Vorverhandlungsrichterin will sie vor Entscheidung anhören

Fall Adan: Hauptverfahren für zwei Ärztinnen beantragt

Mittwoch, 17. März 2021 | 09:01 Uhr

Bozen – Im Fall des Todes des 13-jährigen Adan Hussein im Oktober 2017 hat die Staatsanwaltschaft nun für zwei Ärztinnen die Einleitung des Hauptverfahrens wegen fahrlässiger Tötung beantragt. Wie die Tageszeitung Alto Adige berichtet, will Vorverhandlungsrichterin Carla Scheidle die beiden Ärztinnen persönlich anhören, bevor sie eine Entscheidung trifft. Kommt es am Ende tatsächlich zum Prozess, wollen sich die Eltern des toten Jungen als Nebenkläger einlassen.

Der Fall hatte vor 3,5 Jahren für großes Aufsehen gesorgt. Die kurdische Flüchtlingsfamilie ist am 1. Oktober 2017 in Bozen eingetroffen und lebte dort für einige Tage im Freien. Am 6. Oktober nahm das Drama dann seinen Lauf: Bekanntlich litt der Flüchtlingsbub an einer Muskeldystrophie des sehr seltenen Typs Duchenne. Bei einem Sturz aus dem Rollstuhl hatte er sich die Oberschenkel gebrochen. Adan wurde ins Bozner Spital gebracht, wo er bereits vorher aufgrund von Atemproblemen behandelt worden war.

Am 7. Oktober starb Adan – laut Autopsie – infolge einer massiven Fettembolie. Fettgewebe war nach dem Knochenbruch freigesetzt worden und bis zur Lunge gelangt.

Laut medizinischem Gutachten, das im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens erstellt worden war, dürften bei der Diagnose von Adans Krankheitsbild Fehler unterlaufen sein. Laut Anklagesatz hätte eine schnellere Diagnose eine effizientere Behandlung garantieren können. Daher fordert die Staatsanwaltschaft für die beiden Ärztinnen den Prozess. Die Verteidigung hat hingegen beantragt, das Verfahren einzustellen, da sich die Ärztinnen keinerlei Nachlässigkeit zu Schulden hätten kommen lassen.

Zunächst waren zehn Ärzte ins Ermittlungsregister eingetragen. Für acht von ihnen wurde das Verfahren eingestellt. Bei den beiden Ärztinnen glauben die Ermittler jedoch, dass es womöglich eine Mitverantwortung an Adan Husseins Tod geben könnte.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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8 Kommentare auf "Fall Adan: Hauptverfahren für zwei Ärztinnen beantragt"


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Mezcalito
Mezcalito
Superredner
26 Tage 36 Min

Der Tod des schwerkranken Jungen wurde durch den Sturz verursacht. Weshalb interessiert sich die Staatsanwaltschaft nicht dafür?

mithirnundherz1
mithirnundherz1
Grünschnabel
26 Tage 15 Sek

ja sie hätten ihn aber nicht nach den ersten komplikarionen weg schicken sollen wer macht sowas ein sokrankes kind auf die stasse schicken 🤦🏼‍♀️

Fritzfratz
Fritzfratz
Tratscher
25 Tage 19 h

@mithirnundherz würde es sich um das Kind einer deutschsprachigen südtiroler Familie handeln, hättest du sicher nicht so viele Daumen runter auf dein Kommentar bekommen.

Faktenchecker
25 Tage 17 h

Man stirbt nicht durch einen gebrochenen Oberschenkel.

DontbealooserbeaSchmuser
25 Tage 16 h

@Faktenchecker dann scheinst du auch von Medizin keine Ahnung zu haben, ein Oberschenkelbruch zählt zu den lebensbedrohlichsten Knochenbrüchen.

Auch ohne offenen Bruch kann man bei einer Gefäßverletzung im Bein durch das große Volumen des Knochens verbluten.

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
25 Tage 14 h

@Fritzfratz das stimmt nicht, lese die Kommentare bei dem Post der jungen schwangeren Mutter die mit 28 Jahren gestorben ist ihr noch nicht geborenes Kind auch! Sie hinterlässt drei kleine Kinder!

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
25 Tage 16 h
Hallo nach Südtirol, die Vorgeschichte: Die kurdische Familie war aus Schweden! nach Südtirol “geflohen” weil dort der Asylantrag abgelehnt wurde. Es wird seit Jahren von interessierten Kreisen versucht Südtirol und seinen “herzlosen” Menschen diese Tragödie ans Zeug zu flicken. Zu den “herzlosen” Südtirolern: Da 10 Ärzte im Ermittlungsregister standen kann man nun gewiss nicht behaupten der Bub wurde zum Sterben auf der Strasse zurückgelassen, es haben sich mindestens 10 Ärzte gekümmert. Der Bub ist (in elterlicher Obhut) gestürzt, hat sich den Oberschenkel gebrochen und aufgrund einer ellenlangen Liste an Vorerkrankungen hat es einen tragischen Verlauf genommen. Denkt bitte mal jemand… Weiterlesen »
quilombo
quilombo
Tratscher
25 Tage 12 h
da kommt auch diese unsägliche Asylregelung ans Licht, die zum Tod des Buben beigetragen hat. Es sollte jedem Menschen freigestellt sein, in welchem Land er leben möchte, und in welchem er einen Asylantrag vorlegen will. Aber nein, die Anträge dürfen nur in dem europäischem Staat vorgelegt werden, wo die Person zuerst angekommen ist. Somit gibt es unzählige unmenschliche Situationen, wo Leute die schon längst Fuß in einem Land gefaßt hatten, in ein anderes müssen, um dort Asyl zu beantragen. Dort bleiben sie dann hängen, ohne Arbeit und Unterkunft. Ich kannte einen afghanischen Spengler. In Deutschland hatte er durch ein Hilfsprogramm… Weiterlesen »
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