Von: mk
Bruneck – Mit großer Besorgnis und deutlicher Kritik reagiert die Junge Generation Pustertal auf die Entscheidung der Freien Universität Bozen, den Standort Bruneck zu schließen. Mit dem Auslaufen des Masterstudiengangs im Tourismusmanagement bereits ab Herbst und dem darauffolgenden Ende des Bachelorstudiengangs für Tourismus-, Sport- und Eventmanagement verliere das Pustertal einen zentralen Bildungs- und Innovationsstandort.
„Diese Entscheidung ist für uns völlig unverständlich und ein harter Schlag für den gesamten ländlichen Raum“, betont die JG Pustertal. „Gerade in einer Region wie dem Pustertal, die stark vom Tourismus geprägt ist, braucht es praxisnahe akademische Ausbildung direkt vor Ort – und nicht deren Abwanderung in die Landeshauptstadt.“
Die offizielle Begründung der Universität, wonach wirtschaftliche Faktoren und sinkende Einschreibezahlen ausschlaggebend seien, greift aus Sicht der JG Pustertal zu kurz: „Anstatt den Standort aufzugeben, hätte man gezielt Maßnahmen setzen müssen, um ihn zu stärken und attraktiver zu machen. Bei der Bildung zu sparen ist immer falsch.“
Ein weiterer zentraler Punkt für die JG ist die soziale Dimension der Entscheidung: „Gerade für viele lokal Ansässige war es bisher möglich, weiterhin zu Hause zu wohnen und sich keine Wohnung in Bozen nehmen zu müssen. Angesichts der horrenden Wohnungspreise war das ein enormer Vorteil und hat vielen jungen Menschen überhaupt erst ein Studium ermöglicht.“
Besonders kritisch sieht die JG Pustertal die langfristigen Auswirkungen auf die Region: „Mit der Universität verliert Bruneck nicht nur ein prestigeträchtiges Aushängeschild, sondern auch junge Menschen, Innovationskraft und Zukunftsperspektiven. Das schwächt den gesamten Wirtschafts- und Lebensraum Pustertal nachhaltig.“
Matthias von Wenzl, Bezirksvorsitzender der JG Pustertal, unterstreicht: „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie wichtige Bildungsangebote im ländlichen Raum Schritt für Schritt abgebaut werden. Das Pustertal braucht Perspektiven – und keine weiteren Rückzüge aus der Region.“
Rückendeckung kommt auch aus dem Burggrafenamt. „Statt den Studienstandort Bruneck zu schließen, sollte das Land offensiv handeln und neue Standorte schaffen. Bruneck soll erhalten werden, zudem sollte auch die Kurstadt Meran eine Universität bekommen: Das Kasernenareal bietet ausreichend Platz, und Bozen ist in gerade einmal 20 Minuten erreichbar“, betont JG-Burggrafenamt-Vorsitzender Hannes Wieser.
Das eigentliche Problem sei nicht die Nachfrage, sondern der fehlende politische Wille zur Umsetzung. Die oft zitierte „kritische Masse“ von 1.000 Studierenden wäre problemlos erreichbar, wenn man konsequent nach dem Vorbild von Innsbruck handeln würde, ist die JG überzeugt. Dort sei die Auslastung durch den gezielten Bau und den Eigenbetrieb von Studentenwohnheimen erreicht worden.
„Das Südtiroler Heim in Innsbruck zeigt eindrucksvoll, wie dieses Modell funktionieren kann: Rund 190 Studierende wohnen dort für unter 300 Euro im Monat. Leistbarer Wohnraum ist damit kein theoretisches Konzept, sondern in erster Linie eine Frage des politischen Willens“, erklärt die JG:
Die JG Pustertal fordert daher ein Umdenken auf Landesebene sowie seitens der Universitätsführung: „Es braucht jetzt klare politische Signale, dass der ländliche Raum nicht abgehängt wird. Wir erwarten konkrete Schritte, um weiterhin akademische Ausbildung und Forschung im Pustertal zu sichern.“
Abschließend unterstreicht die JG Pustertal: „Diese Entscheidung ist für uns in ihrer Tragweite schlichtweg nicht akzeptabel. Wir werden uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Bruneck auch in Zukunft ein Standort für Bildung und Entwicklung bleibt.“




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