Ragg, bei einer Veranstaltung der Praevenire-Gesundheitsinitiative. Nur 20 Prozent der Lungenkarzinome würden in Österreich im heilbaren Frühstadium erkannt. „Lungenkrebs ist der Killer Nr. 1 bei den Krebserkrankungen“ und fordere auch in Österreich mehr Todesopfer als Brust- und Prostatakrebs zusammen.

Laut dem deutschen Experten Tim Hirche ist das nunmehr in Deutschland startende Lungenkarzinom-Screening aus medizinischer und gesundheitspolitischer Sicht ein wichtiger Schritt: „Es eröffnet die realistische Chance, die Chancen bei einer der tödlichsten Krebserkrankungen durch systematische Früherkennung substanziell zu verbessern – und langfristig auch Kosten zu vermeiden, die durch späte Krankheitsstadien entstehen.“ Gleichzeitig bleibe natürlich der Rauchverzicht die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme.

Langjährige Forderung in Österreich

In Österreich wird ein solches Früherkennungsprogramm seit Jahren gefordert. Man geht von einer Zielgruppe von maximal rund 600.000 Menschen aus. Bisher gibt es aber keine Schritte für eine Umsetzung in nächster Zukunft. Das steht – so Experten – klar im Widerspruch zur wissenschaftlichen Datenlage über den Nutzen. „Mittlerweile konnte mit solchen Programmen bei den Betroffenen die Gesamtmortalität (Sterblichkeit aus allen Ursachen; Anm.) bereits um 48 Prozent und die Lungenkrebs-Sterblichkeit um 45 Prozent gesenkt werden“, sagte zu dem Thema der Wiener Pneumologe Arschang Valipour (Klinik Floridsdorf). Die wissenschaftliche Evidenz sei vorhanden, man müsse nur einfach ins Handeln kommen. In der EU haben bereits mehr als 20 der Mitgliedsländer Lungenkrebs-Früherkennungsprogramme.

Die Diagnose Lungenkrebs erfolgt in Österreich derzeit in 75 Prozent der Fälle im nicht mehr heilbaren Stadium III oder IV. Das Ziel von Niedrigdosis-CT-Screeningprogrammen besteht hingegen darin, 70 Prozent der Erkrankungen in den Frühstadien I und II zu erkennen. In einem Programm in Großbritannien gelang das in 80 Prozent der Fälle. Im Stadium I beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Lungenkrebs rund 80 Prozent. Bisher existiert in Österreich seit 2014 ein nationales Mammakarzinom-Früherkennungsprogramm. Ein Projekt für Dickdarmkrebs-Vorsorge ist im Ausrollen begriffen.

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