Von: APA/AFP/Reuters/dpa
Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist am Sonntag in Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden wenige Stunden nach der Einfahrt der “Hondius” in den Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschließend in Bussen zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa-Süd gefahren und ausgeflogen.
Zunächst wurden die 14 spanischen Staatsbürger an Bord ausgeschifft, darunter 13 Passagiere und ein Crewmitglied. Sie trugen Schutzkleidung und Masken und wurden mit zwei Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME zum Flughafen gebracht. Von dort startete ihre Maschine nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt sollen sie in einem Militärkrankenhaus gemeinsam mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO unter Quarantäne gestellt werden.
Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Die gute Nachricht des Tages: Alle verbliebenen Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen mit. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Laut dem Außenministerium in Wien waren keine österreichischen Staatsbürger betroffen.
Evakuierung soll bis Montag dauern
Die Evakuierung soll nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums bis Montagnachmittag dauern. Das Kreuzfahrtschiff “MV Hondius” war Sonntagfrüh vor der Küste der spanischen Kanaren-Insel in der Nähe des Hafens von Granadilla eingetroffen. Während der Reise durch den Südatlantik waren an Bord Infektionen mit dem Hantavirus ausgebrochen.
Acht Menschen erkrankten, sechs davon nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nachweislich an dem Hantavirus, drei davon starben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
WHO: Risiko für Allgemeinheit gering
Die europäische Gesundheitsbehörde stufte am späten Samstagabend vorsorglich alle Passagiere als Hochrisikokontakte ein. Für die Allgemeinheit schätzt die WHO das Risiko als gering ein, für die Menschen an Bord jedoch als moderat. Zur Koordinierung des Einsatzes ist auch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Teneriffa gereist.
Die “MV Hondius” hatte am Mittwoch die Küste der Kapverden in Richtung Teneriffa verlassen. Zuvor hatten die WHO und die Europäische Union Spanien gebeten, die Evakuierung zu übernehmen. Auf dem Kreuzfahrtschiff sind Reisegäste und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern.
Hantavirus-Einsatz auch im Südatlantik
Wegen eines Hantavirus-Verdachtsfalls hat die britische Regierung indes Helfer, die per Fallschirm von einem Flugzeug absprangen, auf eine Insel im Südatlantik gebracht. Zudem wurde medizinisches Material abgeworfen. Die Insel Tristan da Cunha ist das entlegenste britische Überseegebiet und kann gewöhnlich nur per Schiff erreicht werden. Sie hat nur 221 Einwohner.
Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA hatte zuvor einen Verdachtsfall auf Tristan da Cunha gemeldet. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um einen Passagier der “Hondius”, der auf der Insel lebt und dort von Bord gegangen sein soll. Die Einsatzgruppe bestehe aus sechs Fallschirmjägern und zwei Militärmedizinern, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Beinahe zeitgleich sei medizinisches Material abgeworfen worden. Es handle sich um den ersten Einsatz dieser Art, so die Mitteilung.
Das eingesetzte Transportflugzeug vom Typ A400 habe dafür zunächst 6.788 Kilometer vom Militärflughafen RAF Brize Norton nahe Oxford bis zur Insel Ascension zurückgelegt, die mitten im Atlantik liegt und gemeinsam mit Tristan da Cunha und St. Helena ein britisches Überseegebiet bildet. Danach sei es mehr als 3.000 Kilometer weitergegangen nach Tristan da Cunha, das noch weiter südlich liegt. Ein Flugzeug vom Typ Voyager habe die Maschine für einen Tankvorgang in der Luft begleitet.




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