Durch Raketen ausgelöste Brände wüteten in Kiew

Gegenseitige Angriffe Russlands und der Ukraine

Donnerstag, 16. Juli 2026 | 10:21 Uhr

Von: APA/dpa

Bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands sind auf beiden Seiten mehrere Menschen getötet worden. Das russische Militär griff in den frühen Morgenstunden erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew an, wobei nach Angaben der örtlichen Militärverwaltung ballistische Raketen zum Einsatz kamen. Bei dem Angriff wurden zwei Menschen getötet und sechs weitere Personen verletzt, wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag auf Telegram mitteilte.

Unter den Verletzten sei auch ein 16-jähriger Teenager. Dem ukrainischen Katastrophenschutz zufolge brachen Brände in zwei Lagerhallen aus. Es war der sechste derartige Angriff auf die Hauptstadt im Juli. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, man habe militärische und industrielle Anlagen in Kiew getroffen, die an der Produktion und Lagerung von Drohnen beteiligt seien. Zudem seien Infrastruktureinrichtungen in den Häfen von Odessa und dem rund 40 Kilometer entfernten Piwdennyj angegriffen worden, die für die Ankunft und die Lagerung von Militärgütern und Treibstoff genutzt würden. Ein Schiff und ein Schnellboot der ukrainischen Streitkräfte seien auf dem Weg zu Häfen in der Region Odessa ebenfalls getroffen worden.

Tote bei ukrainischen Angriffen auf Russland

Bei ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffen in der Nacht auf Donnerstag gab es nach Angaben lokaler Behörden in mindestens drei russischen Regionen Tote und Verletzte. In der Region Jaroslawl, rund 250 Kilometer östlich von Moskau, seien ein Mann getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, erklärte Gouverneur Michail Jewrajew. In dem Gebiet liegt eine Ölraffinerie, die wiederholt Ziel von Angriffen war. In der Region Saratow an der Wolga meldeten russische Medien unter Berufung auf Behörden Opfer nach einem Drohnenangriff auf die Stadt Engels, in der sich ein Militärflugplatz befindet. In der an die Ukraine grenzenden Region Brjansk wurden eine 15-jährige Jugendliche und ihre Großmutter bei einem Raketenangriff auf das Dorf Susemka getötet, wie der dortige Gouverneur mitteilte.

In Russland kam es in den vergangenen Wochen in mehreren Regionen zu Treibstoffengpässen, nachdem ukrainische Drohnen wiederholt Raffinerien und andere Energieanlagen getroffen hatten. Die Ukraine will damit die Einnahmen aus dem Ölgeschäft schmälern, mit denen Russland den Krieg finanziert. Beide Seiten weisen zurück, gezielt Zivilisten ins Visier zu nehmen.

Ukraine: Haben russische Tanker im Schwarzen Meer getroffen

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben vom Donnerstag gemeinsam mit der Marine zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte im Schwarzen Meer mit Seedrohnen getroffen. Bei den Schiffen handle es sich um die Tanker “Louise 1” und “Banda”, die zum Transport von russischem Rohöl genutzt würden, teilte der SBU mit. Beide Schiffe stünden unter ukrainischen Sanktionen. Das ukrainische Militär meldete auch Angriffe auf russische Schiffe im Asowschen Meer.

Unterdessen wurde der scheidende britische Premierminister Keir Starmer am Donnerstag zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew erwartet. Dies sei einer der letzten Besuche Starmers in seiner Funktion als Regierungschef, teilte sein Amtssitz mit. Starmer wolle mit Selenskyj über die Fortschritte bei der Ausrüstung der Ukraine im Kampf gegen Russland beraten. Zudem solle erörtert werden, worauf sich die Verbündeten als Nächstes konzentrieren sollten. Starmer wird am Montag zurücktreten, sein Nachfolger soll der Labour-Politiker Andy Burnham werden.

Neues Abwehrsystem für die Ukraine

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Zuletzt erklärten sich mehrere europäische Staaten bereit, zusammen mit dem osteuropäischen Land ein neues Abwehrsystem gegen ballistische Raketen zu produzieren.

Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren als Marschflugkörper, die von den Angreifern besser manövriert werden können und wegen ihrer geringen Flughöhe nicht so leicht vom Radar der Luftabwehr zu erfassen sind. Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.

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