Paukenschlag: Anwalt der „Waldkindereltern“ legt Mandat zurück – VIDEO

„Sie haben alle Hilfsangebote abgelehnt“

Samstag, 29. November 2025 | 08:08 Uhr

Von: ka

Palmoli/L’Aquila – Im Fall der „Waldkindereltern“ Catherine Birmingham und Nathan Trevallion kam es zu einem Paukenschlag. Nur wenige Tage, nachdem das Jugendgericht von L’Aquila ihnen das Sorgerecht für ihre Kinder einstweilig entzogen hatte, legte ihr Rechtsanwalt Giovanni Angelucci sein Mandat nieder. „Sie haben alle Hilfsangebote abgelehnt“, erklärt Angelucci. Die zahlreichen Meinungsänderungen – zwei kostenlose Wohnungen und kostenlose Renovierungsarbeiten wurden ausgeschlagen – hätten es ihm unmöglich gemacht, termingerecht einen Rekurs vorzubereiten, der eine Chance gehabt hätte, die Kinder wieder mit den Eltern zu vereinen.

Facebook/Claudio Giambene

„Das Vertrauen, das die Grundlage der Beziehung zwischen Anwalt und Mandant bildet, war zerbrochen“, so Giovanni Angelucci, der die Verteidigung der Familie aus dem Wald aufgegeben hat, in seiner offiziellen Erklärung. Es handelte sich dabei bereits um den vierten Anwaltwechsel von Nathan Trevallion und Catherine Birmingham in den letzten sechs Monaten. In einem Interview mit dem römischen Tagblatt La Repubblica wird Giovanni Angelucci sehr deutlich. „Es gab Meinungsverschiedenheiten, und sie haben alle Hilfsangebote abgelehnt“, platzt es aus dem ehemaligen Rechtsbeistand der Eltern der „Waldkinder“ heraus.

Dann erklärt er, was am 25. November passiert ist und aus seiner Sicht das Fass zum Überlaufen brachte. „Ich hätte mich am Nachmittag erneut mit Nathan, dem Vater, treffen sollen. Es war die Besichtigung eines Hauses geplant, das nur wenige Kilometer von ihrem entfernt liegt. Ein Gastronom aus Ortona, der ursprünglich aus Palmoli stammt, hatte es ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein Bed & Breakfast im Wald, ein altes, renoviertes Bauernhaus aus Stein. Es hat drei Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche, eine Veranda und eine Garage. Ja, und ich betone noch einmal: kostenlos. Aber Trevallion ist nicht erschienen. Die Familie hätte in diesem Haus bis zum Abschluss der Renovierungsarbeiten bei ihrem Bauernhaus wohnen können”, ärgert sich Giovanni Angelucci.

 

www.catherinelouisebirmingham.com/Catherine Birmingham und Nathan Trevallion mit ihren Kindern

Doch damit nicht genug. Zu diesem Angebot gesellte sich das des Bürgermeisters von Palmoli, Giuseppe Masciulli. Da die Familie ihre vorherige Unterkunft wegen Lärmbelästigung und der fehlenden Aussicht auf den Sonnenaufgang aufgegeben hatte, bot Masciulli ihr eine zweite kostenlose Unterkunft an. Diese lag nur zwei Kilometer vom Zentrum entfernt. Es handelte sich um eine 70 Quadratmeter große Wohnung mit großem Grundstück, die vor zwanzig Tagen renoviert worden war. Es gab auch Strom, der jedoch durch Photovoltaikmodule erzeugt wurde. „Sie haben sich die Wohnung nicht einmal angesehen”, betont der Anwalt.

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Auch den Lösungsvorschlag eines Unternehmers aus Pescara, im Garten des Landhauses moderne Wohnmodule aufzustellen, in denen die fünfköpfige Familie während der Renovierungsarbeiten unterkommen könnte, schlugen Catherine Birmingham und Nathan Trevallion aus. „Der Vater hätte seine Unterschrift geben müssen, um das Projekt der außerordentlichen Renovierung beim Gemeindebauamt einzureichen. Am Ende sagte er jedoch, dass die Arbeiten zu invasiv wären. Die Firma San Salvo Appalti war bereit, die Arbeiten auf eigene Kosten durchzuführen. Sie überlegten es sich dennoch anders“, betont Angelucci.

Catherine und Nathan lehnten auch die Hilfe von Experten ab. „Ich hatte einen Termin bei einer Kinderpsychologin vereinbart, die auf kognitive Verhaltenstherapie spezialisiert ist. Ihre Diagnosen hätten dem Ehepaar als technisch-wissenschaftliche Unterstützung für das künftige Urteil des Jugendgerichts gedient. Auch dies wurde abgelehnt“, so der Anwalt über das schwierige Arbeitsverhältnis mit seinen Mandanten. Laut Angelucci sind diese Schritte für die Vorbereitung der Berufung, deren Frist am kommenden Samstag abläuft, unerlässlich. Zudem ließ die verfügbare Zeit weder lange Verzögerungen noch ein Umdenken zu. „Ja, ich habe es widerwillig für notwendig erachtet, das Verteidigungsmandat niederzulegen. Ich konnte keine unvollständige Verteidigung aufbauen“, erklärt Giovanni Angelucci.

 

Inzwischen ist bekannt geworden, dass sich Trevallion und Birmingham bereits in der Vergangenheit gegen das Eingreifen der Sozialdienste gewehrt hatten. Sie war im vergangenen Jahr mit ihren Kindern zu Freunden nach Bologna geflohen, ohne Spuren zu hinterlassen. Aus Angst, dass man ihr die Kinder wegnehmen könnte, war sie für einige Monate unauffindbar, während er ihre Flucht vom gemeinsamen Bauernhaus aus deckte.

 

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In dem geschützten Wohnheim, in dem die drei minderjährigen Kinder und ihre Mutter seit einer Woche untergebracht sind, herrscht Stille. Die Mutter muss den Anweisungen der Justiz Folge leisten. In der Einrichtung wird äußerste Zurückhaltung gewahrt, um die Minderjährigen sowie die anderen Bewohner vor Schaulustigen und Journalisten zu schützen. „Den Kindern geht es gut. Sie sind gut gelaunt und bei guter Gesundheit. Und obwohl sie sich in einer völlig neuen Umgebung befinden, gehen sie gelassen mit dieser Veränderung um“, erklärt die regionale Kinderbeauftragte Alessandra De Febis.

In der Zwischenzeit hat sich auch das Ehepaar Trevallion-Birmingham zu Wort gemeldet. In einem Brief an die Presse verteidigte es seine „Lebensphilosophie” und betonte, dass es „nicht taub” für mögliche Vermittlungsversuche sei. Zudem bekräftigten sie, dass sie die ihnen zustehende Erziehung ihrer Kinder „strikt” eingehalten hätten. „Wir haben nie andere Unterkünfte abgelehnt, wir wollen nur das Beste für die Kinder”, betonen die „Waldkindereltern” Catherine Birmingham und Nathan Trevallion.

Aber wer hat recht? Ihr ehemaliger Anwalt oder die „Waldkindereltern”?

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