Auch im Nationalpark Stilfserjoch

WWF: Pestizide in Südtiroler Gewässern nachgewiesen

Dienstag, 23. Februar 2021 | 11:51 Uhr

Bozen – Die Natur- und Tierschutzorganisation WWF hat in Südtirol in knapp 90 Prozent der Oberflächengewässer Pestizidrückstände festgestellt. Sogar im Nationalpark Stilfserjoch wurden in den Gewässern Grenzwerte überschritten.

Für den WWF lässt dies nur einen Schluss zu: Viele Substanzen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, breiten sich über große Distanzen auch in jenen Gegenden aus, wo sie eigentlich nicht vorkommen sollten.

“Der WWF setzt sich dafür ein, dass die landwirtschaftliche Produktion auf nachhaltige Weise erfolgt, d. h. Lebensräume erhalten, Wassereinzugsgebiete schützen und die Bodenfruchtbarkeit und Wasserqualität verbessern. In diesem Sinne werden die ISPRA-Daten zur Überwachung von Pestiziden im Wasser – Ausgabe 2020 – Daten 2017-2018 in Bezug auf die Provinz Bozen verbreitet”, heißt es in einer Aussendung.

Ergebnisse in Südtirol

“Im Jahr 2017 waren in 70,59 Prozent der Punkte und in 34,69 Prozent der Proben in Oberflächengewässern Rückstände vorhanden.” Insgesamt wurden laut WWF 46 verschiedene Substanzen mit größerer Häufigkeit gefunden: Boscalid, Methoxyphenozid, Penconazol, Imidacloprid, Dimethomorph, Fluodioxonil und Diphenylamin. Im Grundwasser wurden zwei Substanzen gefunden: Hexazinon und Simazin. An keinem der Überwachungspunkte habe der Verschmutzungsgrad die Umweltqualitätsgrenzen sowohl im Oberflächen- als auch im Grundwasser überschritten.

“Im Jahr 2018 waren in Oberflächengewässern Rückstände in 14 von 16 Überwachungspunkten (87,5 Prozent) und in 37,6 Prozent der Proben vorhanden. Insgesamt wurden 42 Substanzen mit größerer Häufigkeit gefunden: Boscalid, Methoxyphenozid, Glyphosat, Chloranthaniliprol, Fluodioxonil, Imidacloprid und Diphenylamin.

Bei Oberflächengewässern liegt der Verschmutzungsgrad in drei Punkten über den Grenzwerten für die Umweltqualität: in Margreid an der Weinstraße (im Großen Kalterer Graben), in Roverè della Luna (im Kleinen Kalterer Graben) und in Latsch (im Plimabach), der im Martelltal im Nationalpark Stilfserjoch fließt.

In den Jahren 2017 und 2018 wurden die Oberflächengewässer in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen Meran und Bozen nicht überwacht. Es handelt sich dabei um Gebiete für Obst und intensiven Weinbau, in denen das Wasser in den letzten Jahren durch Pestizide kontaminiert war”, so der WWF.

Pestizide im Plimabach, im Stilfserjoch Nationalpark

In einem Nationalpark, einem Schutzgebiet von großer naturalistischer Bedeutung, sollte die Landwirtschaft auf der Achtung und Entwicklung des Umwelterbes beruhen, so der WWF. Im Schutzgebiet seien hingegen gefährliche Chemikalien gefunden worden, wobei der gesetzliche Verschmutzungsgrad der zulässigen Grenzwerte überschritten wurde.

Die Substanzen seien folgende:

Metazaclor: ist ein Herbizid, das als umweltschädlich und gefährlich eingestuft wird.
Chlorpyrifos: ist ein Organophosphat-Insektizid mit einer neurotoxischen Wirkung und einem breiten Wirkungsspektrum. Seine Verwendung, die bei Obst, Gemüse und Getreide weit verbreitet ist, wurde mit Schäden an der intellektuellen Entwicklung von Kindern, Autismus und Schäden am endokrinen System, in Verbindung gebracht. Ab 2020 ist seine Verwendung in der Europäischen Union verboten.

“In Südtirol werden Pestizide hauptsächlich für den Obst-und Weinbau verwendet. Sie sind gefährlich, weil ihre Wirkung nicht ausschließlich auf schädliche Organismen beschränkt ist. Pestizide wirken auf alle Bestandteile des Ökosystems (Luft, Wasser, Boden, Pflanzen und Tiere). Sie stellen eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar”, so der WWF.

