Szene vor der von einer Explosion verwüsteten Bar

Dutzende Tote bei Inferno in Bar in Crans-Montana

Donnerstag, 01. Januar 2026 | 15:09 Uhr

Von: APA/AFP/dpa/sda/Reuters

Eine Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana ist in einer Feuertragödie mit Dutzenden Toten geendet. Das Unglück löste bei Anrainern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. “Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum”, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Bei dem Brand in der Bar “Le Constellation” sind nach Polizeiangaben zudem rund 100 Menschen größtenteils schwer verletzt worden.

Im Kanton selbst waren die Krankenhäuser nach dem Inferno überlastet. Die Notaufnahme im wichtigsten Krankenhaus in Wallis war voll, Verletzte wurden am Donnerstag in verschiedene Spitäler der Schweiz gebracht. Mehr als ein Dutzend Opfer kamen in die auf Brandverletzungen spezialisierte Zürcher Uni-Klinik. Die Uni-Klinik Lausanne, ebenfalls auf Brandopfer spezialisiert, nahm demnach 22 Verletzte auf. Andere Verletzte wurden auch nach Genf gebracht.

Flashover löste Explosionen aus

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz sagte. Die Explosionen, von denen Anrainer berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das gegen 1.30 Uhr ausgebrochene Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

Walliser Behörden sprachen von einem so genannten Flashover, dem schlagartigen Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand. Dieses sich plötzlich ausbreitende Feuer habe eine oder mehrere Explosionen ausgelöst. Dabei ist ein Überleben kaum noch möglich. Die Situation sei auch für ausgerüstete Feuerwehrleute lebensgefährlich, hieß es.

Zwei Augenzeuginnen sagten dem französischen Sender BFMTV, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Der italienische Botschafter in der Schweiz spekulierte über einen Feuerwerkskörper. Nach Angaben der Behörden ist aber bisher unklar, wie es zu der Katastrophe gekommen ist. Es werde Zeit brauchen, den genauen Ablauf zu rekonstruieren.

Opfer auch aus dem Ausland

Den Behörden zufolge stammen einige Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Ausland. Weitere Angaben machten sie mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und aus Rücksicht auf die betroffenen Familien zunächst nicht. Österreicherinnen oder Österreicher waren nach derzeitigem Stand nicht unter den Opfern, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium in Wien.

Anlaufstellen für Angehörige werden eingerichtet, so der Kommandant. Auch psychologische Betreuungsangebote werden geschaffen, um Familien zu unterstützen und Informationen bereitzustellen.

Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) setzte nach dem Brandalarm zehn Helikopter, 40 Ambulanzen und mehr 150 medizinischen Rettungskräfte ein, um die Verletzten zu versorgen und in die verschiedenen Spitäler zu transportieren. Hilfe kam auch aus Italien.

Unglück in mondänem Ferienort

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Jänner finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland.

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