Von: APA/AFP
Die Waldbrände in Südeuropa nehmen immer besorgniserregendere Ausmaße an. Im Südwesten Frankreichs haben sich am Sonntag die Flammen weiter ausgebreitet und den Großraum Bordeaux erreicht. Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch allein im Südwesten Frankreichs mehr als 200.000 Menschen in Sicherheit gebracht. In Spanien mussten wegen der schweren Waldbrände nahe der Hauptstadt Madrid knapp 60.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.
In Frankreich hat der größte Waldbrand im Département Gironde inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört und rückt weiter an Bordeaux heran. In der Nacht auf Sonntag ordnete die Präfektur die vorsorgliche Evakuierung von 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Feuerwehr entwickelte der Brand zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus – eine gewaltige Rauchwolke, die ihre eigenen Winde erzeugen kann und Feuer besonders unberechenbar macht. Rund 140 Wohnhäuser wurden bereits zerstört.
Evakuierung der Millionenmetropole Bordeaux nicht geplant
Eine Evakuierung der Millionenmetropole Bordeaux steht nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit nicht bevor. Bürgermeister Thomas Cazenave sagte nach Angaben der Regionalzeitung “L’Indépendant”, die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux bereiteten sich nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez warnte unterdessen vor einem langwierigen Einsatz. “Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein”, sagte er in einem Interview mit “La Tribune Dimanche”.
Auch im südlich angrenzenden Département Landes kämpfen Einsatzkräfte gegen einen weiteren Großbrand. Dort hat das Feuer rund 3.600 Hektar erfasst. Nach Angaben der Präfektur ist der Brand zwar besser unter Kontrolle, aber bisher nicht gelöscht.
“Notstand von nationaler Tragweite” in Spanien
In Spanien hat die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez am Wochenende im Großraum Madrid und in Ávila einen “Notstand von nationaler Tragweite” ausgerufen. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE ist es das erste Mal in Spanien, dass dies wegen Waldbränden geschieht.
Am Sonntagmorgen hieß es aus dem Innenministerium, das Wetter habe sich in der Nacht für die Brandbekämpfung günstig entwickelt. Daher gebe es am Wochenende eine Chance, die Brände zu bekämpfen, sagte Sánchez in einer Ansprache aus der Kommandozentrale der Einsatzkräfte. Die Lage bleibe aber schwierig. Oberste Priorität sei es, Leben zu schützen.
Feuer wüten auch in Süditalien
Auch in Süditalien halten mehrere Waldbrände die Einsatzkräfte in Atem. Auf Sardinien musste wegen eines sich rasch ausbreitenden Feuers ein Seniorenheim evakuiert werden. Ein weiterer Waldbrand bedroht die Umgebung der Gemeinde Portoscuso im Südwesten Sardiniens. Die Flammen breiteten sich in Richtung eines Pinienwaldes und des Industriegebiets von Portovesme aus.
Im Pollino-Nationalpark in Kalabrien wütet seit mehr als zwei Tagen ein Großbrand, wie die Feuerwehr berichtete. Das Feuer hat schwer zugängliches Berggelände mit dichter Vegetation und hohem Baumbestand erfasst. Nach Angaben von Anwohnern kommt es in der gesamten Bergregion bis in die benachbarte Basilikata bereits seit rund fünf Tagen immer wieder zu Bränden.




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