Weitere Informationen finden sich auf dem ISPRA-Pestizidportal.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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30 Kommentare auf "WWF: Pestizide in Südtiroler Gewässern nachgewiesen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
bern
bern
Universalgelehrter
13 Tage 2 h

Die Nachweismethoden sind mittlerweile so fein, dass man überall alles finden kann. Warum gibt der WWF nicht die gefundene Menge an? Weil sie miniminimal ist? Geht es dem WWF um Sachlichkeit oder Panikmache zum Spendensammeln?

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Superredner
13 Tage 55 Min

@bern…👍 oder um Spenden ???

Jaga1456
Jaga1456
Neuling
13 Tage 38 Min

also nicht die krebserregende chemikalien sind das problem, sondern der WWF?? verkehrte welt

schlauer
schlauer
Grünschnabel
12 Tage 23 h

bern@
Bitte den WWF nicht schlechtreden! Dieser Verein arbeitet sehr gewissenhaft und ist nicht irgendwelchen Lobbys hörig…. Auch sein Einsatz für die Rettung des Brixner Auwaldes ist vorbildhaft!!

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Superredner
12 Tage 19 h

@schlauer…wieso kommen sie dann mit 3 !!! Jahre alten Messwerten daher ? Unter gewissenhaft verstehe ich was anderes.

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 18 h

werden im Obstbau krebserregende Stoffe eingesetzt? Wo haben sie das her? Das wird wohl nicht ganz stimmen. Die EFSA ist dafür zuständig, nicht der WWF, der wahrscheinlich jetzt auf Spendensuche ist….wie auch der Verein aus München…

Jaga1456
Jaga1456
Neuling
13 Tage 2 h

Die politik soll diese miss-praktiken gefälligst verbieten.. weil sich dann wundern dass so viele menschen an krebs erkrankdn ist nur blöd

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
13 Tage 28 Min

Genau schließlich wird krebs nur deshalb hervorgerufen und durch nix anderes wie zb die tolle Kosmetik, Plastik, Strahlung usw 🙈

Jaga1456
Jaga1456
Neuling
12 Tage 23 h

Du hast vollkommen recht, wir sind von chemikalien regelrecht verpestet.. schrittweise müssen wir auf fast alle verzichten

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 19 h

Südtirol hat EU-weit eine der höchsten Lebenserwartungen, obwohl seit über 70 Jahren im Obstbau und über 110 Jahren im Weinbau Pflanzenschutz betrieben wird. Wie ist das vereinbar mit ihrer Behauptung? Die Mengen an ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln haben stätig abgenommen, der Verkehr hat hingegen kräftig zugelegt, der Einsatz von Reinigungsmittel auch. Was nun?

Oberjoggler
Oberjoggler
Grünschnabel
13 Tage 2 h

Schön schön… sei es METAZACLOR als auch Chlorpyrifos sind im südtiroler Obstbau nicht zugelassen. Metazaclor ist ein Wirkstoff, der nur für Gemüseanbau zulässig istsiehe p.e. https://www.belchim.it/producten_actievestof/metazaclor/
Chlorpyrifos Etyl seit ca 3 Jahren, Chlorpyrifos Metyl seit voriges Jahr verboten. Ok, die Daten sind aus 2017 und 2018, hinken also dem Chlorppyrifosverbot hinten nach… aber das will ja keiner so hören…

@
@
Superredner
13 Tage 1 h

Es ist uninteressant,ob Pestizide im Obst-, Wein- oder Gemüseanbau angewandt werden. Tatsache ist,sie wurden und werden sofern sie nicht in den letzten Jahren verboten worden sind, immer noch eingesetzt. Die Profitgier wird über die Gesundheit gestellt. Freiwillig verzichten nur wenige Landwirte auf Pestizide. Das die Grenzwerte für einzelne Substanzen oft nicht überschritten werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, das diese in einem Cocktail ausgebracht werden, der Grenzwert jedoch nur fürs Einzelprodukt gemessen wird.

Mikeman
Mikeman
Kinig
13 Tage 2 h

Na super und Mahlzeit , auf solche Forellen könnte man gefälligst pfeifen.

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Superredner
13 Tage 56 Min

@Mikeman..😉stimmt, ich möchte jetzt auch keine Forellen mehr, die schon 2017/18 geangelt oder gekäschert wurden.

