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Wolfsentnahme ohne Jubel

Donnerstag, 28. August 2025 | 01:26 Uhr

Von: ka

Mals/Bozen – Nachdem der Landeshauptmann nach zahlreichen Rissen von Weidetieren die Entnahme genehmigt hatte, wurde im hinteren Planeiltal im Obervinschgau der erste Wolf seit vielen Jahrzehnten geschossen. Während Tierschutzverbände heftig protestierten, wurde der Abschuss unter den Bauern und Almenbetreibern, von denen viele sich für ein wolfsfreies Südtirol einsetzen, sehr begrüßt.

Der Abschuss von Wölfen, die für zahlreiche Risse verantwortlich sind, ist sicherlich zu befürworten. Die von Tierrechtlern lange bekämpfte Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein wolfsfreies Südtirol – sprich die unterschiedslose Entnahme aller Wölfe – eine Illusion bleiben wird.

Facebook/Erfolgreicher Herdenschutz

Vielmehr sollte die Entnahme einzelner Wölfe als das gesehen werden, was sie vom Gesetzgeber – letztendlich ist das die EU – vorgesehen wurde: Eine von mehreren Maßnahmen, die die Almwirtschaft und allgemein die Haltung von Nutztieren im Gebirge stärken sollen, ohne den Fortbestand der Raubtierspezies Wolf zu gefährden.

Daher gilt es, ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu verabschieden, das den Herdenschutz finanziell fördert – wohl im Bewusstsein, dass Herdenschutz nicht überall möglich ist. Umzäunungen bieten im steilen und vor allem im felsendurchsetzten Gelände nicht den nötigen Schutz. Viehpferche, wo die Nutztiere die Nacht verbringen, könnten auf ebeneren Flächen eine denkbare Lösung sein. 

Erfolgreicher Herdenschutz

Zudem muss berücksichtigt werden, dass Abschüsse erst genehmigt werden können, wenn Herdenschutzmaßnahmen erfolglos bleiben. Jubel oder heftiger Protest gegen Wolfsabschüsse ändern nichts daran, dass allen bewusst sein muss, dass Wölfe auch in nächster Zukunft Teil unserer Bergnatur sein werden. Durch einzelne Abschüsse „lernen” die intelligenten Raubtiere, dass sie den heimischen Schafen und Ziegen lieber fernbleiben und stattdessen das Rotwild jagen sollten. Ob dann ein Zusammenleben mit dem Wolf in Südtirol möglich ist, muss sich erst zeigen. 

Bezirk: Bozen

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