Was die Wissenschaft bis heute verschwiegen hat

Wie viele Menschen sterben wirklich durch die Hitzewelle?

Donnerstag, 16. Juli 2026 | 07:02 Uhr

Von: red

London – Aktuelle Prognosen der World Meteorological Organization (WMO) und der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) zeigen, dass sich derzeit ein historisch starker „Super El Niño“ entwickelt. Dieses Phänomen bringt das globale Wettersystem massiv durcheinander und teilt die Welt in zwei extreme Wetterzonen auf, wodurch die eine Region im Regen versinkt und die andere extrem austrocknet. Allerdings wären die Folgen laut Forschern aus London deutlich weniger gravierend, wenn El Niño nicht durch den menschengemachten Klimawandel zusätzlich verstärkt würde.

Das Klimaphänomen El Niño hat sich im vergangenen Monat verstärkt, mit großflächigen Anomalien der Meeresoberflächentemperatur von über +1,0 °C im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Besonders betroffen sind die Pazifikküste Südamerikas (vor allem Peru und Ecuador), Südostasien sowie Australien und Teile Südasiens, darunter Indien.

Normalerweise treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser im Pazifik nach Asien. Bei El Niño flauen diese Winde jedoch ab oder kehren sich um. Dies verändert die globalen Luftströmungen. Der Jetstream verschiebt sich und lenkt Wetterfronten in Regionen, die normalerweise ganz andere Wetterverhältnisse gewöhnt sind.

El Niño wirkt wie ein globales Umverteilungssystem der Atmosphäre und löst eine Kettenreaktion im globalen Wettergeschehen aus. Wärme und Feuchtigkeit werden neu verteilt: Dort, wo die Feuchtigkeit aufsteigt, kommt es zu Starkregen, Fluten und Erdrutschen, und dort, wo die Luftmassen wieder zu Boden sinken, blockieren sie jegliche Wolkenbildung und sorgen für extreme Trockenheit.
Klimawandel weiterhin umstritten?

Die renommierte deutsche Klimaforscherin Prof. Dr. Friederike Otto betont, dass der Klimawandel kein abstraktes Umweltproblem, sondern eine soziale Krise ist, die bereits heute weltweit extreme und tödliche Wetterereignisse verursacht.

In einer Pressemitteilung ihres Forschungsnetzwerks sagte Otto frustriert: „Wissenschaftler wie ich klingen langsam wie eine kaputte Schallplatte.“ Sie betonte, dass die Rekordtemperaturen in Europa ohne den menschengemachten Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wären und das gleichzeitig auftretende Klimaphänomen El Niño bei dieser Hitzewelle keine entscheidende Rolle gespielt habe. „Ja, das ist der Klimawandel. Ja, wir sind dafür verantwortlich. Nein, es liegt nicht an El Niño. Ja, wir haben die Lösungen, nein wir setzen sie nicht schnell genug um“, fasste Otto zusammen.

Bei Ereignissen mit vielen Todesopfern untersucht ihr Team unter anderem die Wirksamkeit von Frühwarnsystemen und den Zustand der Infrastruktur, um möglichst genau zu bestimmen, wie viele Todesfälle tatsächlich auf die Hitze zurückzuführen sind.

„Es ist blöd, wenn die wissenschaftliche Community schweigt und politische Entscheidungen dort getroffen werden, wo oft das nötige Fachwissen fehlt“ sagt Otto. Deshalb gründete sie mit ihrem Team die World Weather Attribution (WWA) und verweist unter anderem auf den sofortigen Stopp von Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie auf den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energietechnologien.

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