Von: APA/Reuters/dpa
Mit der überraschenden Ankündigung von 5.000 zusätzlichen US-Soldaten hat Präsident Donald Trump beim Treffen der NATO-Außenminister in Schweden für gemischte Reaktionen gesorgt. US-Außenminister Marco Rubio ermahnte die Verbündeten am Freitag in Helsingborg jedoch umgehend und betonte, das Bündnis müsse auch für die USA von Nutzen sein. Trumps Enttäuschung über einige NATO-Partner sei bekannt, sagte Rubio. “Das muss angegangen werden.”
Es war Rubios erstes Treffen mit den NATO-Partnern, seit der Iran-Krieg zu Differenzen geführt hatte. In Polen wurde Trumps Ankündigung mit Erleichterung aufgenommen, da sie offenbar einen zuvor befürchteten Abzug ausgleicht. Außenminister Radosław Sikorski erklärte, die Gesamtzahl der US-Soldaten im Land werde nun auf dem “mehr oder weniger bisherigen Niveau” bleiben. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz präzisierte dies auf rund 10.000 Soldaten. Zuvor hatten Berichte für Unruhe in Warschau gesorgt, wonach das Pentagon Pläne für eine routinemäßige Verlegung von rund 4.000 Soldaten gestrichen habe. Woher die 5.000 neuen Soldaten kommen sollen, blieb zunächst unklar. “Es ist verwirrend”, bemerkte Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard.
Rutte: Selenskyj wird am NATO-Gipfel teilnehmen
NATO-Generalsekretär Mark Rutte gab am Rande des Treffens bekannt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am NATO-Gipfel Anfang Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara teilnehmen werde. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul schlug vor, die Verteidigungszusammenarbeit mit der Ukraine deutlich auszubauen. Die Rüstungsindustrien Europas und der Ukraine sollten enger verzahnt werden, um die Produktion zu beschleunigen. Der künftige Bedarf des Landes solle kontinuierlich durch europäische NATO-Partner und Kanada finanziert werden. Rubio sagte, die Ukraine erhalte mehr Unterstützung als jemals zuvor.
Die europäischen Bündnispartner betonten in Helsingborg erneut ihre Bereitschaft, einen größeren Teil der Lasten zu übernehmen. Rutte äußerte sich zurückhaltend zu möglichen US-Plänen, den Bestand an militärischen Fähigkeiten für den Krisenfall in Europa zu verkleinern. Dies werde diskutiert, da die USA “nicht überall gleichzeitig sein könnten”, sagte er. Details seien aber streng geheim. “Das ist nichts Neues”, fügte er hinzu.
Rutte: Keine Kehrtwende
Er warnte auch davor, Trumps Ankündigung als Trendwende zu interpretieren. “Selbstverständlich begrüße ich die Ankündigung sehr”, sagte Rutte in Helsingborg. Man müsse sich aber im Klaren darüber sein, dass der zuletzt eingeschlagene Kurs fortgesetzt werden müsse. Dieser habe zum Ziel, die Abhängigkeit von den USA zu verringern, sodass diese sich stärker anderen Prioritäten zuwenden könnten. “Was Sie in der kommenden Zeit sehen werden, ist ein schrittweiser Prozess, in dem die Europäer mehr Verantwortung übernehmen, was wirklich wichtig ist”, sagte Rutte auf die Frage eines Reporters. Und innerhalb dieses Prozesses werde es auch immer Entscheidungen und Ankündigungen geben, die Teil dieses längerfristigen Kurses seien.
Rubio erklärte später, dieses Thema sei in den Gesprächen nicht direkt zur Sprache gekommen. Die USA hätten globale Verpflichtungen und bewerteten ihre Truppenpräsenz ständig neu. Solche Verschiebungen würden aber in Abstimmung mit den Verbündeten vorgenommen, sagte er. Die Stationierung von Truppen sei keine politische Entscheidung.
Trump lobt Nawrocki
Trump hatte direkt vor dem Treffen die Entsendung von 5.000 zusätzlichen Soldaten nach Polen angekündigt. Als Grund für die Entscheidung nannte Trump seine gute Beziehung zum polnischen Präsidenten Karol Nawrocki. Die Entscheidung sei auf der Basis der erfolgreichen Wahl von Polens rechtsnationalem Präsident Nawrocki gefallen, den er mit Stolz unterstützt habe, teilte Trump aus seiner Plattform Truth Social mit.
Die USA planen schon seit Längerem, sich wegen der Konkurrenz zu China stärker in Richtung des Indopazifiks zu orientieren und in diesem Zusammenhang Truppen aus Europa abzuziehen. Kanada und vor allem die europäischen NATO-Länder sollen künftig mehr Verantwortung bei der Verteidigung des Bündnisgebiets übernehmen. Die jüngsten Ankündigungen aus Washington zu Truppenverlegungen widersprachen sich allerdings zum Teil und wurden von Drohungen von Trump gegenüber den Verbündeten begleitet.




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