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 18 h

Verwenden sie keine Spülmittel für die Reinigung ihres Geschirrs? Vom Teller kontaminierte Nahrung mit der kontaminierten Gabel in den Mund, kein Problem? Augenklappensichtweise……

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
13 Tage 41 Min

Man kann sich vorstellen was dann im Apfel oder Birnen usw drinn ist

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
13 Tage 32 Min

wie immer keine mengenangaben vorhanden… finden tuat man iberoll wos mit de feinen mess Methoden heutzutage… a labor findet a tropfen benzin in gonzen kolterer see a auser wenn sie wellen! wiederholt der wwf die Proben war i gesponnt, weil laut einer aktuellen Studie des lndes wurde seit die neuen sprüher Gesetze in kraft sein bis zu 90% weniger Belastung bei Spielplätzen!

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Superredner
13 Tage 58 Min

Jedes halbwegs ausgestattete Labor könnte Wasserproben aus 2020 und sogar 2021 binnen weniger Wochen analysieren. Wieso muss man Daten aus 2017/18 veröffentlichen, wohl wissend, dass darin gefundene Pestizide nicht mehr verkauft und verwendet werden (dürfen)? Wie ist der aktuelle !!! Stand der Kontaminierung des Wassers ???

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

Die Landwirte sind die Aphoteker der Pflanzen!

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 20 h

ist schon interessant, dass angeblich Grenzwerte überschritten worden sein sollen, wobei das Obst ständig auf Rückstände geprüft wird, bevor es in den Verkauf kommt. Die Rückstandswerte sind um ein Vielfaches unter dem Grenzwert oder glaubt jemand wirklich, dass eine Handelskette belastetes Obst kaufen würde? Das wäre sicher zu riskant…. 

Spencer
Spencer
Grünschnabel
12 Tage 7 h

solang nur der boden und das grundwasser vergiftet wird ist ja alles gut

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 19 h

ist schon interessant, wie sachlich der WWF ist, Glyphosat und andere Pestizide scheinen ein Problem zu sein, Klarspülmittel werden ungehemmt eingesetzt, obwohl die Menge für eine letale Dosis, akute Toxizität, bei Klarspülmittel auch deutlich höher liegt, als bei Glyphosat….. 

Spencer
Spencer
Grünschnabel
12 Tage 7 h

dann nimm weniger klarspüler. hat mit dem wwf ja nichts zu tun

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 18 h

…. “Sie stellen eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar”, so der WWF. Naja, das mit dem WWF ist so eine Sache. Die Pestizide werden von der EFSA nach ausgiebiger jahrelanger Überprüfung zugelassen. Diese werden nur in den Mengen zugelassen, welche für den Menschen keine negativen Auswirkungen haben.   

Missx
Missx
Kinig
12 Tage 19 h

Achgott, in der Antarktis werden Pestizide gefunden. Warum sollten sie um Südtirol einen Bogen machen?

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 20 h

wie oft, wird man noch die Studie aus dem Jahr 2017 bzw. 2018 aufwärmen? Chlorpyriphos ist seit 2018 nicht mehr in Verwendung….. Hier will jemand gezielt nur Unmut schüren!

Oracle
Oracle
Tratscher
12 Tage 19 h

…. interessant, in einem Atemzug werden Pestizide in Abzugsgräben (wo bekanntlich 2 Kläranlagen einleiten und die Medikamente und Hormone beträchlich sind, die man da findet) mit dem Naturpark in Verbindung gebracht……

StreetBob
StreetBob
Superredner
12 Tage 6 h

Frühling kimmp, Bauernorbeit kimmp und de nervige Diskusion a wiedr. Lästig. Der WWF soll amol noch China, in die Lithium Obbaugebiete in Australien, Chile und Argentinien schaugn und zemm es Wosser kontrollieren. Und nit afn Stilfser Joch.

Deimos
Deimos
Neuling
11 Tage 5 h

Unglaubich dia aussog 🙈 WWF= World Wide Fund for Nature. WORLD WIDE ! Seit froa dasses seta vereine gib! Informier di amol wou dr WWF ibroll tätig isch.

Einheimischer
Einheimischer
Tratscher
12 Tage 8 h

Um den Plimabach in Marteltal sind überall Erdbeeplantagen…. kan damit zu tun haben…

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