Verpasste Chance – ein Kommentar

Erbärmliche Heckenschützen

Donnerstag, 30. Juli 2020 | 09:30 Uhr

Meran – Seit Mittwochabend haben wir es schwarz auf weiß. Die Passerstadt will lieber, dass eine Straße nach einem unfähigen und schonungslosen General – Luigi Cadorna –, der nicht gezögert hat, in nutzlosen Angriffen unzählige junge Männer zu opfern, benannt ist, als nach einem kleinen Mädchen – Elena Stern De Salvo –, das aufgrund ihrer jüdischen Abstammung Opfer des Holocaust geworden ist.

Die Umbenennung hätte ein Zeichen sein können, dass auch Meran imstande ist, mit seiner unguten Vergangenheit zu brechen, und sie wäre eine Chance gewesen, mit einer einem Opfer gewidmeten Straße endlich der Schoah zu gedenken, die in Südtirol nirgends so sehr gewütet hat, wie in der Passerstadt.

apa

Aber nein. Einige Meraner Gemeinderäte scheinen nichts aus der Geschichte gelernt zu haben und haben die geheime Abstimmung dazu missbraucht, kleine, schäbige politische Spielchen zu betreiben oder alte Rechnungen zu begleichen. Während von bestimmten Gruppierungen eh nie erwartet worden ist, dass sie Merans dunkle Vergangenheit entrümpeln, schießen nun die Spekulationen ins Kraut, wer denn nun die Heckenschützen gewesen sind.

Aber das ist nach dem angerichteten Schaden eigentlich einerlei. Es bleibt die Hoffnung, dass sie im Herbst vom Wähler aus der Gemeindestube gejagt werden. Meran verdient Räte, die die Vergangenheit aufarbeiten und dabei auch den Mumm besitzen, dahinter mit ihrem Gesicht zu stehen, denn die Passerstadt ist viel weiter, als uns einige anonyme Heckenschützen glauben lassen wollen.

Nach den Wahlen gilt es, die verpasste Chance auszuwetzen und einen neuerlichen Anlauf zu nehmen. Niemand hat sich in Meran mehr eine nach ihr benannte Straße verdient als Elena Stern De Salvo. Das kleine Mädchen, das perfekt deutsch und italienisch gesprochen hat, ist bereits damals für ein anderes, besseres Südtirol gestanden.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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10 Kommentare auf "Erbärmliche Heckenschützen"


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Savonarola
11 Tage 11 h

die Empörung in Meran und im Lande hält sich in Grenzen. Jegliche kolonialistische Aktion Italiens in Südtirol den Südtirolern gegenüber ist und bleibt heilig. Den Südtirolern ists mittlerweile wurscht, die italienischen Linksparteien sind italiani wenns drauf ankommt, und die Grünen schweigen des ethnischen Friedens willen. Wenn es sich um einen Deutschen oder um eine Person mit irgendeiner deutschen militärischen Vergangenheit gehandelt hätte, dann hätten sie hingegen alle verrückt gespielt. Warum dieses zweierlei Maß?

Pacha
Pacha
Superredner
10 Tage 19 h

Den Italienern ist der Sieg heilig und wie er zu stande gekommen ist, ist ihnen föllig egal. Die ital. Soldaten, die von Cadorna in den Tod getrieben wurden, haben längst schon mit ihm abgerechnet. Nicht umsonst sagten sie: “il nemico no é l’Austria, il vero nemico é Cadorna”.

Neumi
Neumi
Kinig
10 Tage 16 h

@ Pacha schön gesagt.

Man erinnere sich an den Gedenkstein in Bozen, der an das Blut erinnert, das die Italienier zwischen 1943 und 1945 im Kampf gegen Nazideutschland vergossen haben …

Laempel
Laempel
Tratscher
11 Tage 10 h
Auch wenn es hunderttausend gewichtige und allgemein nachvollziehbare Gründe gibt gewisse unzeitgemäße Straßennamen schnellstens umzubenennen, sollte man doch lieber die Finger davon lassen. Straßenumbenennungen bedeuten nämlich für die davon betroffenen Bürger von oben aufgezwungene zusätzliche Spesen, Ärger und Zeitaufwand bei den dann nötigen bürokratischen Spießrutenläufen, um ihre Anschrift in amtlichen Dokumenten zu aktualisieren. Bürgerfreundlicher wäre es unliebsame Straßennamen nur dann umzubenennen, wenn die übergroße Mehrheit der betroffenen Anwohner das auch fordert. Nach Elena Stern De Salvo kann man ja eine neu zu errichtende Straße bereits in der Planungsphase benennen, damit auch sie endlich zum Zug kommt aber der dann dort… Weiterlesen »
Alter Hase
Alter Hase
Grünschnabel
10 Tage 19 h

Ich vertrete die Meinung, dass es an der Zeit wäre, in Südtirol Straßen nach den Symbolen der Autonomie zu benennen. Magnago, Gruber, Degasperi, Friedl Volgger, u.a.m. – alles ehrenhafte Leute, die nach Option und Krieg das Land aufgebaut haben. Sonstige “Helden” (Risorgimento, 1. Weltkrieg usw), die nationalistische Gefühle hervorrufen, brauchen wir wirklich nicht. Schauen wir in die Zukunft!

ahiga
ahiga
Superredner
10 Tage 18 h

der meinung bin ich auch…sogar einige aus der wirtschaft könnte man nehmen, die haben das land aufgebaut..
ein “penna biancha” ist heute gleich unnütz wie vor zig jahren..
hat damals nix geleistet und leistet heute auch nix..aber kosten an haufen geld..!!

falschauer
9 Tage 18 h

👍bin ganz deiner meinung

a sou
a sou
Superredner
10 Tage 10 h

Steuergeld verprasst, wegen eines Straßennamens.. es geht um eine Strasse!! 99 von 100 imteressiert dieser Cadorna einen Dreck, es isr mur eine Strasse, nicht mehr.

MayerSepp
MayerSepp
Tratscher
10 Tage 5 h

Wer Mussolini Reliefs in Bozen stehen lässt, der schafft eben auch diesen faschistischen Kram nicht ab. Wer regiert nochmal seit 70 Jahren?

traktor
traktor
Universalgelehrter
10 Tage 6 h

die strasse könnte man einfach eppaner strasse nennen, ohne irgendwelche hintergedanken.
das wäre wohl zu einfach, denn dann gäbe es keine schreier …

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