Von: mk
Bozen – Der Alpenverein Südtirol (AVS) bekräftigt seine seit über 21 Jahren bestehende Forderung nach einer wirksamen Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen. „Die neuen Grenzen in der Umweltgesetzgebung durch die Autonomiereform sollten auf jeden Fall ausgereizt werden“, fordert AVS-Präsident Georg Simeoni. Angesichts der anhaltend hohen Verkehrsbelastung und neuer kommerzieller Trends sieht der AVS dringenden politischen Handlungsbedarf.
Die Sperre der Dolomitenpässe ist bekanntlich ab Herbst probeweise für fünf Monate geplant, Details sind in Ausarbeitung. „Ein erster Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Simeoni. Er hofft darauf, dass der Alpenverein in Gespräche dazu einbezogen wird – konstruktive Lösungen im Sinne der zahlreichen einheimischen Alpinisten sollten auf jeden Fall angeboten werden, damit die Passsperre breite Unterstützung der Einheimischen erfährt.
Auf völliges Unverständnis des Alpenvereins stoßen die immer häufiger werdenden kommerziellen Motorsport-Angebote in den Dolomiten. Der Verleih von hochmotorisierten Sportwagen gezielt für Fahrten über die Dolomitenpässe wird beworben – teils mit Versprechen von „Fahren im Grenzbereich“. Für den AVS steht diese Entwicklung in klarem Widerspruch zu den Zielen von Natur- und Klimaschutz sowie zu einem verantwortungsvollen Tourismus.
Die Dolomiten leiden laut AVS seit Jahren unter den Folgen des intensiven Individualverkehrs: Lärm, Abgase, zunehmender Flächendruck und Sicherheitsrisiken würden an vielen Tagen das Bild prägen. Die Parkplätze seien überfüllt, Fahrzeuge stünden vielerorts am Straßenrand.
„Seit mehr als zwei Jahrzehnten fordern wir gezielte Einschränkungen für den motorisierten Verkehr auf den Dolomitenpässen. Passiert ist zu wenig“, erklärt AVS-Präsident Georg Simeoni. „Gleichzeitig beobachten wir mit großer Sorge, dass neue Geschäftsmodelle genau diesen problematischen Verkehr weiter ankurbeln. Die Vermarktung der Dolomiten als Kulisse für PS-starke ‘Abenteuerfahrten’ ist schlicht nicht akzeptabel.“
Der AVS kritisiert insbesondere die zunehmende Kommerzialisierung des Passverkehrs durch Anbieter, die leistungsstarke Autos und Motorräder zur Miete anbieten und gezielt für Fahrten auf spektakulären Alpenstraßen werben. Auch spektakuläre Hubschrauberflüge über diesem Lebensraum, „der Schutz und Ruhe notwendig hätte“, seien offenbar ein Kassenschlager. Diese Angebote würden nicht nur zusätzlichen Verkehr erzeugen, sondern auch ein riskantes Fahrverhalten fördern, das andere Verkehrsteilnehmer – etwa Radfahrer oder Wanderer – gefährdet.
„Die Dolomiten sind kein Erlebnispark für motorisierte Grenzerfahrungen“, so Simeoni. „Wer hier kurzfristige Profite über den Schutz dieses einzigartigen Naturraums stellt, handelt unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen.“
Der AVS fordert, die Passsperre umzusetzen und auch den Mut aufzubringen, das in der touristischen Hochsaison zu tun. Parallel dazu brauche es den intelligenten Ausbau öffentlicher Mobilitätsangebote sowie eine klare Regulierung kommerzieller Aktivitäten, die den Verkehr zusätzlich befeuern. Ziel müsse es sein, die Dolomiten langfristig zu entlasten und ihre Qualität als Natur- und Erholungsraum zu sichern.
Der Alpenverein appelliert an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, endlich entschlossen zu handeln und bestehende Konzepte umzusetzen. „Gute Lösungsansätze liegen auf dem Tisch“, betont Simeoni. „Es braucht jetzt den Mut, sie im Konsens mit der einheimischen Bevölkerung umzusetzen – im Interesse von Umwelt, Bevölkerung und eines zukunftsfähigen Tourismus.“




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