Von: luk
Bozen – Seit dem 20. März macht ein gut sichtbares Banner am Landhaus 1 in Bozen auf das Jubiläumsjahr 2026 aufmerksam: Vor 80 Jahren, am 5. September 1946, wurde der Pariser Vertrag unterzeichnet – ein historischer Meilenstein, der Südtirols Autonomie völkerrechtlich absichert.
Ein Vertrag für Schutz und Entwicklung
Am 5. September 1946 unterzeichneten der österreichische Außenminister Karl Gruber und der italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi in Paris das nach ihnen benannte Abkommen. In der schwierigen Nachkriegszeit sollte dieser Vertrag der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols den Schutz ihrer ethnischen Identität sowie die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung garantieren.
Vom völkerrechtlichen Versprechen zur gelebten Autonomie
Der Pariser Vertrag legte den Grundstein – doch der Weg zur heutigen Selbstverwaltung war lang. Italien verpflichtete sich darin, Südtirol Autonomie zu gewähren. Die konkrete Ausgestaltung erfolgte nach einer ungenügenden ersten Umsetzung erst viel später: durch die politische Einigung auf das „Paket“ (1969) und die rechtliche Verankerung im Zweiten Autonomiestatut von 1972. Erst damit wurde auch die ladinische Sprachgruppe rechtlich gleichgestellt, die im ursprünglichen Vertragstext von 1946 noch nicht explizit erwähnt war.
Ein solides Fundament
Der Pariser Vertrag ist bis heute das Fundament der Südtiroler Autonomie. Als internationales Abkommen sichert er die Rechte der Sprachgruppen und weist Österreich, als Vertragspartner, eine Schutzfunktion zu. Italien verpflichtet sich darin, die Muttersprache in Ämtern und Schulen zu garantieren und Südtirol eigene Gesetzgebungsbefugnisse zu übertragen. „Der Pariser Vertrag ist mehr als ein historisches Dokument – er ist die lebendige Grundlage unserer Autonomie, die kulturelle Identität und politische Selbstbestimmung schützt und vor einseitigen Einschränkungen bewahrt“, betont Landeshauptmann Arno Kompatscher.
Höhepunkte des Jubiläumsjahres
Das 80-jährige Jubiläum des Gruber-Degasperi-Abkommens wird 2026 mit einer Reihe von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen begangen. Ein besonderer Höhepunkt wird der geplante Festakt am „Tag der Autonomie“ am 5. September 2026 im Kurhaus von Meran. Dazu werden die Staatsoberhäupter Italiens und Österreichs, Sergio Mattarella und Alexander Van der Bellen, erwartet.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen