Von: mk
Schlanders – Zu Beginn waren es die vermeintlich harmlosen Joints. Dann rutscht ein 16-jähriger Vinschger Oberschüler immer tiefer in die Szene, bricht sogar die Schule ab und alles läuft aus dem Ruder. Die Erfahrung mit der anfangs unterschätzten Abhängigkeit ihres Sohns bringt eine Vinschger Mutter nun dazu, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Denn Sucht ist stets auch für die Angehörigen von Betroffenen belastend und eine Herausforderung.
„Mein Sohn war 16 und in der Oberschule als er angefangen hat Cannabis zu konsumieren. Anfangs glaubten wir als Eltern, das wäre ein für dieses Alter normales ‚Ausprobieren‘. Im Nachhinein muss ich sagen: Wir haben die Situation völlig verkannt. Wir haben geglaubt, das geht vorbei. Dem war aber nicht so. Vielmehr ist er immer tiefer in die Szene reingerutscht. Es kursieren eine Vielzahl von illegalen Substanzen, Ketamin, Kokain, Amphetamine und vieles andere mehr und es hat sich bei ihm eine große Abhängigkeit entwickelt. Irgendwann lief alles aus dem Ruder“, erzählt Elisabeth (Name geändert).
Im Vinschgau entsteht ein neues Angebot für Menschen, die meist still und allein mit schweren Belastungen leben: Es geht um Angehörige von Personen, die von illegalen Substanzen abhängig sind oder deren Konsum zunehmend problematisch wird. In der Selbsthilfegruppe „Seite an Seite“ können sich die Angehörigen austauschen und beistehen. Es ist die erste Selbsthilfegruppe dieser Art im Vinschgau. Gegründet wird die Gruppe von Elisabeth, einer 49-jährigen Vinschgerin, die anonym bleiben möchte. Ihr Sohn begann mit 16 Jahren Cannabis zu konsumieren und geriet dann immer tiefer in eine Szene, in der zahlreich verschiedenste illegale Substanzen kursieren. Die Familie erlebte eine Zeit großer Unsicherheit, Überforderung und Ohnmacht. Heute, mit 20 Jahren, hat ihr Sohn wieder Fuß gefasst.
Aus dieser Erfahrung heraus weiß Elisabeth, wie dringend Angehörige Unterstützung brauchen: „Als Eltern glaubt man lange, man könne die Situation allein bewältigen. Man versucht zu helfen, zu retten – und merkt irgendwann, dass man an Grenzen stößt. Mir hat es enorm geholfen, mit jemandem zu sprechen, der Ähnliches erlebt hat. Das hat mir Kraft gegeben. Ich bin sicher, dass es im Vinschgau viele Angehörige gibt, die genau diese Unterstützung brauchen!“
Geschützter Raum für Austausch und neue Perspektiven
Die Selbsthilfegruppe „Seite an Seite“ bietet Angehörigen einen geschützten Rahmen, um offen über Belastungen zu sprechen, ihre Erfahrungen zu teilen und Verständnis zu finden. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Eltern und Bezugspersonen von Jugendlichen, die wiederholt zu illegalen Substanzen greifen auch dann, wenn eine Abhängigkeit noch nicht klar erkennbar ist. Viele Betroffene tun sich schwer, die Situation zu benennen oder zu akzeptieren. Die Gruppe setzt genau hier an.
In der Gemeinschaft der Selbsthilfe erfahren betroffene Angehörige Halt, Ermutigung und neue Energie. Die Treffen unterstützen dabei, die eigene Selbstfürsorge wieder in den Blick zu nehmen, sich zu stärken und Wege zu finden, mit den Herausforderungen des übermäßigen oder regelmäßigen Konsums eines nahestehenden Menschen umzugehen. Durch Austausch und Reflexion entsteht ein Raum, in dem man wieder zu sich selbst findet und neue Ressourcen entdeckt. Egal, was kommt – niemand bleibt allein.
Start am 4. August
Die Selbsthilfegruppe „Seite an Seite“ trifft sich erstmals am 4. August in Schlanders und dann jeden ersten Mittwoch im Monat, abends von 19.00 bis 20.30 Uhr. Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich unverbindlich melden und erhalten vertrauliche Informationen zum Ablauf und zu den ersten Treffen unter Tel. 371 7318436 oder E-Mail an seiteanseite10@gmail.com. Diskretion wird selbstverständlich zugesichert.




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