Medizinisches Personal kämpft gegen weitere Ausbreitung

WHO: 750 Ebola-Verdachtsfälle und 177 Tote im Kongo

Freitag, 22. Mai 2026 | 14:31 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigen die Fallzahlen weiter an. Mittlerweile gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle in dem zentralafrikanischen Land. Es gebe zwar Fortschritte bei Überwachungsmaßnahmen und Labortests, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. Doch Gewalt und Unsicherheit behinderten die Bekämpfung der Epidemie.

82 Infektionen und sieben Todesfälle wurden laut Tedros erneut im Labor bestätigt. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle registriert und gemeldet werden. Im Nachbarland Uganda seien bis auf zwei bekannte Infektionen bisher keine weiteren neuen Fälle gemeldet worden, hieß es weiter.

Kongo hat Ebola-Erfahrung

Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.

Experten, Gesundheitspersonal und Helfer befinden sich im Kongo derzeit im Wettlauf gegen die Zeit. “Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten”, sagte Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner Charité und bei Ärzte ohne Grenzen (MSF). Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen im zweitgrößten Land Afrikas sei gerade dies sehr kompliziert. “Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen”, so Gertler über das Vorgehen von MSF. Parallel dazu müsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.

Ausschreitungen verschärfen die Situation

Demonstranten haben im Kongo unterdessen Zelte zur Behandlung von Ebola-Patienten in Brand gesetzt. Auslöser war ein Streit um die Leiche eines mutmaßlich an dem Virus gestorbenen lokalen Fußballspielers. Die Polizei feuerte in der Stadt Rwampara in der Provinz Ituri Warnschüsse ab und setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Die Familie des Spielers hatte eine sichere Bestattung abgelehnt und die Herausgabe der Leiche gefordert. Die Mutter sagte, sie glaube, dass ihr Sohn an Typhus und nicht an Ebola gestorben sei. Die Behörden beerdigten den Mann jedoch in der Nacht auf Freitag gegen den Willen der Angehörigen. Leichen von Ebola-Opfern sind hochgradig ansteckend. Unsichere Bestattungen, bei denen Angehörige die Toten ohne Schutzausrüstung berühren, gelten als einer der Haupttreiber für die Ausbreitung des Virus.

Der aktuelle Ausbruch wird durch den Bundibugyo-Stamm verursacht, für den es keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Experten gehen davon aus, dass die Krankheit etwa zwei Monate lang unbemerkt in der kongolesischen Provinz Ituri kursierte. Die Vereinten Nationen stellen nun rund 60 Millionen Dollar aus einem Notfallfonds bereit und entsenden zusätzliches Personal, wie UNO-Nothilfechef Tom Fletcher auf der Plattform X mitteilte.

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