Vorschlag des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit

Pflegende Angehörige regulär anstellen – Burgenländer Modell nach Südtirol holen

Montag, 07. November 2022 | 09:06 Uhr

Bozen – Im österreichischen Burgenland können sich Angehörige für die Pflege in der Familie regulär anstellen lassen. Sie erhalten dafür einen Lohn und sind sozialversichert. Damit reagiert das Burgenland auf steigende Kosten und Personalmangel im Pflegebereich. Ein nachahmenswertes Modell, findet Dachverband-Präsident Wolfgang Obwexer und schlägt vor das Burgenländer Pflege-Modell auch in Südtirol auszuprobieren.

Immer weniger Menschen entscheiden sich für einen Pflegeberuf. Gleichzeitig wird die Bevölkerung stetig älter, der Pflegebedarf steigt somit. Wer soll also in Zukunft die vielen pflegebedürftigen Menschen betreuen? Der Dachverband für Soziales und Gesundheit beschäftigt sich schon länger intensiv mit dieser herausfordernden Frage und hat sich jetzt einen möglichen Lösungsansatz aus dem österreichischen Burgenland angesehen. Dort können sich Angehörige für die Pflegetätigkeit in der Familie regulär anstellen lassen. Damit reagiert das Burgenland auf die steigenden Kosten in der Pflege und auf den zunehmenden Personalmangel in diesem Bereich.

Ein nachahmenswertes Modell findet Dachverband-Präsident Wolfgang Obwexer: „Bereits heute kümmern sich viele Südtiroler Familien selbst zu Hause um ihre pflegebedürftigen Angehörigen. Würden sich jedoch Pflege und Job besser vereinbaren lassen, wären wohl noch viel mehr Personen dazu bereit“, ist Obwexer überzeugt.

„Meistens lassen sich Pflege und Beruf leider nicht miteinander vereinbaren. Gerade Frauen sind von dieser Mehrbelastung stark betroffen. Übernehmen sie die Pflege eines Angehörigen, können sie dann allerdings nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr beruflich tätig sein. Hier setzt das Burgenländer Modell an, indem es Personen die Möglichkeit bietet, sich für die Pflege von Angehörigen regulär anstellen zu lassen“, erklärt Obwexer. Sie erhalten dafür einen Lohn auf Basis einer Vollzeitbeschäftigung und sie sind zudem sozialversicherungsrechtlich abgesichert. Um pflegenden Angehörigen auch notwendige ‚Auszeiten wie Urlaub, Krankheit usw. zu gewähren, wurden im Burgenland eigene Kurzzeitpflegeplätze, Seniorentageszentren, sowie mehrere Angebote zur Mehrstundenbetreuung geschaffen. Zudem wird den pflegenden Angehörigen neben einer Grundausbildung im Bereich der Betreuung und Pflege auch die Möglichkeit einer qualifizierten Ausbildung zur Heimhelferin angeboten, damit sie nach ihrer Pflegetätigkeit in der Familie jederzeit in einen Pflegeberuf einsteigen können. Der Lohn besteht aus drei Teilen: dem Pflegegeld, der Pension der pflegebedürftigen Person und einem Landesbeitrag.

„In Südtirol wird derzeit an der Neuausrichtung der Pflegesicherung gearbeitet. Dabei wird auch über eine Stärkung der familiären Pflege diskutiert. Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden. Wir sollten uns vom Burgenländer Modell inspirieren lassen, denn die Betreuung daheim, in der gewohnten Umgebung ist etwas, das sich die meisten Pflegebedürftigen wünschen, egal ob es sich um Senioren, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, Opfer von Unfällen handelt“, sagt Wolfgang Obwexer. Vorsichtige Bedenken habe man nur bei pflegebedürftigen minderjährigen Kindern mit Behinderung. „Dort macht das Modell nur Sinn, wenn flankierend ab dem Jugendalter der Weg in die Selbständigkeit unterstützt wird und die jungen Menschen mit Behinderung somit den eigenen Lebensweg gestalten können, zu dem auch die Ablösung vom Elternhaus dazugehört“, betont Obwexer: „Wir sollten aber nicht länger zuwarten. Dieses Modell geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Deshalb sollten wir auch in Südtirol ein Pilotprojekt in diese Richtung starten. Damit könnten wir unser bestehendes Pflegesystem verbessern und auch die Finanzierung für die Zukunft sichern.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Pflegende Angehörige regulär anstellen – Burgenländer Modell nach Südtirol holen"


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Wunder
Wunder
Tratscher
27 Tage 6 h

Angehörige, die ihre Eltern pflegen, sparen der Öffentlichkeit viel Geld!
Es wäre an der Zeit, das zu honorieren!
Wer es nicht selbst mitgemacht hat, kann sich die Belastung nicht vorstellen!!!
Würdevolles Altern wäre ein zu diskutierendes Muss.

marher
marher
Universalgelehrter
27 Tage 11 h

Es gibt Vorteile aber auch sehr viele Nachteile. Wenn Kinder ihre Entern intensiv betreuen müssen könnte es sein dass ihre eigene Fam. am meisten zurückstecken muss und darunter leidet. 24 Std. Dauerstress und für alles andere kaum mehr motiviert. Vielleicht ist dies ein paar Monate auszuhalten aber sicher nicht Jahre. Ja und ich weiss vo wad ich spreche.

thomas
thomas
Kinig
27 Tage 13 h

das gibt es doch längst, dass Angehörige sich als Badanti anstellen lassen…..

Danny87
Danny87
Grünschnabel
27 Tage 12 h

Soweit i wuas a, dass a bestimmto tual für di Rente ingezohlt weart sogor… man konn a olles komplizierter und no teurer mochn….

Bauchnoblwollwuzl
26 Tage 15 h

@thomas
Sie haben das angedachte System nicht ganz verstanden.
Wenn sich Angehörige als Badanti anstellen lassen, sind sie zwar versichert, werden aber vom Pflegebedürftigen selbst bezahlt (also von Vater oder Mutter). Im Artikel ist aber davon die Rede, dass die Öffentliche Hand (Sanität, Staat, Gemeinde) den pflegenden Angehörigen anstellt und bezahlt.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
26 Tage 6 h

@Bauchnoblwollwuzl l, nur zum Teil wird der Angehörige durch die öffentliche Hand bezahlt. Der Größte Teil muss vom zu Pflegenden durch Pflegegeld und Rente bezahlt werden (wie also schon bisher).

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
27 Tage 5 h

Keine Sorge,wenn etwas großartig funktioniert,dann wird es die SVP niemals zulassen.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
27 Tage 4 h

Ein guter Ansatz in dieser Zeit, in der immer klarer wird, dass die Pflege der älteren Bevölkerung mit den derzeitigen Personalressourcen nicht mehr stemmbar sein wird. Es braucht neue Modelle und Konzepte und auch eine interdisziplinäre medizinische/ethische Diskussion, welche sich den Fragen eines würdevollen und v.a. nach den Wünschen des Menschen ausgerichteten Alterns stellt.

Boxer the workhorse
Boxer the workhorse
Grünschnabel
27 Tage 2 h

Und jetzt noch das gleiche Prinzip bei den Mamis anwenden, dann haben wir viele Probleme gelöst und es kostet nicht mal mehr, sondern weniger als alle die KITAAAS und KRIPPEN usw.

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