Bisher fünf Personen infiziert und 89 in Quarantäne gestellt – VIDEO

Venetien zittert: Verantwortungsloser Mann verursacht Corona-Hotspot

Sonntag, 05. Juli 2020 | 08:19 Uhr

Pojana Maggiore – Nicht zuletzt dank des renommierten Virologen Andrea Crisenti, der die venezianische Regionalregierung berät, gilt Venetien international als Beispiel einer erfolgreichen Eindämmung der Coronaepidemie. Früh durchgesetzte „Rote Zonen“ und die schnelle Verfügbarkeit einer großen Anzahl von Tests, die halfen, die Infektionsketten festzustellen, trugen wesentlich dazu bei, dass in Venetien ein Corona-Desaster wie in der Lombardei verhindert werden konnte.

Aber genau in jenem Moment, als die Venezianer glaubten, die Coronaepidemie hinter sich gelassen zu haben, kehrte die Angst zurück. Die Tatsache, dass der „Ansteckungsindex“, die Reproduktionszahl, abgekürzt R, in Venetien von 0,43 auf 1,63 angestiegen ist, erzürnte den wortgewaltigen Präsidenten der Region Venetien, Luca Zaia.

„Ich weiß nicht, wen ich dazu beglückwünschen soll“, fragte Luca Zaia ironischerweise in die Runde. „Wenn wir weiter keine Gesichtsmasken benutzen, keine soziale Distanzierung einhalten und glauben, dass die Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner recht haben, bereiten wir den Boden für eine Rückkehr des Virus vor. Wenn das Virus zurückkommen wird, wird es noch stärker sein“, so ein zutiefst verärgerter Luca Zaia.

Ein Gutteil des Anstiegs des Ansteckungsindexes und vor allem der Ausbruch eines gefährlichen Corona-Hotspots in der Provinz Vicenza geht auf einen unverantwortlichen Manager zurück. Nachdem der Manager, der für einen Metallverarbeitungsbetrieb mit 170 Angestellten in Pojana Maggiore in der Provinz Vicenza arbeitet, von einer Arbeitsreise in Serbien, wo er mit einem 70-jährigen, inzwischen an Covid-19 verstorbenen Mann in Kontakt gekommen war, zurückgekehrt war, begann er, erste Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus zu zeigen.

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Der Mann litt an Fieber, hartnäckigem Husten, Appetitlosigkeit und einem generellen Unwohlsein. Aber obwohl sein Fieber bereits 38 Grad erreichte, begab sich Mann nicht in die von den Covid-19-Normen vorgeschriebene, häusliche Quarantäne. Anstatt in den eigenen vier Wänden zu bleiben und seinen Hausarzt zu verständigen, arbeitete der Mann nicht nur weiter, sondern besuchte auch noch zuerst eine Beerdigung und später ein Geburtstagsfest. Erst einen Tag später – als seine Symptome immer schlimmer wurden – suchte der unverantwortliche Manager das Bezirkskrankenhaus von Noventa auf. Angesichts seiner Krankheitszeichen wurde ihm sofort ein Abstrich abgenommen, der prompt ein positives Testergebnis ergab. Dem Patienten wurde zu einer stationären Aufnahme geraten, aber der verantwortungslose Mann zog es vor, nach Hause zu gehen.

Erst drei Tage später, als die Ärzte und der Bürgermeister seines Heimatortes immer stärkeren Druck ausübten und sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte, ließ sich der Mann in das Krankenhaus von Vicenza einliefern. Der Manager, der nun auf der Intensivstation um sein Leben kämpft, musste sofort intubiert werden.

Sofort lief eine großangelegte Epidemieeindämmungaktion an. Alle Personen, die in den sieben Tagen seit seiner Rückkehr aus Serbien und Bosnien mit dem erkrankten Manager in Kontakt gekommen waren, mussten identifiziert werden. In der Folge mussten zwischen den Provinzen von Verona und Vicenza nicht weniger als 89 Personen in die häusliche Quarantäne gestellt werden. Die ersten Tests, denen noch Hunderte folgen werden, ergaben bisher fünf Ansteckungen mit SARS-CoV-2.

Besonders die Weigerung des verantwortungslosen Mannes, einer stationären Aufnahme zuzustimmen, ließ Luca Zaia in Rage geraten. Für Montag kündigte der Präsident der Region Venetien eine teilweise Rückkehr zu den Corona-Einschränkungen der vergangenen Wochen an. Um zu verhindern, dass eine Corona-positiv getestete Person eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus verweigern und weiterhin soziale Kontakte pflegen kann, gedenkt Luca Zaia auf Rom Druck auszuüben, den Regionen entsprechende Maßnahmen zu erlauben.

„Ich möchte von Rom Normen, die es uns erlauben, symptomatische, positiv getestete Personen auf dem Zwangswege in ein Krankenhaus einzuweisen. Wir brauchen ein TSO – eine obligatorische Krankheitsbehandlung. Auf diese Art und Weise vorzugehen, ist keine Diktatur, sondern eine Maßnahme, die dem Schutz der Allgemeinheit dient“, betonte Luca Zaia ausdrücklich.

In der Tat zeigt der Fall von Pojana Maggiore, dass eine verantwortungslose Person genügt, um einen Corona-Hotspot zu erzeugen und sowohl die Eindämmungsmaßnahmen der Gesundheitsbehörden als auch das verantwortungsvolle Handeln vieler einfacher Bürger teilweise zunichtezumachen.

Das ganze Ausmaß des Corona-Hotspots steht noch nicht abschließend fest. Derzeit werden Hunderte von Personen der verschiedenen, vom Manager ausgehenden, möglichen Infektionsketten getestet. Währenddessen wurde der Name des Urhebers des Corona-Hotspots der Staatsanwaltschaft gemeldet.

Von: ka

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