Von: apa
Der zur Sicherheit des 70. Eurovision Song Contest (ESC) in der Wiener Landespolizeidirektion (LPD) gebildete Einsatzstab “Delta” hat aktuell “keine konkreten Hinweise auf drohende Gewaltakte”. Die von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) vorgenommene Gefährdungseinschätzung werde aber “laufend evaluiert und angepasst”, sagte DSN-Direktorin Sylvia Mayer Montagmittag bei einem Medientermin in der LPD. Das “Gesamtrisiko” für den ESC 2026 sei “generell hoch”.
“Aktivisten und Extremisten haben ein Auge drauf”, warnte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Die Sicherheitsbehörden und die Polizei seien aber “gut vorbereitet”, um allfällige Störversuche zu unterbinden und diesen Gruppierungen keine Bühne zu bieten. Zusätzliche “Polizeikräfte aus fast ganz Österreich” wurden für die ESC-Woche nach Wien beordert, darüber hinaus verstärken Spezialkräfte aus Bayern das Einsatzkommando (EKO) Cobra, berichtete Karner.
Die DSN befindet sich im engen Austausch mit internationalen Behörden und Partnerdiensten, teilte Jörg Leichtfried, Staatssekretär im Innenministerium und für den Staatsschutz zuständig, mit: “Der Austausch funktioniert gut.” Wie DSN-Direktorin Mayer präzisierte, wird seit Monaten die islamistische und extremistische Szene intensiv beobachtet, wobei auch vom Linksextremismus eine Bedrohung ausgeht, der sich zuletzt mit einem immer stärker werdenden Antisemitismus gepaart hat. Auch gegen allfällige Cyber-Angriffe sei man gewappnet, meinte Mayer.
Protestveranstaltungen und Aktionismus
Kopfzerbrechen bereiten dem Einsatzstab “Delta” die Protestveranstaltungen und der Aktionismus gegen den ESC und die Teilnahme Israels im Speziellen. Derzeit sind Gegenveranstaltungen im einstelligen Bereich offiziell angemeldet, mit größeren Versammlungen an den Halbfinaltagen und am kommenden Wochenende wird gerechnet. Von sich aufschaukelnden “Polarisierungsfaktoren” unter den ESC-Gegnern berichtete die DSN-Chefin. Es gebe zwar derzeit keine Anzeichen in Richtung möglicher Gewalthandlungen, aber “Zusammenstöße” unterschiedlicher Gruppierungen seien nicht auszuschließen. Es seien jedoch “alle Schutzmaßnahmen gewährleistet”, stellte Mayer fest: “Wir setzen alles dran, dass die Veranstaltung in Sicherheit stattfinden kann.”
Das bekräftigte der Wiener Polizeivizepräsident Dieter Csefan. Zwölf verschiedene Einheiten umfasst der Einsatzstab “Delta”, der an den ESC-Halbfinaltagen und am Finaltag mit einer Fachgruppe verstärkt wird, der die Blaulichtorganisationen, das Bundesheer und die Stadt Wien angehören. Die Auftaktveranstaltung am Sonntag am Rathausplatz sei “friedlich und ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen”, bilanzierte Csefan. 6.500 Personen hätten ab 17.00 Uhr das Eurovision Village frequentiert.
Private Drohne in Flugverbotszone abgefangen
Wie Cobra-Chef Bernhard Treibenreif darlegte, verstärken die Spezialkräfte aus Bayern die Observationsteams. Zur Sicherung der ESC-Veranstaltungsorte werden auch Hubschrauber, Drohnen und Drohnen-Abwehrgeräte eingesetzt. Drei Flugverbotszonen wurden im Vorfeld des ESC eingerichtet, um die Sicherheit der Locations – speziell in der Wiener Stadthalle und im Eurovision Village – zu gewährleisten. Wie Treibenreif berichtete, wurde am Wochenende eine private Drohne “abgefangen und zu Boden gebracht”. Gefahr sei von ihr zwar keine ausgegangen, “aber der Pilot wird zur Anzeige gebracht”, sagte der Cobra-Chef.
“Ich bin überzeugt, dass wir eine wunderbare Woche der Musik haben werden”, bemerkte Innenminister Karner abschließend. Man werde “alles Menschenmögliche tun”, um die Sicherheit aller Teilnehmenden, der Zuschauer und der Wiener Bevölkerung gewährleisten zu können. Was das Abschneiden des österreichischen Teilnehmers am ESC anlangt, hofft Karner, das es für Cosmo für einen Platz unter den Top Ten reicht. Optimistischer zeigte sich Staatssekretär Leichtfried: “Ich hoffe, dass wir das vielleicht noch ein Mal gewinnen.”




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