Ein Blick unter den Boden von Molino Casarotto

Neolithische Haushalte: Alltag wie vor 6.000 Jahren

Mittwoch, 04. März 2026 | 06:59 Uhr

Von: red

Im norditalienischen Molino Casarotto haben Forschende mithilfe modernster mikromorphologischer Analysen den Boden eines neolithischen Siedlungsplatzes untersucht. Diese Methode erlaubt es, ungestörte Sedimentproben im Mikroskop auszuwerten und selbst kleinste Spuren menschlicher Aktivitäten sichtbar zu machen – von Ascheresten bis zu winzigen Keramikfragmenten.

Der Boden wurde so zu einem regelrechten Archiv des Alltagslebens.

Kochen im Neolithikum: Feuerstellen mit System

Die Analysen zeigen klar definierte Bereiche, in denen regelmäßig Feuer entfacht wurde. Feine Ascheschichten, verkohlte Überreste und hitzeveränderte Sedimente belegen wiederholte Kochvorgänge innerhalb der Häuser.

Dabei blieb es nicht beim bloßen Gebrauch des Feuers: Die Asche wurde regelmäßig entfernt und neu verteilt. Diese wiederkehrenden Abläufe deuten auf eine bewusste und routinierte Nutzung der Feuerstellen hin. Kochen war keine gelegentliche Tätigkeit, sondern strukturierte den häuslichen Alltag dauerhaft.

Reinigung und Instandhaltung als feste Praxis

Besonders bemerkenswert sind die Hinweise auf systematische Reinigungsarbeiten. Die Sedimentschichten zeigen, dass Böden regelmäßig gefegt und erneuert wurden. Chaotische Abfallansammlungen innerhalb der Wohnbereiche fehlen.

Zusätzlich fanden sich Hinweise auf verdichtete Laufzonen sowie dünne Materialschichten, die offenbar gezielt aufgetragen wurden, um Böden zu stabilisieren oder auszugleichen. Diese Maßnahmen sprechen für ein ausgeprägtes Bewusstsein für Ordnung, Funktionalität und Wohnkomfort.

Geplante Müllentsorgung außerhalb der Wohnbereiche

Auch außerhalb der Häuser konnten die Forschenden klar abgegrenzte Abfallbereiche identifizieren. Dort sammelten sich Asche, organische Reste und Materialien, die aus dem Inneren der Gebäude entfernt worden waren.

Die gezielte Verlagerung von Abfällen zeigt, dass zwischen Wohnraum und Entsorgungsbereich unterschieden wurde. Müll wurde nicht wahllos verteilt, sondern bewusst an bestimmten Orten deponiert. Damit existierten bereits im Neolithikum organisierte Systeme der Abfallbewirtschaftung.

Alltag mit wiederkehrenden Routinen

Feuer entzünden, kochen, Asche entfernen, Böden reinigen und Abfälle entsorgen – diese Tätigkeiten bildeten wiederkehrende Zyklen im Leben der neolithischen Gemeinschaft von Molino Casarotto.

Die Untersuchung macht deutlich, dass viele grundlegende Verhaltensweisen, die unseren heutigen Alltag prägen, bereits vor 6.000 Jahren etabliert waren. Das Neolithikum erscheint dadurch weniger als ferne, primitive Epoche, sondern als Zeit strukturierter Haushalte und fest verankerter Routinen.

Die mikroskopischen Spuren im Boden offenbaren eine überraschend vertraute Welt: eine Gesellschaft, die ihren Alltag organisierte, ihren Lebensraum pflegte und klare Regeln für das Zusammenleben entwickelte.

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