Pilotprojekt im Rathaus von Bozen vorgestellt

Bekämpfung der Tigermücke mit sterilen Männchen

Freitag, 22. Mai 2026 | 15:47 Uhr

Von: mk

Bozen – Bei einer Pressekonferenz im Bozner Rathaus wurde das neue Pilotprojekt vorgestellt, mit dem die Ausbreitung der Tigermücke im Friedhof von Oberau bekämpft werden soll. Die Ausbreitung wird mit der sogenannten SIT-Methode (Sterile Insect Technique – Einsatz von sterilen Insekten) bekämpft, einer Methode, die in Italien und in der Schweiz bereits erfolgreich getestet worden ist. Die Tigermückenpopulation konnte um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Das Pilotprojekt in Bozen wird vom Umweltassessorat der Stadtgemeinde Bozen betreut.

Umweltstadtrat Marco Caruso, die Stadträtin für Friedhofsdienste, Patrizia Brillo und die mit dem Projekt betreuten Fachleute haben den anwesenden Journalistinnen und Journalisten die Zwecke des Pilotprojekts vorgestellt, die Anwendungsmethode und die positiven Auswirkungen für die öffentliche Gesundheit und die Reduzierung des epidemiologischen Risikos erläutert, das von der Tigermücke ausgeht, da sie Krankheiten übertragen kann, wie z.B. das Dengue-Fieber, Zika oder Chikungunya.

Der Friedhof in Oberau erstreckt sich über eine Fläche von 13 ha und ist aufgrund der Präsenz von unzähligen kleinen bis kleinsten Behältnissen, die entweder mit Wasser gefüllt sind oder in denen sich Wasser ansammeln kann, wie z.B. Blumenvasen, Weihwasserbehälter und Laternen, der ideale Lebensraum für die Tigermücke. Die Größe des Friedhofsareals erschwert ihre Bekämpfung. Auch der Umstand, dass der Friedhof von zahlreichen Personen aufgesucht wird, die von infizierten Tigermücken gestochen werden und dann erkranken könnten, kann zu einem bedenklichen, gesundheitlichen Risiko für die Bevölkerung der Stadt führen.

Daher hat das Amt für den Schutz der Umwelt und des Territoriums in Zusammenarbeit mit dem Amt für Friedhofs- und Bestattungsdienste beschlossen, ein Pilotprojekt mit der SIT-Methode zu starten, die in Bologna und im Kanton Tessin bereits erfolgreich eingesetzt worden ist. Die bisher bereits erfolgreich eingesetzten Methoden für die Bekämpfung der Tigermücke werden weiter fortgeführt und mit der SIT-Methode ergänzt.

Bei der SIT-Methode werden in kontrollierter Zahl männliche Tigermücken ausgesetzt. Die männlichen Insekten wurden vorher mit Röntgenstrahlen sterilisiert. Sie paaren sich mit den Weibchen, die nicht befruchtete Eier legen. Dadurch wird das Wachstum der Tigermückenpopulation eingedämmt. Die männlichen Tigermücken stechen nicht und sie sind keine genetisch veränderten Insekten. Die SIT-Methode ist ein selektives Verfahren, das keine negativen Auswirkungen auf andere Tierarten oder auf das Ökosystem hat.

Die ersten Einsätze mit der SIT-Methode werden Ende Mai durchgeführt und bis September fortgesetzt. Jede Woche werden sterile Tigermückenmännchen freigesetzt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 1.000,00 Euro pro Hektar, d.h. das Pilotprojekt im Friedhof von Oberau

kostet insgesamt ca. 13.000,00 Euro. Sollte das Pilotprojekt den gewünschten Erfolg bringen, wird die Gemeindeverwaltung prüfen, ob die SIT-Methode auch in anderen Bereichen der Stadt eingesetzt werden kann.

Bei der Pressekonferenz wurde auch betont, dass das Pilotprojekt die Mitarbeit der Bevölkerung erfordert. So sollte man darauf achten, dass auf den Gräbern in den Übertöpfen, Untersetzern und anderen Behältern kein Wasser steht und es sollte auf Blumen in Vasen verzichtet werden.

Die Gemeindeverwaltung wird die Entwicklung der Tigermückenpopulation sehr genau beobachten und sofort eingreifen, sobald sie sich zahlenmäßig schneller entwickelt als gewünscht, auch um einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit vorzubeugen.

Bezirk: Bozen

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